Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1882)
- Date
- 1882-06-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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576 Million Aktien, jede zu 10 L.-St. Zehn , Procent sollen bei der Anmeldung, der Rest jeden folgenden Monat, erforderlichen Falls bis zur gänzlichen Tilgung des Betrags eingezahlt werden. „Die Aktieninhaber bestellen zwei Verwaltungen für die Führung der Geschäfte. Die eine übernimmt die Verantwortlichkeit für die zweckmäßige Verwendung der einen Hälfte des Kapitals zum Wohl der nothleidenden Juden im Allgemeinen. ‘ „Die andere übernimmt die Verantwortlichkeit für die zweckmäßige Gewinnanlegung der andern Hälfte des eingezahlten Kapitalts zum Nutzen der Gesellschaft; die sich daraus ergebende jährliche Dividende soll den Aktieninhabern zu Gute kommen. „Es steht zu erwarten, daß wenn einige der bedeutensten Finanzmänner auf diese Weise eine halbe Million L.-St. zu ihrer Verfügung haben, die Rentabilität sich schon bei Einzahlung von 50°/« des Kapitals zu einer günstigen gestalten, und so den Aktieninhabern bald ein schöner Gewinn in Aussicht stehen, und zu gleicher Zeit das Wohl von Millionen nothleidender Menschen in großartiger Weise befördert werden wird. „Sollte dieses Projcct bei Kapitalisten günstige Aufnahme finden, so wäre es wünschenswert^, daß sie recht bald in irgend einem öffentlichen Organe die Zahl der Aktien, hundert oder tausend, welche sie zu zeichnen gesonnen sind, bekannt machten, damit die isr. Aktienbank recht bald ins Leben treten und später als eine der wirksamsten und wohlthätigsten Einrichtungen unserer Zeit erkannt werden könnte." (Der Vorschlag hätte nur dann einen Werth, wenn der Vorschlagende mit der Zeichnung und Einzahlung von einmalhunderttausend Actien den Anfang machen möchte. — Red.) Rußland. Der „W. Presse" wird aus Petersburg zur Ergänzung der Mittheilungen über die Petition der Moskauer Kaufleute zu Gunsten der Juden Folgendes berichtet: Herr P. I. Rjabow, ein bedeutender Fabrikant und Präsident der Serpuchower Landschaftstafel, und Herr N. I. Schtschuikn, Director der großen Danilow'schenManufactur, haben sich der Aufgabe unterzogen, dem Finanzminister Bunge eine Denkschrift zu überreichen, in welcher die Gefahr für den russischen Handel dargelegt wird für den Fall von Wiederholungen ähnlicher Ereignisse wie in Kiew, Balta k. Weiter heißt es in der Denkschrift, daß die gegenwärtige Stagnirung des Handels eine Folge dieser Ereignisse sei und daß man einer veritablen Handelskrisis entgegengehe, wenn den Juden nicht die Garantie geboten wird, ohne Furcht vor Raub und Plünderung ihre Geschäfte fortzusetzen. Zu diesem Behufe müßten die vielen Beschränkungen, unter; welchen speciell die Moskauer Juden zu leiden haben, einfür allemal beseitigt werden. Finanzminister i Bunge empfing die beiden Herrn äußerst liebens-! würdig und versprach ihnen, Alles, was in seinen Kräften stehe, zu thun, um den Wünschen der Petenten zu entsprechen. Nach erfolgter Rückkehr der Deputation nach Moskau soll das hiesige Börsencomit5 seitens des Ministers des Innern, Grafen Jgnatjew, interpellirt worden sein, weshalb diese Körperschaft ihr Gutachten in dieser Frage nicht abgegeben habe und es möge umgehend ihren Standpunkt dieser Frage gegenüber kundgeben. Aus diesem Grunde wurde eine außerordentliche Sitzung des Börsencomitös einberufen. Von Jgnatjew war dies ein Wink mit dem Zaunpfahl, durch welchen er wieder einmal Feindseligkeit gegen die Juden manisestiren konnte. Amerika. Baltimore, 8. Mai. Die jährliche Examination der Schüler der „Chisak Amuno-Synagogen- Schule" nahm Samstag ihren Anfang, und wurden die Schüler von dem Rabbiner Dr. L>chneeberg und dem Kantor H. Glaß in der hebräischen Sprache geprüft. Rabbiner Dr. Schneeberger und Kantor Glaß wurden gestern von ihren Zöglingen jeder mit einem aus einem masiv silbernen Becher bestehenden Geschenk überrascht. Die Präsente wurden von Herrn Joseph Friedenwald den Lehrern mit einer Ansprache überreicht, und Beide sprachen Worte des herzlichsten Dankes. Die Mitglieder der Gemeinde besuchten gestern Abend ihren Rabbiner in seiner Wohnung an der Lloyd-Straße und beschenkten ihn mit einem prächtigen Parlor - Meublement. Hr. Phil. Herzberger überreichte das Geschenk, und Dr. Schneeberger sprach seinen Dank in gefühlvoller Weise aus. Feuilleton. Iür die vertriebenen russischen Juden?) O gebt, o gebt, denn Noth und tiefes Elend Sie klopfen, Hilfe heischend, an die Thüren, Mög' himmlisch Mitleid, Euch zur That beseelend, Das Herz erschüttern und die Seele rühren. O seht, dies Elend findet keine Worte, Es schleichet bleich und sprachlos durch die Gassen, Es stehet stumm vor Eures Hauses Pforte, Es kann in Worte nicht sein Leiden fassen. O Vaterland! o Boden mütterlich! An den wir uns auch dann noch liebend klammern, Wenn Du uns schlugst und quältest bitterlich. Dir zucken noch im Tod des Herzens Kammern. *) Bon einem Nichtjuden. — Nus dem „Hamb. Fremdenbl."