Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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679 ich die Herren Chefs der Gouvernements ersuche, ihre volle Aufmerksamkeit der genauen und unnachsichtigen Ausführung des in der Verordnung des Minffter-Comittzs ausgedrückten Allerhöchsten Willens zuzuwenden, halte ich meinerseits für meine Pflicht, zu erklären, daß Gewaltthätigkeiten und eigenmächtiges Verfahren durch keine Beweggründe gerechtfertigt werden können, daß daher für das rechtzeitige Ergreifen von Maßregeln zur Verhütung und Unterdrückung von Unordnungen die Herren Gouverneure persönlich verantwortlich sind und daß ein jedes Auftreten von Unruhen die unausbleibliche Folge haben wird, daß diejenigen Amtspersonen, deren Pflicht es zunächst war, für die Verhütung von Unordnungen zu sorgen, sofort zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden. Indem ich es nicht für möglich halte, irgend welche nähere Anweisungen betreffs der Mittel, den angegebenen Zweck zu erreichen, zu geben, da diese Mittel einerseits durch das Gesetz vorgezeichnet sind, andererseits bezüglich der Wahl derselben in der Anwendung von zufälligen zeitlichen und örtlichen Umständen abhängen, bin ich überzeugt, daß die Herren Chefs der Gouvernements den durch den Allerhöchsten Willen deutlich ausgesprochenen Forderungen Nachkommen und vollkommen meine Erwartungen in dieser Hinsicht rechtfertigen werden, indem sie ihrerseits jede Nachlässigkeit der Behörden unnachsichtig ahnden." Amerika. Albany (G. A.), im Mai. Es wird Sie wohl erfreuen, aus unsrer Gemeinde im fernen Süden Nordamerikas Einiges zu erfahren. Wir sind hier ca. 35 jüd. Familien, hatten aber bis jetzt keine Synagoge. Auf meine Veranlassung wurde ein Gotteshaus gebaut, das wir am verflossenen Peßachfeste einweihten; ebenso wurde eine Religionsschule errichtet, in der ca. 40 Kinder Unterricht in Hebräisch und Bibl. Geschichte erhalten. Jacob Lorch, Pres. Hebr. Congreg. Feuill e 1 o n. <M Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Ko hu. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Es ist Reb Löb, welcher hier unter seinem Familennamen Munitz lebt, in Frankfurt wurde er nach seiner Vaterstadt Reb Löb Prager genannt. Er ist nicht nur ein außerordentlicher Künstler in seinem Fache,.einer der berühmtesten Jouweliere in Deutschland; sondern auch einer der edelsten, opferfähigsten Menschen, die je gelebt haben. Es lag stets in seiner Art, Gutes im Geheimen zn üben, seine schönsten Thaten in tiefes Dunkel zu hüllen, wenn diese entdeckt, sie hartnäckig zu verläugnen. Ihr werdet mich recht'sehr verbinden, wenn Ihr mich morgen zu Reb Löb Munitz begleiten wollt, auch meinen hochgelehrten Freund, den Prager Oberrabbiner Rabbi David Oppenheim, werde ich bitten, mich zu dem würdigen Manne zu begleiten, ich genüge mich nicht allein, ihn so recht nach Gebühr zu ehren." Der Primator blickte überrascht auf; einen Moment war er geneigt zu glauben, er hätte falsch gehört, aber der Frankfurter Raw hatte klar und deutlich gesprochen. „Was mich betrifft, so bin ich gern bereit, jeden Eurer Wünsche zu erfüllen; doch dürfte sich dem Besuche bei Löb.Reb Löb Muniz will ich sagen, ein Hinderniß entgegenstellen. Er ist seit drei Wochen schwer erkrankt. Durch einen unglücklichen Fall hat er sich am Kopfe verletzt und eine Gehirnerschütterung erlitten; wie ich gestern zufällig gehört, schwebt er zwischen Tod und Leben; der Arzt sprach es aus, es würde sich im Laufe des heutigen Tages, bis Mitternacht entscheiden, ob eine günstige Krisis oder was er für wahrscheinlicher halte, der Tod eintreten würde. Auch Euer zweiter Wunsch, daß wenn Gott boruch hu*) den Kranken bis morgen erhält, Euch Rabbi, unser Oberrabbiner, zu ihm begleite, dürfte schwer erfüllbar sein; Ihr müßt es wohl noch nicht erfahren haben, es hat dem unerforschlichen Gott gefallen, unseren würdigen Rabbi mit schwerem Leide heimzusuchen, er ist seit Kurzem sagi nohor1 2 3) und die AugenärKe erklären sein Augenlicht für unwiderbringlich verloren." „Boruch dajon hoemmes!"3) rief Rabbi Jakow erschrocken. „Wie erträgt der große Weise diesen harten Schlag? Gewiß mit ruhiger Ergebung in Gottes Willen!" Und als der Primator dies durch bejahendes Kopfnicken bestätigte, fuhr jener nach einer kurzen Pause der Sammlung fort. „Ihr sagt: Reb Löb Munitz sei schwer erkrankt! Da ist es unsere Pflicht für ihn die üblichen Gebete zu verrichten. Sein Verlust wäre ein unersetzlicher 1) Gelobt sei er. 2) Genug des Lichtes; eine eigenthümliche Umschreibung für erblindet. Der Hebräer liebt es, etwas Unangenehmes durch den entschiedenen Gegensatz zu bezeichnen, z. B. Bes hachajim (Haus des Lebens,) statt Haus der Todten, Friedhof. 3) Gelobt sei der gerechte Richter. Eine Benediction, die bei dem Empfangen einer schlechten Nachricht gesprochen wird.