Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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673 essen Knecht Michael Stöckler das linke Auge aus, ersetzte dem Israeliten Heinrich Kohn Messerstiche n den Hals, prügelte das Mädchen Betty. Weiß »urch und zerschnitt das Riemzeug der Pferde. Steiner rettete sich durch einen Sprung in die Donau. jZanduren eilten an den Thatort. Pefth, 26. Juni. Allgemein ist die Meinung verbreitet, daß die bei Dada aus der Theiß gelängte Leiche, die der Ester Solymossy ist. Die Muter hat sofort die Leiche als die ihrer bisher ver- 'chwundencn Tochter anerkannt, und der amtliche Leicheubeschauer hat gleich nach der ersten Besichtigung zu mehreren Juden gesagt: „Ihr könnt Gott danken, daß die böse Sache so abgelaufen ist." — Man behauptet ferner, daß die ganze Angelegenheit von Judenfeinden in dieses Stadium gebracht worden ist. Darum hat man keinen Juden zur Leichenbesichtigung zugelassen, selbst den jüdischen Kaufmann nicht, bei welchem die vielgenannte Ester kurz vor ihrem Verschwinden die Farbe gekauft hat? Warum hat man nicht einmal dem Vertheidiger der Angeklagten, dem jüdischen Advocaten Dr. Heymann, gestattet, bei der Besichtigung der Leiche zugegen zu sein? Zu den Aerzten, welche die Leiche untersuchten, haben die Juden in der Gegend von Tißa-Eslar nicht das geringste Vertrauen. Der eine derselben, Dr. Treitler, ist ein Schwager des Redacteurs eines judenfeindlichen Blattes, welches sich nicht entblödet, die abscheulichsten Lügen zu verbreiten. So ließ er sich am 23. Juni von Mischkolz telegraphiren, der Jude Lissaner in Tißa-Lek habe von Rothschild 300,000 fl. erhalten, welche Summe dazu verwendet werden solle, die ganze Angelegenheit zu vertuschen. Von diesem Gelde seien die Kosten bestritten, um aus weiter Ferne eine Leiche herbeizuschaffen und sie mit den Kleidern der Ester Solymossy zu bekleiden. Und dem Schwager des Redacteurs eines Blattes, welches solche Lügen erdichtet und verbreitet, ward die Untersuchung jener Leiche anvertraut! — Unliebsames Aufsehen macht die Verhaftung des Rabbinatsverwesers Rosenberg. Am heiligen Sabbat wurde er ergriffen, auf einen Wagen gesetzt und nach Mredihaza in's Gesängniß gebracht. Dort war gerade Wochenmarkt und nicht viel hätte gefehlt, so hätte man den Wagen überfallen und den Gefangenen mißhandelt. Die Panduren hielten den Pöbel von thätlichen Ausschreitungen zurück. Rosenberg wurde verhaftet, Weiler an dem Tage, an welchem die Leiche bei Dada gefunden wurde, verreist war. — Was nun die zwei Kinder betrifft, welche durch ihre Aussagen gegen die eignen Eltern so große Verwirrung angeregt haben, so meint man allgemein, daß die Kinder wahnsinnig sind. Gebe der allgütige Gott, daß bald Licht in die Sache komme und die Unschuld der so hart Beschuldigten klar zu Tage trete. England. London. Es ist wohlbekannt, daß die Judenbekehrung ein kostspieliges Werk ist. Aus einem neulich der Generalversammlung der freien Kirche von Schottland überreichten Berichte geht hervor, daß dieser Sekte die Judenbekehrung im abgelaufenen i Jahre 1054 Pfd. St. (beinahe 20,000 Mk.) per Kopf I kostete, denn die Ausgaben für die Judenbekehrungs-! Missionen betrugen Lstrlg. 6680 unD es waren nur 7 Taufen zu verzeichnen, nämlich 4 in Konstantinopel, 2 in Pesth und 1 in Breslau. London, 1. Juli. Das Mansion-House-Comitö zur Unterstützung flüchtiger russischer Juden hat bis j letzt bereits nahezu 8000 dieser Unglücklichen nach! Amerika, meistens nach den Vereinigten Staaten und Canada, gesandt. Die Zahl der flüchtigen Juden in Brody beträgt jetzt nur noch 2000, und beschloß das Comittz, die Zahl der nach Amerika zu sendenden jüdischen Flüchtlinge allmälig zu reduziren. Zur Unterstützung weiterer Auswanderer wurden Lstr.! 20,000 bewilligt, und ward beschlossen, da die Mittel des Comitös auf die Neige gehen, einen Aufruf für; weitere Geldbeiträge zu erlassen. Niederlande. Haag, 28. Juni. Die zweite Kammer nahm einstimmig den Handelsvertrag mit Rumänien an. Derselbe basirt auf dem Prinzip der meistbegünstigten Nation. In der Debatte kam auch die russische Judenverfolgung zur Sprache, welche der Deputirte Van Kerkwyk als schmachvoll bezeichnet. Rußland. Petersburg, 29. Juni. Dem „Golos" wird aus Balta gemeldet: Vor der Sektion des Bezirksgerichts fand am 27. ds. M. eine Prozeßverhandlung wegen der stattgehabten Judenexcesse statt. Sechs Angeklagte wurden verurtheilt, darunter einer wegen tödtlicher Verwundung zu 33 monatlicher Einstellung in die Arrestantenkompagnie, ein zweiter wegen Nothzucht zu vierjähriger Zwangsarbeit. Petersburg, 29. Juni. Trotz des energisch gehaltenen Circulars des Ministers des Innern vom 21. Juni doch wieder eine neue Judenhetze. In der Nacht auf den 26. Juni haben Pöbelmassen alle in