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Der Israelit · 1882-06-14 · Heft 24 (14.6.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 24 (14.6.1882)
Date
1882-06-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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594 Grafen Kalnoky und Taafse empfangen; heute erschien er in Audienz beim Kaiser. Dr Löwenstein wurde beim Eintritte in den Audienzsaal von dem Monarchen, der ihn schon bei galizischcn Reisen gesprochen, mit den Worten: „Es freut mich. Sie hier wiederzusehen," empfangen. Nun bat Dr. Löwenstein um die Erlaubniß, den üblichen Segen mit bedecktem Haupte sprechen zu dürfen, welche Bitte der Kaiser sogleich gewährte. Hierauf dankte I)r. Löwenstein im Namen der in Brody weilenden russischen Flüchtlinge und im Namen derjenigen, die Lemberg während ibrer Auswanderungsreffe nach Amerika passirten, für den gnädigen Schutz, den sie auf österreichischem Boden gefunden. Dr. Löwenstein schilderte hierauf dem Kaiser, der mit sichtlichem Mitgefühle zuhörte, das fürchterliche Elend der bereits unfreiwillig Emigrirten, wie auch Jener, welche noch in Rußland zurückgeblieben sind, und bat schließlich, daß die kritische Lage der Emigrirten nach Möglichkeit gemildert werde. Der Kaiser zeigte eine genaue Kenntniß aller Details in der traurigen Angelegenheit. Er erkundigte sich eingehend um die Art und Weise der Auswanderung, um Ernährung, Gesundheitszustand und über sonstige Verhältnisse der Emigranten, sowie über die Hilfe, die ihnen zu Theil geworden; schließlich versprach der Kaiser, Alles zu thun, was ihm möglich sei, um dem traurigen Zustande abzuhelfen. Die Audienz währte 10 Minuten. Dr. Löwenstein empfing durch Aeußeruugen und durch die warme Theilnahme des Kaisers den Eindruck, als ob bald in entscheidender Weise zu Gunsten der Unglücklichen eingegriffen werden solle. Die Aeußeruugen, welche Graf Taafe dem Audienzwerber gegenüber machte, deuteten darauf hin, daß, wenn der Zudrang der Flüchtlinge aus Rußland allzu große Dimensionen annehmen sollte, dann werde die Regierung mit Ernst und Energie einschreiten müssen. Wie man uns von anderer Seite mittheilt, war es des heiklen Gegenstandes wegen noch heute Vormittags fraglich, ob die von Dr. Löwenstein angesuchte Audienz beim Kaiser bewilligt werde. Eine Besprechung der Emigrationsfrage, hieß es nämlich, sei unthunlich, ohne die russischen Zustände in Erwägung zu ziehen, und auch eine ausgiebige Hilfe der verfolgten Juden sowohl für die Gegenwart wie für die Zukunft könne ohne diplomatische Action nicht in Rußland erwartet werden. Diese Umstände mögen Veranlassung gewesen sein, daß man an maßgebender Stelle bis zum letzten Momente zögerte, ob die angesuchte Audienz bewilligt werden soll oder nicht. Lemberg, 2. Juni. Um nicht seine Hilfsquellen zu erschöpfen und die von London und Amerika erhaltenen Vollmachten zu überschreiten, muß i das Lembergcr Central-Comitb auf dem ursprüng-' j lichen Beschlüsse, wonach nur den kräftigeren und! verwendbaren russischen Flüchtlingen zur Ueberfahrt | nach den Vereinigten Staaten verholfen werden soll,! unnachsichilich beharren. Die zur Emigration Itn-! tauglichen sollen unter allen Umständen repatriier; werden, da sich unter den Auswanderern eine große Anzahl von Leuten befindet, welche ohne jeden zwingenden Anlaß ihrem Heimathsorte den Rücken.gekehrt haben, in der Erwartung, daß sie durch die Flucht, Dank der philanthropischen Action derHilfscomitS's, ihre materielle Lage verbessern würden. Der Eentral-Ausschuß wird daher eine sorgfältige Sichtung der Emigrationswerber vornehmen, damit nicht die öffentliche Wohlthätigkeit unberechtigten oder garunwürdigen Individuen zu statten komme. Rathschläge, die dem Comitö diesbezüglich von allen Seiten ertheilt und Vorwürfe, die ihm unablässig gemacht werden, daß das von ihm besorgte Princip zur richtigen Lösung der Emigrations-Frage nicht geeignet sei, können vorläufig bei der vorgezeichnetcn gebundenen Marschroute keine Berücksichtigung finden. Es handelt sich hauptsächlich jetzt darum, die Form der Hilfeleistung zu finden, durch welche weitere Answanderermassen nicht angezogen werden sollen. Die betreffenden Unterhandlungen sind im Zuge und dürften noch heute zu einem günstigen Abschlusse führen. Es ist überdies, wie aus Andeutungen der behördlichen Organe erbellt, nahezu zweifellos, daß die Regierung 'vor einer diplomatischen Vorstellung nicht zurückschrecken wird, wiewol die heutige Nachricht des Czas, Gras Kalnoky habe bereits eine entsprechende Note nach Petersburg abgeschickt, sich nicht bestätigt. Das Ministerium ist geneigt, eine Unterstützung aus Staatsmitteln zum Behufe der raschen Evacuirung der Grenzbezirke zu gewähren; allein diese Subvention soll nur für die gebrechlichen, unverwendbaren Flüchtlinge, die zur Rückkehr nach Rußland veranlaßt werden sollen, bestimmt werden. Für die Expeditionszwecke werden einzig und allein die Fonds der Privatwohlthätigkeit verwendet werden. Lemberg, 4. Juni. Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht von der Ausstellung eines Militärcordons an der russischen Grenze zur Hintanhaltnng der Einwanderung der jüdischen Bevölkerung aus Rußland ist unbegründet. Es ist nur eine strengere Handhabung der Vorschriften über den Grenzverkehr angeordnet und die Gensdarmerie angewiesen worden, darüber zu wachen, daß die Juden nur an den erlaubten Punkten über die Grenze gehen. Pefth Die Sammlungen des Budapester Hilfscomittzs nehmen ihren Fortgang und dürften be-

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