Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1882)
- Date
- 1882-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXIII. Jahrgang. Erste Beilage 511 Nr. §5 des Zsraelit. Leitende Artikel. pie provinzial-Korrespondenz und die perbrecherstatistik. 8. Die „Provinzial-Correspondenz" (Nr. 22) stellt unter dem Titel „Die preußische Strafrechtspflege im Jahre 1881" interessantes Material zusammen, ans dem wir sowohl um seiner selbst willen, als auch wegen einer Bemerkung, mit welcher das halbamtliche Blatt ein Crgebniß dieser statistischen Aufnahme begleitet, Folgendes mittheilen. Die Notiz, auf welche es hier ankommt, lautet: Das Verhältniß der Vernrtheilten zurGcsammtzahl der Angehörigen der einzelnen Religionsbekenntnisse weisen die folgenden Ziffern nach. Es wurden 1880 1881 gezählt zu Strafe pCt. verurtheilt Katholiken (einschl. 1,353 griech.-kathol.) . . . 9,127,551 80,323 0,s$ Evangelische .... 17,490,409 130,056 0,74 Juden. 362,481 2,379 0,G6 Personen sonst. Glaubens 22,259 236 1,oG Personen ohne Angabe oder mit unbest. Angabe des Bekenntnisses . . 23,249 13,885 Das Verbrecherverhaltnitz springt hier in die Augen: damit aber der gemeine Mann nicht etwa voreilige Schlüsse ziehe, und fragen wollte, wie die Herren, welche die Juden als diejenigen hinstellten, die das Nationalwohl und die Nationalchre bedrohten, die Herren, zu deren Sprecher sich sogar ein Hofprediger gemacht, diesen so beredten Zahlen ihre Beschuldigungen aufrecht erhalten wollen: beeilt sich die „Provinzial - Earrespondenz" folgende Erläuterung beizufügen: „Aus diesen Angaben auf die größere oder geringere Moralität der den einzelnen Eonsessionen oder Religionen Angehörigen zu schließen, würde durchaus verfehlt sein, da von hervorragender Bedeutung für die Entwickelung der Verbrechen der allgemeine Culturzustand eines Landestheiles, die Wohlstandsverhältniffe in demselben, die Volksdichtigkeit und Störungen in den Nahrungsverhältnissen durch Mißernten und anderweitige Nothstände u. s. w. sind. Vertheilten sich übrigens die Verurteilten, deren Consession nicht genügend angegeben ist, gleichmäßig auf - die drei Hauptbekenntnisse, so würde deren Prozentantheil analog um 0,os größer sein." Oo, wenn dies Ergebniß sich für die Juden ungünstiger gestaltet haben würde, die „Prov.-Corr." ebenso rasch mit einer solchen Erklärung bei der Hand gewesen wäre, wollen wir nicht wagen zu behaupten. Doch auch wir wollen, gerade weil die Zahlen zu unfern Gunsten sprechen, nicht hervorheben, wie mau sonst in Bezug auf Moralität Zahlen zum Zeugniß angerufen hat. Wie stolz haben schon oft gewisse Länderstriche in Deutschland auf Bayern hingewiesen, für welches die Statistik für das Verhältnis der ehelichen zu den unehelichen Geburten ungünstige Zahlen ergeben hat. Was hat man daraus nicht alles für Forderungen, auf welche wir hiermit nur hingedeutet haben wollen, gezogen. Wir aber wolleil zugeben, daß den Juden manche der von der „Prov.-Corr." angegebenen Verhältnisse zu Gute kommen und wollen deßhalb die so große Unwahrscheinlichkeit annehmen, es wären unter ungünstigen Lebensverhältnissen 300 Juden, also fall ein Sechstel, mehr verurtheilt worden, würde das Procentverhältniß noch immer das günstigste, unter 0,?4 ,.s bleiben. Dann wäre aber auch noch zu berücksichtigen, wie sich das confessionelle Verhältniß nach Art der Verbrechen, für welche die Verurtheilung erfolgt ist, stellt. Die „Prov.-Corr." belehrt uns darüber leider nicht. Wie wir uns also auch voreiliger Schlüsse enthalten wollen, das aber dürfte doch daraus gefolgert werden, daß die Juden nicht den Theil der Bevölkerung bilden, von dem ein entsittlichender oder socialschädigender Einfluß auf das deutsche Nationalwohl und. das Wohl der Einzelnen zu befürchten ist. Zur Schech itah-Ungele Mtzeit. 8. Auf unfern Wunsch, über die Erfahrungen^ welche mit der Bruneau'schen Schlachtmethode an verschiedenen Orten gemacht worden sind, uns'Nachricht zukommen zu lassen, war ein Herr aus München so gütig uns mitzutheilen, daß dort die Schlachtmaske nur bei der sogenannten Freibank und da nur von einem Metzger gebraucht wird, daß die Gesellen dieses Meisters sich aber über deren Gebrauch beschweren, weil außer dem Schlage auf den Stift immer noch mehrere Schläge geführt werden müssen^ um das Thier zu tödtcn.