Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1882)
- Date
- 1882-06-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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595 reits über 20,000 fl., eingeflossen sein. Schreiber dieses, welcher ebenfalls dem Eomittz angehört, wird s. Z. in diesen Blättern darüber erschöpfend berichten. D. H. 8. Rußland. Der Petersburger „Ruß" jubelt darüber, daß die Juden selbst den richtigen Weg zur Lösung der russischen Judenfrage fänden, indem sie auswandern. Das Blatt findet, daß das Volk sich bei den Exzessen taktvollst (!) benommen habe, denn das Volk war erregt und bewaffnet, doch kamen nur einzelne (!) Mordfälle vor. Wie leicht hätten Tausende ihr 2ebm eiugebüßt. Man sagt, das Volk habe geraubt; das ist durchaus nicht im strafrechtlichen (!) Sinne zu verstehen, es hat einfach jüdisches Gut sich angeeignet und nach Hause gebracht. (Und solche Sprache hat die russische Regierung bis jetzt geduldet! Dafür gab es keine Censur und Eensnrschwärze!) Der „Dziennik Poznanski" und die „Polnische Eorrespondenz" bringen ans St. Petersburg die Rachricht, daß das vom Generalgouverneur General v. Drcntelen in Kijew an den Minister Grafen Jgnatiew gerichtete geheime Schreiben betreffs der Enteignung des Grundbesitzes der Polen und Juden in den südwestlichen Gouvernements Kijew, Wolhynien und Vodolien, um dadurch eine möglichst schnelle Rnssiiicirung jener Landestheile herbeizusühreu, sowohl vom Staatsrath als auch vom Minister-Comiw verworren worden ist. Feuilleton. Lob Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Berfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Die Sache steht so. Hier liegen 150,000 Gulden und ich habe noch ötel anderes Vermögen, namentlich habe ich Vorschüsse bei den reichen Grafen Bucquoi, Colloredo und Paar auf das Holz in ihren Waldungen, das ich zu sehr billigem Preise gekauft im jirze haschem *) im Frühjahre fällen lassen und gut verkaufen werde; — aber ich habe die Verlj so Gott will. pflichtung den drei Grafen im Laufe des nächsten Monats noch weitere 150,000 Gulden zu zahlen und bin schon von diesen zur Erfüllung dieser Verbindi lichkeit aufgefordert worden." j „Was kann Dir für Schaden daraus erwachsen,! wenn Du dieser Verpflichtung nicht nachkommst? Du bist Ihnen ja das Geld nicht schuldig!" „Was fällt Dir da ein, den Kavalieren einen weiteren Vorschuß verweigern! — Da würde ich ja geradezu ein ruinirter Mann, da würde ich nicht nur Ehr' und Reputation bei dem böhmischen Adel, mit dem ich in Geschäftsverbindung steh', verlieren; sondern ich würde zum Bettler, wenn nicht gar zum Bankrotteur werden!" „Ich wünsche aus vielen Gründen nicht," erwiderte Zodok mit einem bösen Lächeln, „daß Du Eines oder das Andere würdest; — aber ich muß Dir offen gestehen, wenn ich bezahlt bin und Du arm wie ein Bettler bist, so ist es mir dann gleichgiltig, ob Du auch ein Bankrotteur bist; — aber ich verstehe den Zusammenhang der Dinge nicht; wie so kannst Du zu Grunde gehen, wenn Du Deinen hochadeligen Geschäftsfreunden keine weiteren Vorschüsse leistest?" „Das liegt in der Eigeuthümlichkeit der Kontrakte. die ich mit ihnen abgeschlossen habe. Hier hast Du die beglaubigten Abschriften, alle drei lauten gleich. Schau! Da steht § 7: „Der Prager Jude und Handelsmann Koppelmann Opotschna verpflichtet sich jederzeit über Verlangen seiner hochgräflichen Gnaden, dem hochgeborenen Herrn Grafen anstandslos und ohne Widerrede, unter ganz gleichen Bedingungen, einen dem vorangeführten ganz gleichen Betrag zu erlegen, und ist es genannter Prager Jud und Handelsmann Koppelmann Opotschna zufrieden, daß wenn er die zweite Vorschußzahlung nicht rechtzeitig leistet, der erstgeleistete Vorschuß von 50,000 Gulden, sage fünfzigtausend Gulden, als in beiderseitigem Einverständnisse vereinbarte Conventionalstrafe verfallen ist, und ohne jeden, wie immer gearteten Widerspruch des mehrfach genannten Prager Juden und Handelsmannes Koppelmann Opotschna, in das volle Eigenthum seiner hochgräflichen Gnaden des Herrn Grafen ..... übergeht." — Wenn ich also nicht den weiteren Vorschuß an die drei Kavaliere leiste, verliere ich 150,000 Gulden, bin ein armer Mann und kann meine Gläubiger nicht bezahlen. Leiste ich aber diese Zahlungen rechtzeitig; so bin und bleibe ich ein reicher Mann! — Zodok! als mein Sohn, als frommer Jude; als billig denkender Mensch, kannst Du nicht einen Augenblick darüber im Zweifel sein, was Du zu thun hast ..... Du mußt mir mit der Auszahlung Deines Muttererbes mindestens ein halbes Jahr warten."