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Der Israelit · 1882-06-14 · Heft 24 (14.6.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 24 (14.6.1882)
Date
1882-06-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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596 Zodok hatte die ihm vorgelegten Papiere einer eingehenden Prüfung unterzogen; es verhielt sich in der That genau so, wie es sein Vater gesagt. „Aber wie kann man denn so albern und kopflos sein, eine solche Bedingung einzugehen, einen solchen Kontrakt zu unterschreiben?" meinte Zodok. „Ich hatte Dich für einen weit tüchtigeren Geschäftsmann, für einen weit klügeren Menschen gehalten!" „Du verstehst das nicht!" erwiderte Reb Kalman, „die Kontrakte sind für mich so außerordentlich günstig, daß ich an diesem, mir leicht erfüllbaren Paragraphen, keinen Anstand zu nehmen brauchte ..... Du brauchst ja gar nicht besorgt zu sein; ich bin ja ein reicher Mann; hier habe ich 150,000 Gulden baares Geld, und einen gleichen Betrag habe ich bei den drei Grafen ausstehen, das gibt zusammen 300,000 Gulden, davon bin ich allerdings Dir 130,000, einem Unbekannten durch David Wodnian 30,000 und will Dir's 'nicht verhehlen, noch andern in kleinen Beträgen, zusammen 40,000 Gulden schuldig, alle meine Passiven betragen daher nicht mehr als 200,000 Gulden, es bleiben daher noch 100,000 Gulden mein Eigenthum, dann besitze ich ja noch manches andere Werthvolle, freilich Waarenvorräthe habe ich zu dieser Jahreszeit nicht viel am Lager, aber Schmuck, Gold und Silbergeräthe, das Haus, das ich bewohne — wenn Du es mir nur nicht unmöglich machst, weitere Vorschüsse zu leisten — bin ich ja ein ^reicher Mann; — allerdings wenn ich durch Deine schuld 150,000 Gulden verliere, dann wäre ich ruinirt; — aber ich hoffe, das wirst Du mir doch nicht anthun!" Es fehlte nicht viel, hätte der stolze Mann, der sich so tief vor seinem Sohne demüthigen mußte, zu weinen angefangen; es schien dies aber auf Zodok's Kieselherz keinen großen Eindruck hervorzurufen. Er hatte seinen Vater aufmerksam angehört, hatte die Lippen übereinandergepreßt und die Augen zusammengekniffen, wie Manche zu thun pflegen, wenn sie mit anstrengenden Gedanken beschäftigt sind. „Weil Du gerade vom Schmuck sprichst — verherrliche Schmuck, den Du so vortheilhaft für mich gekauft hast, war ja die Veranlassung des unglückseligen Unfalles mit Löb Hund — wie soll denn j das geordnet werden? Du hast mir einen, wie es sich jetzt herausstellt, ganz werthlosen Schmuck mit 4000 Thaler oder 6000 Gulden angerechnet, die kann ja nicht ich büßen! Ich muß es Dir nur gestehen, es ist sehr auffallend, daß Du ein Geschmeide, das nichts als eine kunstreiche Fassung besitzt, aber ganz aus Pierre de Stras gefertigt ist, für echt kauftest, daß Du nicht zuerst den Schmuck von einem Kenner genau prüfen, Dich in so unverschämter, lächerlicher Weise betrügen ließest!" „Du wirst Doch nicht glauben, daß ich meinen Sohn, mein eigen Fleisch und Blut, meinen B'chor, betrügen würde?!" schrie Opotschna, kreideweiß, mit vor Wuth bebenden Lippen. „Wenn man Dein Benehmen genau betrachtet, würde es Niemanden wundern, wenn ich das glauben würde. Wenn Du, wie Du behauptest, selbst betrogen wurdest, so solltest Du doch Schritte thun, den betrügerisch entlockten Betrag zurückzuerhalten!" „Schomajim woorez!"'^) jammerte Reb Kalmen, „wer hätte da an Betrug denken sollen! die Dame, eine Freifrau vor: Malmenhausen trat ja glanzvoll aus, sie reiste mit Dienerschaft und Kammermädchen, sie behauptete den Schmuck einst von einem regierenden Herrn erhalten zu haben. Sie istabgereist; ich war schon bei nnserm vielvermögenden Primator Reb Jizchak Taußig und habe ihn um seine Unterstützung in dieser Angelegenheit gebeten, er ist sogleich ntit mir zum Stadthauptmann gegangen, dieser erhob zuerst Schwierigkeiten eine Dame mit so klangvollem Namen steckbrieflich verfolgen zu lassen, aber der Primator erklärte, die Verantwortung zu übernehmen; — übrigens Zodok, wenn Du mit Deiner Forderung bis zum Hochsommer noch wartest, will ich ja gerne den ganzen Schaden allein tragen! Nicht wahr. Du bestehst Deinem Vater gegenüber nicht auf das strengste Recht. Du bist ja ein Lamden und kennst den Ausspruch der Gemoro: lo chorwo jeruschulajim ele al schehemidu d'vorehem al din thoro welau owdu lifnim mischnras hadin!" 4) Der Vater blickte erwartungsvoll in das Gesicht seines Sohnes. „Ich kann Dir das noch nicht sagen," erwiderte dieser, „ich bin ganz irre an Dir geworden — mir scheint es immerhin, Du hast mehr an einen Nagel gehängt als Du solltest — wenn Deine adeligen Geschäftsfreunde in irgend einer Weise zu Grunde gingen, wäre es schlimm um Dich bestellt So viel steht fest: Wenn ich Dich zwinge, mir zu zahlen, wirst Du ein Bettler; — aber ich bleibe ein reicher Mann und kann Dich dann immerhin unterstützen; — wenn ich Dir aber noch warte und Du gehst zu Grunde, sind wir beide Schnorrer — man sollte glauben, es könne da kein Szoiek sein,5) was ich thun soll — indessen will ich nicht übereilt antworten , ich werde die Sache mit Pardubitzer besprechen." Mit diesen Worten verließ Zodok das Zimmer. 2) Himmel und Erde. 3) so wurde damals der Polizeichef in Prag genannt. 4) Jerusalem wurde nur deßhalb zerstört, weil sie (jene Generation) sich nur auf das strenge Recht stützte und nickt nach der Billigkeit innerhalb der Rechtsgrenze verfuhren. Baba mezia Fol. 30!». 5) Zweifel obwalten.

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