Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1882)
- Date
- 1882-06-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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650 95 Pf. an das Central-Eomits zu Amsterdam abgeschickt. Die Summe der von uns in diesem Jahre gesammelten und übermittelten Spenden beträgt nunmehr 13,462 M. 64 Pf. — Wir halten es für angemessen, unsre edelmüthigen Brüder und Schwestern auf das Dringendste zu bitten, über das russische Elend die Armen im heiligen Lande nicht zu vergessen. Diese Bedürftigen sind auf die Unterstützungen vom Auslande angewiesen. Schon ist die Noth sehr groß, da die Unterstützungen aus Rußland, die bisher sehr reichlich flössen, größtentheils ausbleiben. Um so mehr ist es unsre Pflicht, den Unglücklichen die gewohnten Gaben nicht zu entziehen. Dm' 'rv D»m .fett ,nnn^> mso unspi ''hegi msoip im« tyi u'ty Hamburg, 14. Juni. Paulinen-Stift (Waisenhaus für isr. Mädchen) feierte heute vor einer zahlreichen Versammlung von Gönnern und Freunden desselben in seinen geschmackvoll decorirten Räumen den'Tag des 25jährigen Bestehens. Musik und Gesang der Zöglinge leitete die Feier ein. Der Präsident der Direction, Rechtsanwalt Dr. John Israel, hielt die Festrede, in welcher er zunächst einen Rückblick aus die Entstehung und Weiterentwickelung des Instituts warf. Wahrend bereits für isr. Knaben ein besonderes Waisenhaus seit 1766 bestand, fehlte bis zum Jahre 1856 ein solches für Mädchen. Die erheblichen Beiträge, welche zur Gründung und Erhaltung einer solchen Anstalt erforderlich waren, aus der Gemeindekasse oder durch freiwillige Zeichnungen zu erhalten, ließ sich schwerlich erwarten. Da erwarb der hiesige Kaufmann, 1. I. Jaffö im Jahre 1856 auf seine Kosten das 2. Marktstraße Nr. 5 belegene Haus nebst Garten, schenkte es einem von ihm berufenen Comitg zur Gründung eines Waisenhauses für israel. Mädchen und nannte es zum ewigen Andenken an seine verstorbene Gattin Pauline, geb. Goldschmidt, Paulinen- Stift. Der durch das edle Beispiel angeregte wohlthätige Sinn anderer Menschenfreunde sämmtlicher Eonfessionen ermöglichte den Umbau und die Einrichtung des Hauses, so daß am 14. Juni 1857 das Institut eröffnet werden konnte. Die Verwaltung bestand aus dem erwähnten Comitö, welchem 2 Ehrendamen und eine Directrice zur Seite traten. Zweck der Anstalt wurde, ganz verwaisten odervater- oder mutterlosen Mädchen hiesiger isr. Gemeinden unentgeltliche Verpflegung und Erziehung bis nach zurückgelegtem 16. Lebensjahre zu gewähren. Der Regel nach sollen die Kinder bei Aufnahme nicht unter 6 und nicht über 12 Jahr alt sein; völlig verwaiste Kinder werden bei der Aufnahme bevorzugt, taube, blinde und stumme Kinder nicht ausgenommen. Die Zöglinge erhalten in der Anstalt Wohnung, Beköstigung, Kleidung, eine sittlich religiöse Erziehung nach dem Geiste und den Grundsätzen der isr. Lehre und Unterricht. Leitender Gedanke bei letzterem ist, höhere Bildung zu geben, die Talente zu wecken und den Kindern einen Schatz für's Leben mitzugeben, der sie befähigt, den Stürmen der späteren Jahre gewachsen zu sein, und gerade darin hat die Existenz eines eigenen Waisenhauses seine Berechtigung, wenn auch der Staat seine Wohlthaten unterschiedslos über alle Eonfessionen ausgießt. Redner warf sodann einen Blick auf das erfreuliche und erspriesliche Verhältniß, welches zwischen Paulinen- Stift und der isr. Mädchenschule von 1798 bestanden hat. Schon im Jahre 1857 wurde vereinbart, daß die Zöglinge des ersteren unentgeltlichen Unterricht in der genannten Schule erhielten, eine Vereinbarung, die auch in Kraft geblieben ist. Bis Ostern 1862 war die Directrice des Stifts zugleich Lehrerin an der Schule. Wenngleich die Ausdehnung, die beide Institute erlangt haben, eine örtliche Trennung unvermeidlich machen wird, ist doch zuversichtlich zu hoffen, daß der Unterricht ein gemeinsamer bleiben wird. Redner hält sodann den heutigen Tag für geeignet, gleich zwei Hauptwünsche, die noch der Erfüllung harren, auszusprechen und die darauf gerichtet sind, daß für die Zöglinge, die das Institut verlassen, etwas mehr geschehe, als bisher geschehen konnte, daß eine nähere Verbindung der Kinder, die aus dem Stift austreten, mit demselben für die Zukunft hergestellt werde, und daß eine Aenderung in Bezug auf die nicht mehr genügenden Räumlichkeiten eintrete. Es fehle an einem Garten, einem ausreichenden Tummelplatz für die Kinder, es sei erwünscht, daß ein anderes Haus auf dem Lande, in der Nähe der Stadt, erworben werde, damit die Schülerinnen gezwungen würden, den für die Gesundheit heilsamen Weg zur Stadt zu machen. — Sodann sei der heutige Tag vorzugsweise ein Tag, um dem Danke Ausdruck zu geben für die vielseitige Unterstützung, die dem Stifte durch die Vertreter der isr. Gemeinde und die sonstigen zahlreichen wohlthätigen Geber geworden ist, ferner vor Allen dem edlen Begründer Herrn Jaffö und den Collegen und Kameraden den Dank für die langjährige eifrige Mitwirkung auszusprechen, besonders der segensreichen 25jährigeu Thätigkeit des Mitgliedes der Direction Herrn I. Schönfeldt und der rastlosen 8jährigen Mühewaltung der Directrice Frau Jeannette Haurwitz, welcher im Namen der Direction und DepuMtion eine werthvolle goldene Denkmünze überreicht wird. Schließlich richtet der Redner einige herzliche mahnende Worte an die 21 Schülerinnen und spricht dabei die Hoffung aus, daß sie aus dem Unterricht die Lehre gezogen hätten, daß Arbeit den Reiz des Lebens ausmache und des Dichterwortes eingedenk sein würden: „Nur Der verdient die Frei-