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Der Israelit · 1882-06-21 · Heft 25 (21.6.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 25 (21.6.1882)
Date
1882-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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wurden; die Holle auf Erden, wo die meuschenverachteude Tyrannei der Machthaber einen solchen Grad erreichte, daß schon ein böser Blick mit Geißel- Hieben bestraft wurde, und zu Zeiten des Mangels der Gouverneur seine Gefangenen zwar auf Viertelrationen setzte, seinen Hunden aber ganze gab; diese verachtete und verabscheute Missethäter-Colonie ist jetzt zu dem Lande geworden, wo die Arbeit am besten belohnt wird, die Bevölkerung am raschesten zuuimmt und der Lebensunterhalt mit den geringsten Sorgen sich gewinnen läßt. Diese Betrachtungen hatten einen Jüngling, Namens Jsak Maibaum, bewogen, Europa zu verlassen, um in Australien sein Glück zu machen. Allein bis jetzt hatte ihm das Glück noch nicht gelächelt. Einen schweren Waarenpack tragend, durchzog er hausirend das Land. Heiß brannte die australische Sonne. Seufzend und unter seiner schweren Last keuchend, durchschritt Jsak die ausgedörrte Landschaft. Er gedachte seiner Lieben daheim, seines Vaters und seiner Mutter, mir denen er als kleines Kind die russische Heimath verlassen, um nach einer mühevollen Wanderung durch Deutschland und Holland über das Meer zu fahren und in London sich dauernd niederzulassen. Aber auch dort hatte die Familie Maibaum keine besseren Tage gesehen. Samuel, der Vater, der Landessprache unkundig, konnte nur schwer das tägliche Brod für sich und seine zahlreiche Familie erringen. Zwar wurde Jsak in die jüdische Freischule ausgenommen und genoß daselbst einen gediegenen Unterricht. Als er die Schule verließ, schätzte er sich glücklich, eine Stelle in einem Geschäfte zu finden, welchem zwei Brüder, zwei alte Junggesellen, Vorständen, das heißt, nur der ältere Bruder, Mr. Adolph Barnet, war der eigentliche Chef, während der jüngere Bruder, Mr. Bernhard Barnet, als erster Buchhalter fungirte. Man konnte sich nichts Komischeres denken als den Verkehr dieser beiden Brüder miteinander. Sie liebten sich unaussprechlich und konnten sich keinen Augenblick miteinander vertragen. Mr. Adolph Barnet hatte stets an den Arbeiten seines Bruders etwas auszusetzen; dieser aber hielt Alles, was er that und schrieb, für mustergiltig. Dann gab es regelmäßig einen heftigen Wortwechsel, der damit endete, daß Mr. Adolph seinen Bruder zum Comptoir hinauswarf und die Thüre abschloß. Mr. Bernhard blieb dann ruhig und bescheiden vor der Thüre stehen. Das rührte den älteren Bruder; er schloß die Thüre wieder aus und verlangte Abbitte. Wenn diese jedoch verweigert wurde, so reizte das Mr. Adolph's Zorn nicht. Er hatte vielmehr Mitleid mit dem Bruder, der vor der Thüre stehen mußte, und schob ihm einen Stuhl hinaus, damit er sich setzen könne. Nach fünf Minuten verlangte Mr. Adolph auf's Neue Abbitte, und wenn diese wiederum verweigert wurde, so reichte er dem Bruder dessen Violine, damit er sich die Zeit vertreibe. Dann spielte Mr. Bernhard so rührende und herzergreifende Melodien, daß Mr. Adolph zur Thüre hinauslief, den Bruder umarmte und küßte, ihn ins Comptoir hineinführte und feierlichst Friede mit ihm schloß. Eines Tages hatte Mr. Bernhard die Annahme der Violine verweigert; er sei nicht in der Stimmung zu spielen. Da befahl Mr. Adolph dem jungen Maibaum, sich vor die Thüre zu begeben, dem Bruder Gesellschaft zu. leisten und ihn bestens zu unterhalten. . „Was wünschen Sie, Mr. Maibaum?" fragte Mr. Adolph barsch. „„Ich soll Ihnen Gesellschaft leisten."" „Gehen Sie nur wieder hinein; ich bedarf keiner Gesellschaft" „„Haben Sie schon gehört, Mr. Adolph, daß in voriger Nacht der alte Adam Smith ist ermordet worden?"" „Kein Wort. Wer ist der alte Adam Smith?" „„Ein reicher Geizhals ohne Frau und Kinder. Er ist der Besitzer des Hauses, in welchem wir, meine Eltern, Geschwister und ich, wohnen."" „Und wer ist der muthmaßliche Mörder?" „„Der Neffe des Alten, Eduard Garnham, ist ergriffen worden. Er hatte einen geladenen Revolver bei sich und hatte sich in das Haus des Ermordeten eingeschlichen. Er ist der That dringend verdächtig; doch wird ihm die Jury nicht ans Leben können, da er den Mord läugnet und ein eigentlicher Beweis nicht vorliegt."" „So wird er wohl nach Australien deportirt werden. Schönes, reiches Land, Australien! Wenn ich dreißig Jahre jünger wäre, so würde ich der Tyrannei meines Bruders entstiehen und nach Australien fahren. Dort kann man in kurzer Zeit ein reicher Mann werden. Warum gehen Sie nicht nach Australien, Maibaum?" In diesem Augenblicke hatte Mr. Adolph die Thüre geöffnet und dem Bruder die Verzeihung verkündet. Auch Jsak kehrte an seinen Arbeitspult zurück; aber die Worte: „Warum gehen Sie nicht nach Australien, Maibaum?" tönten ihm fortwährend in die Ohren. Von diesem Tage an suchte er jeden Pfennig zu ersparen, um seine Ueberfahrt nach dem fernen Polynesien zu ermöglichen. Endlich hatte er die erforderliche Summe beisammen, nahm Abschied von Vater, Mutter und Geschwistern und fuhr über das Meer. Nach langer Fahrt, einer Fahrt voller Entbehrungen und Beschwerden — sie hatte 126 Tage gedauert — erreichte Jsak das erwünschte Ziel, und vor seinen Blicken lag die Hauptstadt Sidney mit ihren langen Reihen weißer Häuser,

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