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Der Israelit · 1882-07-05 · Heft 27 (5.7.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 27 (5.7.1882)
Date
1882-07-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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674 der Ortschaft Oknh, Kreis Balta gelegene Immobilien der Juden demolirt. Nährere Details fehlen noch, doch läßt sich aus den kurzen Worten der Meldung: „Die Juden sind obdachlos und ohne Brod!" schließen, daß wir es im vorliegenden Fall mit Baltaer Gräueln vielleicht in kleinerem Maßstabe zu thun haben. Der Generalgouverneur von Odessa hat in diesen Tagen, wie der „Odessk. West" mittheilt, vom Minister des Innern ein Circular erhalten, in welchem unter Anderem darauf hingewiesen wird, daß auf Grund der in Kraft bestehenden Gesetze ausländische Juden nur dann in Rußland Handel treiben können, wenn sie Kausmannsscheine 1. Gilde besitzen. Diese Bestimmung ist dem Odessaer Kaufmannsamte zur Anleitung und genauer Befolgung mitgetheilt worden. — Wie der „O. W." aus sicherer Quelle erfährt, ist dieser Tage den Militärzten in Odessa, von welchen viele den russisch-türkischen Feldzug mitgemacht haben, der Befehl zugegangen, daß ihnen ferner untersagt ist, christliche Diener zu halten. Diese Maßnahme wird dadurch motivirt, daß die christlichen Diener bei den jüdischen Aerzten demoralisirt werden. Diese Nachricht hat unter den jüdischen Aerzten große Sensation hervorgerufen, da viele von ihnen schon seitJahren christliche Diener halten. Türkei. Korrftantinopel, 28. Juni. Wie -der Agent Cazalt versichert, wird das Dekret über die jüdische Kolonisation in der Türkei demnächst veröffentlicht werden. Besitzungen in den Bilajets Adana, Mesopotamien und Aleppo sollen jüdischen Familien, die ottomanische Bürger werden wollen, umsonst gegeben werden und sechs Jahre abgabenfrei sein. Amerika. New-Uork, 25. Juni. Wie der „Daily News" telegraphirt wird, bringt der „American. Hebrew", das einflußreichste jüdische Blatt, heute einen Artikel, in welchem verlangt wird, daß der weiteren Einwanderung russischer Juden so lange Einhalt gethan werde, bis die 2,500 bereits Angekommenen untergebracht seien; es sei dem Comitß unmöglich, für Alle an solchen Orten Stelle zu finden, wo sie ihre Religion ausüben könnten; wenn das „Mansion House Comitö" darauf bestehe, daß die Ausübung der jüdischen Religion gesichert sei, so sollten sie Niemand hierher schicken, wo Einrichtungen bestehen, welche Tausende frommer Juden an der Haltung des Sabbaths hindern; nur Personen, welche die Fähigkeit und den Willen haben, ihren Unterhalt zu verdienen, können hier angenommcrr werden; große Summen, ohne alle Beschränkungen, müßten von den europäischen Juden hierher gesendet werden, man müßte die Flüchtlinge darüber verständigen, daß diehies.Juden wederden Willen noch die Mittel hätten, sie für ihr ganzes Leben zu unterhalten. Feuilleton. In Australien m. Es wurde heftig an der Thüre gepocht. John Willens beeilte sich zu öffnen. Ein vom Regen triefender Mann trat in die Hütte, die jetzt vom Scheine einer Lampe erleuchtet war. „Puh, ist das ein Wetter!" rief der Fremde. „Doch Ihr seid nicht allein, Willens?" „Ein armer Hausirer," antwortete der Angeredete, „hat Schutz vor dem Unwetter in meiner Hütte gesucht. Er hat eine große Flasche Rum mitgebracht, Bil, die er uns spendiren will." „Ich glaube," sagte Bil lachend, „für eine Flasche Rum ist Dir Dein und Deiner Freunde Leben feil!" „Mag sein," antwortete John, „zumal, wenn man in diesem verwünschten Lande schon seit drei Tagen den köstlichen Trank hat entbehren müssen. Doch jetzt setzt Euch ans Feuer, Bil, und trocknet Eure Kleider. Nachher wollen wir von Geschäften reden und dann den Thee nehmen, natürlich mit Rum vermischt." Bil folgte der Aufforderung. Der Schein des Feuers beleuchtete seine Gestalt, und Jsak erkannte zu seiner Ueberraschung Eduard Garnham, den er vor Jahresfrist unter den an Ketten geschmiedeten Sträflingen gesehen hatte. Was war aus dem jungen, eleganten Manne, den er in London gekannt hatte, geworden! Das struppige Haar und der struppige Bart entstellten das einst schöne Gesicht, auf dem Leiden und Entbehrungen ihre Spuren zurückgelassen hatten, fast bis zur Unkenntlichkeit, „Bil," sagte Wilkens, „wir müssen unsere Geschäfte abmachen, ehe wir den Thee nehmen; denn nachher bin ich unfähig, von Geschäften zu reden. Habt Ihr Euch endlich entschlossen, den edlen Beruf eines Buschrangers*) zu ergreifen?" ') Waldräubers.

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