Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1882)
- Date
- 1882-06-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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646 Deutschland. Fischach (Bayern), 30. Mai. Auf Veranlassung des Herrn Lehrer Wolf werden dahier zu Gunsten der russischen Glaubensgenossen monatliche Sammlüngen veranstaltet, die jedesmal 24 Mark erzielen. BockenHeLm, im Juni. Ein schönes Fest keierte am 15. d. M. der Lehrer und Cantor der isr. Gemeinde zu Vockenheim, Herr L. Mannsbach, der 25 Jahre lang im Dienste dieser Gemeinde in treuer Pflichterfüllung seine Stelle bekleidet hat. Derselbe verstand es, während dieser Zeit die Gemeinde in jeder Weise würdig zu vertreten. Es wurden ihm daher auch an seinem Ehrentage von Seiten seiner Behörde in Hanau, sowie von Seiten der Gemeinde und seiner Schüler und selbst von christlichen Mitbürgern Anerkennungen und Ehrenbezeugungen von hier und auswärts gezollt. Ein solennes, feierliches Ständchen, ausgeführt von einem der besten Männergesangvereine dahier beschloß die Feier seines Ehrentages. Am darauffolgenden Sabbat hielt Herr Mannsbach in der hiesigen Synagoge eine darauf bezügliche, gediegene und gut durchdachte Rede, welche sich eines allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in Gesundheit und ungeschwächter Kraft, auch seine goldene Feier einst begehen zu können. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 24. Juni. Zur Affaire von Tisza- Eszlar liegt blos die Meldung vor, daß die Untersuchungs-Commission noch mehrere Tage in Tisza- Eszlar verbleiben wird. Die Untersuchung wird in drei Richtungen energisch fortgesetzt. In Folge wichtiger gravirender Umstände wurde der gewesene Eßlarer Schächter und gegenwärtige Rabbiner-Stellvertreter ebendort, Salomon Rosenberg, in Haft genommen und heute unter starker Escorte in das Nyiregyhazaer Gerichtsgefängniß überführt. Die Verhaftung erfolgte wegen Verdachtes, der Mystificirung mit der falschen Leiche schuldig zu sein, weil er zu jener Zeit, als die Leiche gefunden worden, vom Hause abwesend war. — Zwei Floßleute, welche die Leute nach Dada gebracht zu haben beschuldigt wurden, sowie andere Personen, zusammen neun Leute, wurden in Nyiregyhaza verhaftet. — Ferner wird gemeldet, daß die aufgefundenen Kleider der Esther Solymossy behufs chemischer Untersuchung nach Budapest geschickt werden. Feuilleton. Zn Australien, n. Das Geschäft Jsaks war ein recht einträgliches; die Ansiedler mit ihren Frauen begrüßten den Hausirer stets mit der größten Freude. Brachte er ihnen doch allerlei notwendige und überflüssige Waaren, die sie in anderer Weise nicht erlangen konnten. Groß waren aber auch die Beschwerden und Mühseligkeiten, die er zu erdulden hatte. Oft mußte er auf bloßer Erde schlafen. Es bedarf einiger Uebung, um ein Lager auf bloßer Erde genießen zu können. Dem Neuling, der an schwellende Matratzen und Federkissen gewöhnt ist, schmerzen am Morgen alle Knochen. Er erwacht, wenn er überhaupt geschlafen hat, steif, kalt, unerfrischt, und fühlt sich den ganzen Tag über lässig und abgemattet. Rach einigen in ähnlicher Weise zugebrachten Nächte macht sich die Sache schon besser, und hat man erst ein paar Wochen nach einander kein Bett gesehen, so schläft es sich auf dem Boden wenigstens so gut, wie im üppigsten Bette. — Auch die Ernährung des Hausirers war meistens eine sehr mangelhafte. Andere Leute in seiner Lage konnten sich doch von Zeit zu Zeit an guter, wohlschmeckender Kost erquicken, während das jüdische Religionsgesetz es Jsak unmöglich machte, an den Mahlzeiten der Ansiedler Theil zu nehmen. Aber auch hieran gewöhnte er sich, und die stete Bewegung in freier Luft erhielt ihn gesund und kräftig, trotzdem er fast nur von Brod und Früchten lebte. — Andererseits fehlte cs auch nicht an manchen interessanten Erlebnissen. So hatte er einst Gelegenheit, einem Feste der australischen Schwarzen beizuwohnen. Als Jsak gegen Abend in einem Dorfe der Eingeborenen ankam, merkte er an dem Schreien und Schwatzen der Wilden, daß sie sich auf eine besondere Festlichkeit vorbereiteten. Die Männer waren um ihr Feuer versammelt und emsig beschäftigt, sich aufzuputzen, indem sie ihre Locken reichlich mit einer aus Fett und rothem Oker bereiteten Pomade bestrichen und ihren Körper auf die verschiedenste Weise zu verschönern suchten. Alle diese Vorbereitungen galten dem Korroberry, einem Nationaltanze der australischen Schwarzen. Bald nach Eintritt der Dunkelheit sammelten sie sich um ein großes Feuer, und nun begann die Festlichkeit. Die