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Der Israelit · 1882-06-21 · Heft 25 (21.6.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 25 (21.6.1882)
Date
1882-06-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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618 Budapest, 12. Juni. „Selten hat noch eine Affaire so allgemeines, tiefgehendes Interesse in- und außerhalb Ungarns erregt, wie die Wahrmann- Jstoczy. Schon Freitag Nachmittags war die leidige Affaire nicht in Parlaments- und Parteikreisen allein, sondern auch unter der Bürgerschaft, in Clubs und Vereinen, auf den Straßen und in allen Localen ausschließliches Gespräch. Alle Sympathien der Stadt und speciell seiner Leopoldstädter Wähler flogen dem in unerhörter Weise provocirten Wahrmann zu. Vor Allem traten zwanzig, der im fünften Bezirke, in Minorität befindlichen christlichen Wähler zusammen, um ausschließlich eine von Christen ausgehende Demonstration für Wahrmann zu insceniren; die in aller Eile verfaßte Adresse verdammte sehr energisch die unqualificirbare Haltung Jstoczys. Der Bürgerclub der Leopstadt ist für eine Deputation und einem Fackelzug thätig, die vorläufig auf Dienstag projectirt sind. Eine Anzahl junger Männer aus guter Gesellschaft: Kaufleute, Advocaten und Andere verbinden sich nach Austragung des Duells Jstoczy einzeln vor die Klinge zn fordern. Wahrmann selbst bestellte noch am selben Tage sein Haus und machte gestern Vormittag mit seinem Bruder Schießübungen in der Schteßstätte. Wie ein eben eingelaufenes Telegramm meldet, ist das Duell schon bei seinem Beginne durch einen Policisten verhindert worden und als es dennoch stattfand, blieben beide Gegner nach einem einmaligen Kugelwechsel unversehrt. Glücklicherweise! Die Bedingungen waren gar zu ungleich. Jstoczi, ein Mann in den besten Jahren, und Wöhrmann, ein älterer, halbblinder Herr! Ein zweites Telegramm bringt die Nachricht, daß die lang gesuchte Esther Solymossy lebt. Der Lärm im Reichstage und die Erfindungen der antisemitischen Blätter, erscheinen damit erst recht in ihrer frivoler' Uebereilung gebrandmarkt. Volle Anerkennung gebührt aber der ungarischen Landbevölkerung, welche sich musterhaft, ruhig und besonnen benahm. Um so anerkennenswerther ist diese Haltung angesichts der mit großem Raffinement und zäher Hartnäckigkeit betriebenen Verleumdung und Verhetzung. Schloß-Nte-eI (Ungarn), 14. Juni. So sehr sie sich 'auch bemühten, die Apostel des Antisemitismus, denselben auch nach Ungarn künstlich zu verpflanzen, es gelang ihnen bei weitem nicht. Die unter die Massen geschleuderten Brandraketen zündeten nicht, verpufften geräuschlos. Grundlose Verdächtigungen , erdichtete Schauermärchen verleiten nicht ein durch ruhmvolle Traditionen ausgezeichnetes Volk zu Ausschreitungen, welche dem Jahrhundert den Stempel der Schmach aufdrücken. Die in den Hallen der ungarischen Akademie erklungene Stimme, den um Kunst und Literatur hervorragenden Verdiensten jüdischer Staatsbürger rühmlichst Anerkennung zollend, und die edlen, hochsinnigen Enunciationen zahlreicher Landesväter, werden die Hetzrufe eines Jschtozi übertönen und im Herzen des Volkes lebhaften Nachhall erwecken. Auf Anregung edler Männer sind auch in der Zizs, wie in allen iibrigen Theilen des Landes Sammlungen für die jüdischen Opfer russischer Rohheit eingeleitet worden. Das Ergebniß ist ein erfreuliches, in manchen Orten ein überraschendes. — Es wird ernstlich geplant in der Zizs immer Zweigvereine der „Alliance JsraÄite" ins Leben zu rufen. Zu diesem Behufe werden die Israeliten der Zizs zu einer allgemeinen Versammlung einberufen werden. Jacob Rosenzweig. Feuilleton. In Australien i. Es gibt vielleicht kein interessanteres Thema für den Geschichtsschreiber, als das wunderbare Aufblühen der australischen Colonien — denn die Weltannalen bieten uns kein ähnliches Beispiel einer so raschen Entwickelung, eines so schnellen Fortschreitens dar. Wo noch vor weniger als hundert Jahren der große Weltumsegler Cook nur einige, fast auf der Stufe der Thierheit stehende Wilde antraf, erheben sich Städte, deren Pracht mit der der Metropole des Mutterlandes wetteifert, und die Häfen, wo noch vor fünfzig Jahren nur der Auswurf der Menschheit zur gezwungenen Arbeit ausgeschifft wurde, sehen jetzt jährlich Tausende von freien Auswanderern aus allen Welttheilen herbeiströmen. Die acht Merinoschafe, die ursprünglich ein unternehmender Emigrant — M'Arthur — einführte, sind zu Millionen herangewachsen: das Land, welches keine einzige wilde Frucht oder Wurzel hervorbrachte, die dem Menschen als Nahrung hätte dienen können und mit Ausnahme eines wandernden Känguruhs oder scheuen Emu's keinen Vierfüßler oder Vogel, der des Schusses werth war, führt jetzt für viele Millionen Pfund Sterling Wolle, Talg, Kupfer und Gold aus; und ein zahlreiches Volk lebt im Vollgenuß aller Producte, welche der Kunstfleiß oder die Natur in allen Welttheilen erzeugen! Der Verbannungsort der Verbrecher, der verrufene Aufenthalt der Thränen und der Verzweiflung, wo der Mangel an Lebensmitteln oft so groß war, daß Morde füreine einzige Mahlzeit begangen

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