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Der Israelit · 1882-06-14 · Heft 24 (14.6.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 24 (14.6.1882)
Date
1882-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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589 entweder die theure Heimath oder Leben und Ehre j zu opfern, oa war ihm freilich die Wahl nicht zwei-! felhaft, aber ebenso wenig schwankte er über das! Land, wohin er seine Schritte zu wenden'hätte. Denn; neben seinem materiellen Vaterland hat sich der ge- > treue Jude ein ideelles Vaterland erhalten. Er ist! von der großen Aufgabe des Judenthums durchdrnn- I gen, und er weiß, daß diese für ihn nur in einer politischen Regeneration ihren Abschluß finden kann, er fühlt daß die 4000-jährige Thätigkeit seines Stammes in der Weltgeschichte nicht so ungeheure Folgen gehabt haben kann, um jetzt wie ein versiegender Strom im Sande zu verlaufen. Darum sehnre sich der von Rußland Scheidende mit seinem Herzen nach Palästina, es wäre ihm ein süßer Trost gewesen, sein ursprüngliches Mutterland für die Stiefmutter einzutauschen. Aber der Mann, dem man wegen seiner Kenntniß des Orients allein ein maßgebendes Urtheil zutraute, beschloß es anders; wem eigene Mittel es nicht erlauben, der wurde und > wird mit enormen Kosten unter lein unsympathisches Volk geschickt, dessen Eultur und'Sprache ihm gänzlich unbekannt sind, wo der Trost seines Lebens, die Religiosität, von unseren Brüdern nur als Humbug betrieben wird. Diejenigen Rumänen und Russen aber, wdlche nur moralische Unterstützung suchend, sich an die oder die Körperschaft wandten, der Sie angehören, wurden kalt zurückgewiesen — Vielleicht haben Sie recht — der Sie ein Philanthrop sein wollen aber nicht ein nationaler Jude — nur vergessen Sie nicht, daß Ihre Gesellschaft damit der Führerschaft in Jüdischen Angelegenheiten entsagt, denn die Grundidee des Judenthums ist die unauflösliche Verbindung von Nationalität und Religion. — Die Geschichte wird einst Rechenschaft von Ihnen j fordern, wenn diese große Gelegenheit ein Jüdisches! Gemeinwesen zu gründen unbenutzt vorüber gehen! sollte, als dessen Mitglieder unsere Kinder einst im! Auslande ebenso selbstbewußt auftreten könnten wie j Engländer oder Franzosen. — Aber sie wird nicht; unbenutzt vorübergehen, — Gottes Wege sind nicht! des Menschen Wege, und wenn Sie aus beschränk-! tem Egoismus eine Bewegung bekämpfen, für die j jedes jüdischen Patrioten Herz erglühen muß, wird! die Sache vielleicht langsamer, vielleicht mit größeren! Opfern als nöthig wäre, aber ausgeführt wird sie! werden. Sie selbst aber werden den Ruhm verloren > haben, zu dem Ihre Vergangenheit Sie zu berechti-! gen schien.! Jerusalem, Anfang Siwan 5642.! Dr. B. Herzberg.! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 7. Juni. Ein türkischrumänischer Schneider, I. Friedmann, der nach Frankfurt gekommen, wünschte hier ein junges Mädchen zu heirathen. Es fanden Besprechungen zwischen dem Freiwerber und den Eltern des Mädchens statt, welches mit 4000 blanken Mark dem Bräutigam überliefert werden sollte. Ohne Zwischenfall fand aus dem Standesamte das Aufgebot und die Trauung statt; dagegen wurde die religiöse Weihe durch Herrn Rabbiner Hirsch geweigert, da ihm von dritter Seite die Mittheilung zugegangen', daß Friedmann schon verheirathet sei. F. wurde zur Rede gestellt, ihm fein in hohem Grade anstößiges Benehmen vorgehalten und ihm namentlich deutlich gemacht, daß er erst vor 8 Monaten nach jüdischen Gesetzen die Scheidung von seiner ersten Frau erwirkt hätte. Nach langem Leugnen mußte er die Scheidung zugeben; aber er erklärte, daß er gar nicht mehr wisse, wie seine erste Frau geheißen habe. Seiner jungen Frau theilte er von der Ehescheidung nichts mit, und über die Trauungsverweigerung nach jüdischem Ritus machte er allerhand unwahre Angaben. Nach vollzogener standesamtlicher Trauung erfuhr die junge Brautfrau, daß ihr Gatte ein geschiedener Ehemann sei. Diese Täuschung empörte sie und kurz entschlossen weigerte sie sich, ihrem Manne zu folgen und eilte in das elterliche Haus zurück. Hier thürmten sich ihr neue Schwierigkeiten auf; namentlich war es die Mitgift von 4000 Mk., welche ihr Gatte beanspruchte; 2000 Mk. baar hatte er schon, 2000 iy Wechsel. Die gleichfalls getäuschten Eltern wollten nun aus dem Schiffbruch retten, was zu retten war. Der Vater ließ sich unter einem Vorwände die Urkunde nochmals zeigen und vernichtete sie. Der Schwiegersohn machte hievon Anzeige und wurde der Schwiegervater mit Gefängniß bestraft. Aber auch der Schwiegersohn kam ins Gefängniß und zwar wegen Verführung zum Meineid. Nun galt cs schließlich noch, die kaum geschlossene, nicht konsumirte Ehe für null und nichtig zu erklären. R. Friedmann schwor nun heute, es sei nicht wahr, daß sie von dem I. Friedmann oder in dessen Auftrag von ihrem Vater vor Abschluß der Ehe davon in Kenntniß gesetzt worden sei, daß ihr Mann bereits verheirathet gewesen und von seiner ersten Frau geschieden worden sei. Mit der Ableistung dieses Schwures war die von ihrem Manne Geklagte aller aus dem Civil- Akte für sie erflossenen Verpflichtungen los und ledig.

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