Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1882)
- Date
- 1882-06-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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* XXIII. Jahrgang. Erste Leilage?tt tlr. 24 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., im Siwan 5642. Wiederum hat der unerbittliche Tod nach dem heiligen Rathschlusse des Allmächtigen das Leben einer Frommen und Edlen in Israel beendet, die es wohl verdiente, daß ihr in diesen weitverbreiteten Blättern ein Denkmal gesetzt werde. Frau Oberrabbiner Klein, Wittwe des leider dem Judenthum zu früh entrissenen, hochberühmten Oberrabbiners von Colmar, S. W. Klein y"j, ist am jvd n"-i im Alter von 63 Jahren plötzlich ans dem Leben geschieden. Tiefe grauer kehrte durch diesen unerwarteten Hintritt in eine fromme und angesehene Familie ein, die den Verlust des gemeinsamen Oberhauptes, der zärtlich liebenden und geliebten Mutter, auf's schmerzlichste empfindet. Aber auch außerhalb des Familienkreises wurde das leider so rasch erfolgte Hinscheiden der Edlen lebhaft beklagt und bedauert; denn groß und allgemein war die Hochachtung und Verehrung, mit welcher man der Heimgegangenen von allen Seiten entgegen kam und die ihr noch bis in das Grab folgten. Und dies mit Recht. Bescheidenheit und Sanftmuth, echte, in allen Verhältnissen des Lebens sich bewährende Frömmigkeit und Gottesfurcht zeichneten die Verblichene in ganz hervorragender Weise aus und das Wort unsrer Weisen: -aro ern nn -an new, bewährte sich bei ihr im vollendetsten Sinne des Wortes. War sie es ja, die ihrem frommen, für die Erhaltung unsrer heil. Lehre so entschieden in Wort und Schrift auftretenden Gatten stets ermunternd und hilfreich zur Seite stand in den Widerwärtigkeiten und Kämpfen, die seine gottdurchdrnngene Wirksamkeit ihm zugezogen! Wenn daher heute noch, nach vielen Jahren, der Name des Oberrabbiners Klein von jedem frommen Jehudi mit Ehrfurcht genannt wird für sein frommes, thatenreiches Leben, so verdient auch seine nunmehr in einer bessern Welt mit ihm vereinten Gattin unsre dankbare Anerkennung. — Und als sie den Gatten, den Vater einer zahlreichen Familie, in ein so frühes Grab sinken sah, wie bewährte sich da so glänzend ihr unerschütterliches Gottvertrauen! Wie verstand sie es da so trefflich, ihre sämmtlichen Kinder ’"tpn durch eine musterhafte Erziehung zu wahren, frommen Jehudim heranzubilden und ihnen geachtete Stellungen im Leben zu verschaffen! Und ihre Bemühungen waren vom schönsten Erfolge begleitet. Ich erinnere nur an ihren würdigen Sohn -'122.-1 -p-o, Herrn Dr. N. Th. Klein in Paris, der mit Recht als einer der hervorragendsten und tüchtigsten Vertreter des gesetzestreuen Judenthums in der französischen Hauptstadt bezeichnet werden darf. — Innig war daher auch die Liebe, mit welcher die Kinder der theuren Mutter anhingen, unbegrenzt die Ehrfurcht, mit welcher sie zu ihr aufblickten, sie kannten keine heiligere Pflicht als die Tage der geliebten Mutter zu verschönern und ihr den Lebensabend zu erheitern. Groß ist der Schmerz der Familie, daß die Theure jetzt schon dahingegangen, ohne sich länger der Früchte ihres Wirkens freuen zu können. — Möchte der Allgütige die trauernden Hinterbliebenen Trost und Beruhigung finden lassen in dem erhebenden Bewußtsein, stets nach dem Wunsche und zur Freude der Entschlafenen gelebt zu haben! Wir aber wölben das Andenken der Dahingeschiedenen, die nunmehr eingegangen in die lichten Gefilde des ewigen Friedens, zum Segen unter uns bewahren! r,*2Wn w"nw. Schweiz. BrnHair am Federsee, 30. Mai. Ein Jubeljahr, der 50jährige Bestand des isr. Privat-Armenvereins, wurde am Sonntag hier gefeiert. Die isr. Gemeinde Buchau-Kappel gründete aus freiem Antriebe einen Privat-Armenverein, der verschämten Armen besonders zu Gute kommt. Vormittags war gottesdienstliche Feier, Nachmittags Festmahl im Waldhorn, bei welchem der Rabbiner einen geschichtlichen Bericht über die Gründung und Thätigkeit des Vereins vortrug. Derselbe besteht jetzt aus 72 Mitgliedern, hat 14,000 M. Vermögen und wendete im abgelaufenen Jahre 930 M. zu Wohlthätigkeitszwecken auf. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 1. Juni. Dieser Tage ist Rabbiner Dr. Löwenstein aus Lemberg, welcher sich seiner flüchtenden Glaubensgenossen auf das Wärmste annimmt, in Wien eingetroffen, um bei den Behörden die Lage der Flüchtlinge in Brody klarzulegen. Gestern wurde Dr. Löwenstein von den Ministern