Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1882)
- Date
- 1882-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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587 P aber der Erfolg fällt am Ende der Ausdauer und dem berechnenden Fleiße sicher zu. Und der dritte Fall? Dieses Unternehmen, sagen Sie, wurde von ungarischen Juden vor zwei Jahren, zwei Meilen von Jaffa entfernt, begründet, und am Ende des ersten Jahres brach es zusammen. In der That, die Dtztails sind correct. — En Lebes wurde vorwiegend von ungarischen Juden angekauft, und die Entfernung von Jaffa wird mehr oder weniger zwei Meilen betragen. — Aber die Hauptsache? Es kommt ja wohl nicht viel darauf an, ob die Gründer ungarische oder russische Juden waren, und ob man zwei oder drei Stunden nach der jüdischen Niederlassung zu reiten hat, aber ob das Unternehmen wirklich schon am Ende der ersten Saison aufgegeben werden mußte, ja, ob es überhaupt aufgegeben worden ist, das zu wissen, ist von der größten Wichtigkeit. Jedoch, wie wäre es möglich, daß bei einer solchen Correctheit in Nebensachen die Hauptsache vernachlässigt würde? Ja, wer möchte eine Angabe bezweifeln, die durch die Unterschrift von Charles Netter beglaubigt ist? Wahrlich, Niemand. Sie glauben gewiß Alles, was Sie sagen. Aber Sie stützen sich vielleicht nicht immer ciuf correcte Berichterstatter , denn welcher Mensch könnte mit eigenen Sinnen Alles wahrnehmen, was er zu beobachten wünscht? Und Sie selbst hatten während Ihrer Besuche in Jaffa wahrscheinlich wichtigere Dinge zu thun als sich um die Zustände der in Ihrer Nachbarschaft belegenen jüdischen Eolonie zu bekümmern. Um so angenehmer wird cs Ihnen sein, wenn ich Ihnen nachträglich eine kurze Geschichte derselben gebe, Sie werden in Folge dessen gewiß nicht verfehlen, Ihren Jrrthum einzugestehen und Ihren Fehler zu berichtigen, woran ja höher angelegte Naturen wie die Ihre, eine besondere Freude haben. Im Jahre 1878, also vor vier, nicht vor zwei Jahren, wie Sie angeben, kaufte Herr David Gutmann in Verbindung mit sechs Genossen das in der Nähe des Audjeflusses belegene Terrain des Herrn Easser, ca. 360 Hectaren, für den Preis von 21,400 Franken. Man hielt diese Gegend allgemein für ungesund, und ich selbst, der ich damals Director von Mikweh Israel war, hatte Herrn Gutmann, als er mich um Rath fragte, dringend vor dem Kauf gewarnt. Indessen, der erste Erfolg schien meinen Befürchtungen und denen des Herrn Baron v. U st in o w, eines in Jaffa ansässigen russischen Philanthropen, der ebenfalls sein entschiedenes Votum gegen die Wahl des Terrains abgegeben hatte, zu widersprechen. Nach Ablauf der ersten Saison waren die Ansiedler, weit entfernt ihr Unternehmen verzweifelt aufzugeben, mit dem Resultat ihrer Arbeiten zufrieden, so zufrieden, daß sie, statt sich energisch der Bebauung ihrer Güter zu widmen, alsbald daran gingen, die Eolonie j durch den Ankauf eines zweiten, größeren Grundstückes übermäßig auszudehnen. Sie kauften von! Herrn Tajan für den Preis von 60,000 Franken I ca. 1200 Hectaren, einen Complex, der sich allerdings durch Güte des Bodens auszeichnete, aber durch seine Lage in den Niederungen des Audje eine größere Gefahr für die Gesundheit der Colonisten bot. Dazu kam, daß die Unternehmer durch den zweiten Ankauf Verbindlichkeiten übernommen hatten, die ihre Kräfte Übestiegen. Sie hatten sich verpflichtet, den Kaufpreis in verhältnißmäßig kurzen Terminen abzutragen, und je näher die Zahltage herankamen, um so mehr steigerte sich ihre Unruhe. Während sie also bei Verkauf von Antheilen des ersten Gutes mit der strengsten Auswahl verfahren hatten, nahmen sie jetzt einen Jeden, der den Preis von 30 Napoleons zahlen konnte oder gar zu zahlen versprach, in ihre Mitte auf und gewährten dadurch einer Menge von zweifelhaften Elementen den Zugang in ihr bis dahin wohlgeordnetes Gemeinwesen. Die neuen Ankömmlinge wollten sich der Autorität der ersten Unternehmer nicht fügen, sie bauten sich Lehmhütten am Audje und fingen an energisch ihre Felder zu bearbeiten. Aber der festeste Entschluß, die heißeste Begeisterung vermochten nichts über die unerbittlichen Naturgewalten. Die giftigen Ausdünstungen der nahen Sümpfe zusammen mit dem Genuß des von faulenden organischen Substanzen durchsetzten Flußwassers erzeugten schleichende Fieber, des Tages arbeitete man in glühendem Sonnenbrand und schlief des Nachts auf der kalten, feuchten Erde. Dazu kam eine höchst ungenügende Ernährung, denn weit und breit war kein Dorf, alle Nahrungsmittel mußten drei Stunden weit von Jana auf Eselsrücken hingeführt werden. So kam die Krankheit, so kam der Tod, und mit dem Unglück allgemeine Verbitterung; jetzt sollten die Führer die Schuld tragen, denen doch bis dahin Niemand hatte gehorchen wollen. Statt sich zu sammeln, statt die gefährliche Niederlassung im Thal aufzngeben und sich auf das Plateau zurückzuzieheu, wo die Führer sich Häuser gebaut hatten, fing man an, dieselben unter einander auf's Wüthendsre zu bekämpfen, und diesem wilden Hader gelang es zu zerstören, was so vielversprechend angefangen worden war. Enttäuscht und verarmt begab sich der Rest der Colonisten nach Jerusalem zurück, auch Herr Gutmann, der mit eiserner Energie bis zuletzt ausgehalten hatte, zog es wegen des Erlaßjahres vor, seinen Wohnsitz wieder nach der Stadt zu verlegen. Die Bebauung von En Lebes ist also vorläufig gescheitert, zum Theil wegen mangelhafter Leitung, noch mehr aus Mangel an Gehorsam, Disciplin und Gemeindesinn — eine Eolonie ist eben ein Staat im Kleinen, und ein Staat kann nicht bestehen, wenn nicht das Wohl des Ganzen dem des