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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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die Rede sein, so lange Rußland sich weigert, die seit Jahrhunderten auf seinem Boden ansässigen Juden als im russischen Reiche heimathsberechtigt zu betrachten? Wie will man Rußland zwingen, den Unglücklichen, welche es als „geduldete Fremde" bezeichnet, wiederaufzunehmen? Kann überhaupt gegenüber den für heimaths- und vaterlanoslos Erklärten von einer „Repatriirung", von der Zurückbeförderung ins Vaterland gesprochen werden? Hier ist eine völkerrechtliche Frage, deren Lösung dringend geboten ist und zu welcher die Initiative zu ergreifen, Oesterreich-Ungarn die allerdringendste Veranlassung hat; doch haben auch andere Staaten ein praktisches Interesse an der Lösung dieses Problems. Wie man „Budapesti Hkrlap" aus Altsohl melbct, waren dort am 12. v. M. anläßlich des Wochenmarktcs folgende slovakische Placate affichirt: „Dem geehrten Publikum wird kundgemacht, daß, nachdem unser Vieh und unser Vermögen eine Leute der Juden werden, sich uns jetzt die beste! Gelegenheit dazu darbietet, uns auf sie zu stürzen, wie! denn auch unsere Brüder die Russen genug hatten, das Volk gegen sie aufzureizen. . Ich fordere Euch, die Ihr desselben Sinnes ' seid, daher auf, am 20. d. auf der Szalatuaer Brücke um 11 Uhr Abends Jeder mit einer beliebigen Waffe zu erscheinen, damit die Angelegenheit in Ungarn einmal beginne und daß die Juden, wie auch ihre Nachkommen Altsohls gedenken sollen. Altsohl .1 Mai 1882." In Folge dieser Placate wandte sich die jüdische Bevölkerung Altsohls an den Vicegespan, der sofort dem Magistrat den Auftrag ertheilte, den Urheber dieser Placate zu eruiren und im Falle eine ernstliche Bewegung gegen die Juden im Zuge sein sollte, dieselbe zu verhindern. In Folge dessen hat der Stadtmagistrat gegen die etwaigen Anstifter der beabsichtigten Unruhen die nothwendigen Verfügungen getroffen. AuS Ungarn, 4. Juni, lieber die vielbesprochene Tisza-Eszlarer Affaire liegt heute ein amt- \ licher Bericht vom Verwaltungs - Ausschüsse des Eomitatsvor, dem wir Folgendes entnehmen: Esther Solymossy kann seit dem 4. Mai als verschwunden j angesehen werden, denn seit diesem Tage mangeln beglaubigte Nachrichten über ihren Aufenthalt. Es ist eine amtliche konstatirte Thatsache, daß das Mädchen seit seiner frühesten Kindheit durch ein abnor-! males Naturell aufsiel. Sie suchte fortwährend Ge-! legcnheit, spurlos zn verschwinden, und fand eine besondere Freude daran, wenn sich ihre Angehörigen i mit ihrer Auffindung abmühten. Dcßhalb erregte ihr Verschwinden Anfangs Mai keinerlei Besorgnisse.! Ihre Mutter glaubte, sie sei zu Verwandten, die in! der Nähe wohnen, gelaufen. Erft gegen den 10. Mai begann Frau Solymossy über das Verbleiben ihrer Tochrer unruhig zu werden, nachdem die Verwandten erklärt hatten, daß das Mädchen nicht bei ihnen weile. Von diesem Augenblicke an ward das I Verschwinden des Mädchen allgemeiner Gesprächsj stoff. So erzählte ein wandernder Schnstergeselle,! Franz Csiszar. er habe auf der Landstraße bei j einer Zigeunertruppe ein Mädchen gesehen,! welches nach der Beschreibung Esther Solymossy gewesen sei. Der Verwaltungs-Ausschuß! wollte, als er von dieser Geschichte hörte, Csiszar > aufsuchen lassen, derselbe war jedoch nicht mehr zu; finden. Mit den Cszlarer Juden wurde die Affaire; erst in Verbindung gebracht, als das sechsjährige! Söhnchen des dortigen Schächters während des Spieles zu seinen älteren Kameraden sagte, die Esther sei von seinem „Tati" und noch einigen Männern umgcbracht worden. Als der Ortsrichter davon hörte, ging er zu Frau Solpmossy und forderte sie auf, sie möge sich an den Stuhlrichter wenden. Dies geschah am 14. Mai. Auffallend war, daß an jenem Tage außer dem ansässigen Schächter noch fünf Fremde in Eszlar weilten und bald darauf von dort verschwanden. Der Stuhlrichter ließ sofort den Tempel und die Nebengebäude streng durchsuchen, allein trotz der größten Umsicht konnte! nicht die geringste Spur entdeckt werden. Sodann! nahm der Stuhlrichter Ortsbewohner in Verhör, i Der Bericht bezeichnet diese Zeugen-Aussagen als i höchst problematische, da sie nicht blos der Unmittel-! barkeit entbehren, sondern den Stempel der Vermuthungen tragen. Der Bericht csnstatirt endlich als Thatsache, daß in dem Augenblicke, wo der königliche Gerichtshof von Nyiregyhaz die Unter- > suchnng in die Hand nahm, außer der Aussage des! sechsjährigen Knaben kein einziger bemerkenswerther Verdachtsgrund vorlag. Seit dieser Zeit beschränkt sich der Verwaltungs-Ausschuß darauf, die öffent-! liche Ruhe aufrechtzuerhalten und eventuellen Requisitionen des Gerichtshofes zu entsprechen. England. London. Im „Jew. Ehr." macht ein Herr Henri Wentworth Monk, 16 Sidney-street fnlham road in London, S. W. den Vorschlag zur Errichtung einer israelitischen Bank mit einem Kapital von 10,000,000 Liv.-Sterl. auf 1000,000 Aktien, jede Aktie zu 10 Liv.-Sterl. Sein Project lautet: „Da alle Mittel zur Beseitigung der dringenden Noth von Millionen nothleidender Juden im Osten nicht ausreichten, wird jetzt zu diesem Zweck die Errichtung einer Aktienbank vorgeschlagen, mit einer

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