Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1882)
- Date
- 1882-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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651 heit und das Leben, der täglich sie erobern muß!" Nachdem noch Hr. Schönfeld dem Präsidenten Hrn. Dr. Israel für seine umsichtige und aufopfernde Thätigkeit im Interesse des Instituts den wohlverdienten Dank ausgesprochen, schloß mit der Declamation eines sinnigen Gedichts durch abwechselnd drei Schülerinnen und einem Schlußgesange die schöne, erhebende Feier. Rußland. Nikolajew, 8. Juni. Das Gericht hat die wegen der Odessaer Juden-Excesse vom 18. Nov. in Haft befindlichen Angeklagten freigesprochen. P a l ä st i n a. Jerusalem. Herr Joseph Krieger, Dollmetscher des Paschahs, der jüngst die Höhle Machpela in Hebron besuchte, schreibt dem „Habazeleth" hierüber Folgendes: „Am riD? my verließ ich in Begleitung des Paschahs Jerusalem. Wir gingen nach Chevron, um Alles sür die ankommenden englischen Prinzen (Söhne des Prinzen Wales) vorzubereiten und Alles zu beseitigen, was den Besuch der Höhle resp. des Bethauses, das sich oberhalb der Höhle befindet (in das Innere der Höhle dürfen selbst Mohamedaner nicht gehen) stören könnte. Am 4. Tag NOS, Nachmittags, nachdem Militär sich an den Thoren aufgestellt, holten wir die Prinzen von ihren Zelten ab und führten sie zur Höhle. Wir stiegen viele Treppen hinab, bis wir in die Vorhalle der unteren Gemächer kamen. Daselbst zogen wir türkische Schuhe an, die für die Besucher der Höhle bestimmt sind. Nun gingen wir in das Gemach, welches auf deni Grabe Abrahams erbaut ist. Dasselbe hat silberne Geländer, Thüren von Silber belegt und silberne Schlösser. Zittern erfaßte mich, als ich die Schwelle des Gemachs betrat, mit Thränen in den Augen verrichtete ich ein längeres Gebet, daß sich Gott über mich, mein Haus und unsere Brüder, die sich in Noth befinden, erbarmen möge. Aehnlich diesem Gemach ist gegenüber ein solches auf dem Grabe unserer Mutter Sarah. Von diesem gingen wir in ein sehr geräumiges Zimmer, das auf dem Grabe Jizchaks erbaut ist; auch in diesem find eiserne Geländer und eiserne Thüren, sowie silberne Schlösser. An der Seite desselben befindet sich das Gemach unserer Mutter Riwka, in welchem eine Fallthüre ist, die in das Innere führt. Wir ließen Lampen hinunter und sahen das Pflaster der Höhle, das aus 6—7 lü Ellen großen Steinen besteht. Auch sahen wir einen Eingang der Höhle, welcher mit Steinen verschlossen ist. Wollte Jemand in die Höhle, so müßte er sämmtliche Steine wegräumen. Hierauf besuchten wir die Gemächer von Jakob und Lea; diese sind mit Eisen umgeben und haben silberne Schlösser. Der ganze Bau, sehr alt, enthält sehr große Steine; in einem Gemach sahen wir sogar Steine von 15 Ellen Länge. Später besuchten die Prinzen den Paschah im Hause unseres Glaubensgenossen Rumanu und drückten ihre große Freude über den Besuch der Höhle aus. F t*u i l l e t o rr Jäöß Mmitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Zwölftes Kapitel. Es war wieder Freitag Vormittag, ein schwer beladener, mit zwei Pferden bespannter Reisewagen hatte sich mit großer Mühe durch das enge Gäßchen — damals hieß es Belelesgäßchen — in welcher das Rathhaus der jüdischen Gemeinde steht, durchgedrängt und hielt jetzt bei der Altneusynagoge. Der elegante Reisewagen hatte die Aufmerksamkeit nicht nur der Jugend, die Freitag Nachmittag vom Chederzwang x) befreit, sich zahlreich in den Straßen des Ghettos Herumtrieb, sondern auch allgemeines Aufsehen erregt, und er wurde sofort von einer Menge Neugierigen umstanden. Zwei Meschorßim sprangen vom Wagen ab und waren einer hohen, imponirenden Männergestalt beim Aussteigen behilflich. Es war dies ein großgewachsener Mann, in dem Anfang der Sechszig, mit ausdruckreichen Zügen und einem langen auf die Brust niederwallenden, weißem Barte. Er trug eine hohe, cylindrische Mütze von feinstem Zobelpelze, eine lange schwarzseidene, vorn an der Brust reich mit Silber gestickte und mit kostbarem Pelz verbrämte Schubitze;") um die Hüfte ein breites, gewässertes, dunkelblaues Seidenband als Gürtel; jene Tracht, wie sie nicht nur vornehme Polen, sondern bis vor wenigen Decennien alle Rabbiner und hervorragende Talmudlehrer trugen. Als der Ankömmling der Altneusynagoge ansichtig wurde, traten Thränen in seine Augen und er sprach laut die Benediction schechejonu^). 1) Schulzwang. 2) Kaftan. 3) Der Dank, der dem Schöpfer dafür ausgesprochen wird, daß man irgend ein Ereigniß erlebt hat.