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Der Israelit · 1882-06-21 · Heft 25 (21.6.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 25 (21.6.1882)
Date
1882-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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614 Pforten des Todes. Als es genas, warnte der Arzt den Vater und sprach: Das Kind wird großen Appetit haben; aber man muß es sorgfältig hüten, daß es seinen Magen nicht überlade, sonst könnte leicht ein Rückfall eintreten. — Groß war die Freude des Knaben, da er zum ersten Male wieder bei Tische erscheinen durfte. Ihrer Gewohnheit gemäß gab ihm die Mutier von den Leckerbissen nur wenig. Der Vater aber nahm den Teller weg und sprach: Du darfst gar nichts davon essen. — Bitterlich weinte das Kind. — Ich Aermster, rief es, jetzt hat mein Vater sich mit der Mutter verbunden, mir wehe zu thun! — Thörichter Knabe, sagte der Vater, die Mutter will Dir nur wenig geben, um Dir wehe zu thun; ich aber entwiche Dir die Speisen, die Dir nicht gm sind, um Dich gesund zu erhalten. — So geschah es auch an der Tafel des Königs von Persien. Haman, der die Juden haßte, war bemüht, ihnen von den köstlichen Speisen der königlichen Tafel so wenig als möglich zukommen zu lassen. Mordechai, der die Juden liebte, wünschte, daß sie von der verbotenen Kost womöglich gar nichts genießen möchten. So hatten die größten Gegensätze ein gemeinsames Resultat. Auch wir erleben etwas Aehnliches. Die Judenfeinde in allen Ländern der Erde verlangen immerwährend, daß die Juden nach Palästina, nach Jerusalem zurückkehren sollen, während die Freunde unseres Volkes keinen heißeren Wunsch haben, kein innigeres Gebet zu unserem Vater im Himmel cmporsendeu, als die Bitte um Rückkehr in das Land unserer Väter o^orna y'L- -pnea wjjj nj*inrv. „Mögen unsere Augen cs doch schauen, daß Gott uns zurückführt nach Zion mit Erbarmen!" Bekanntmachung. Wir machen hiermit bekannt, daß der „Nansiou House Fond für die Unterstützung jüdischer Flüchtlinge aus Rußland" nur für solche Personen in Anspruch genommen werden kann, die unmittelbar durch die Verfolgung in Rußland gelitten haben oder die aus Ortschaften entflohen sind, in welchen Angriffe auf das Vermögen oder das Leben der Juden in Wirklichkeit stattgefundeu haben. Als zur Auswanderung geeignet werden wir nur diejenigen betrachten, die eine Profession erlernt haben und durch ihrer Hände Arbeit in ihrer neuen Heimath sich ernähren zu können versprechen. Buchführer, Commis und Trödler müssen als ungeeignet zurückgewiesen werden. Personen, die Frau und Kinder in Rußland zurückgelassen, wird unter keinen Umständen Unterstützung zur Auswanderung gewährt werden. Diejenigen, die ein kleines Vermögen besitzen, werden bevorzugt werden. Da der Fond nicht hinreichend ist, alle Flüchtlinge zu unterstützen, und daher eine Auswahl zu treffen ist, so werden nur solche Fälle berücksichtigt werden, in welchen mit einiger Gewißheit angenommen werden kann, daß die Auswanderung das geeignete Mittel zur Selbsthilfe und Selbsterhaltuug ist. In Fällen hingegen, in welchen eine solche Annahme unbegründet wäre, werden die Auswanderer wieder dorthin zurückbefördert werden, von wo aus sie hierher geschickt worden sind. Wir halten es für Unrecht England oder Amerika mit unrettbar Verarmten zu überfüllen. Der Verwaltungsausschuß des ComitSs des Marion House Fond für die Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland. Tlie Mansion House, London, 1. Juni 1882. I. Whittaker Ellis, Lord Mayor. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 20. Juni. Sowohl im vorigen Jahre als auch in diesem Frühling hatten hier die Sammlungen zu Gunsten der russischen Flüchtlinge und zur Unterstützung der Beraubten einen sehr günstigen Erfolg. Im vorigen Jahre wurden circa 7000 Mark gesammelt, welche an das Unterstützungs - Comittz nach Petersburg gesandt wurden. In diesem Jahre ergab die Sammlung mehr als 13000 Mark, welche dem Frankfurter Counts überwiesen wurden. Da jedoch die Unterstützung noch bedeutende Mittel erheischt, eine wiederholte Collecte jedoch voraussichtlich nur geringen Erfolg haben würde, so hat sich hier ein Damen -Comitö gebildet, welches zu dem in Rede stehenden Zwecke nach erlangter behördlicher Erlaubniß eine Lotterie veranstaltet. Junge Mädchen, die Töchter unserer angesehensten Familien, wandern von Haus zu Haus und betreiben den Verkauf der Loose auf das Eifrigste. So wird wiederum eine beträchtliche Summe erzielt werden. Möge dieses edle Mühen an vielen Orten Nachahmung finden. Darmstadt, 17. Juni. Vorgestern Abend nach 9 Uhr hat sich ein aus Rußland ausgewiesener Jude an der Staketenwand längs des Viehausladeplatzes der Main-Neckarbahn aufgehängt. Ein i &

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