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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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574 dienste daselbst beigewohnt, der in würdigster Weise > verlief. Bei der schnellen Flucht, wo inan oft Alles! zurücklassen mußte, hat keiner vergeben, sein \ (Gebctmantel) mitzunehmen. Herzergreifend war die 2!ö 2'' rnc2’, die die Leute in allem Elend an dm - Tag legten, wie sie nach *,d-.d sich gegenseitig und! uns die Hände schüttelten und gut 210 o?» riefen;; erschütternd als sie im?^-Gebet die Worte sprachen: tu nytenn rusi und x: .-in'vL.-i "1 r<2r<. Gestern Abend, v'' 'r«Li2, wurden noch 70 von ihnen befördert, die meisten nach Hamburg. — Es ist ein unermeßliches Elend, das man hier immerhin, ja nur in kleinen Zügen vor sich sieht: da verbringt eine Frau mit ihrem Kinde die erste Nacht 3’ü nv auf dem zugehörigen Hofe, weil cs sie im Innersten amkelt im allgemeinen Schlafsaale zu schlafen, sie, die es anders gewöhnt war, da erzählt uns ein Mann, der kaum bekleidet ist, voriges Jahr habe ihn die Feier des n'w^r'-Festes 100 Rubel gekostet und jetzt? — da steht ein Jüngling aus Balta, dessen Hals mit tiefen Schnittwunden bedeckt ist, und dort wird ein Familienvater, eine Frau und vier Kinder, nennt er sein, im Augenblick der Abfahrt nach Hamburg, überwältigt von allem Unglück, wahnsinnig. Helft, helft, Ihr Brüder und Schwestern, Euern Brüdern und Schwestern, gründet den oben beschriebenen Frauenverein, schicket Kleider und Stiefel, so viel Ihr nur schicken könnt, denn es gilt, die allerschlimmste Noth zu lindern. Wir aber wollen hoffen und beten zum allbarmherzigen Gott .-'3, daß baldigst kommen möge: :p3x njrtc” Halberstadl, 26. Mai. Zur Unterstützung der russischen Flüchtlinge hat sich hier ein Verein gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, durch bestimmte monatliche Beiträge das Elend nach Kräften zu mildern. Der Verein umfaßt sämmtliche selbstständige isr. Bewohner unserer Stadt und ist so glücklich, allmonatlich eine Summe von 750 Mark für unsere unglücklichen Glaubensgenossen verwenden zu können. Da unsere Gemeinde weder zu den größten noch zu den wohlhabendsten zählt, so kann dieser Erfolg als ein überaus erfreulicher bezeichnet werden. Möge das hier gegebene Beispiel recht zahlreiche Nachahmungen finden. Oesterr -Ungar. Monarchie. Wien, 1. Juni. Die Abendblätter melden: Der Kaiser empfing den Lemberger Oberrabbiner Dr. L ö w e n st e i n und versicherte demselben, er werde den bedrängten russischen Juden, soweit möglich, seien Hilfe nicht entziehen. Wien, 2. Juni. Die Nachrichten^ welche aus Brody über die ruffischen Flüchtlinge eintreffen, nehmen heute in erster Linie das Interesse in Anspruch. Das furchtbare Elend, welches die russische Barbarei über die für recht- und heimathlos erklärten russischen Juden verhängt hat, gestaltet sich für Oesterreich allmählich zu einer großen politischen und sozialen Kalamität, welche den Grafen Kalnoky, so schwer es ihm werden mag, zwingen wird, dkeserhakb in Petersburg vorstellig zu werden. Bisher ist den über die galizische Grenze Flüchtenden bereitwillig Aufnahme gewährt worden; es geschah dies freilich nicht, um den aus Rußland Vertriebenen in Galizen eine neue Heimath zu gewähren, sondern um ihnen ^momentanen Schutz gegen ihre Verfolgung zu bieten und ihre Auswanderung, sei es nach Ämerika, sei es nach der Türkei, zu fördern. Jetzt stellen sich jedoch der Weiserreise von Tausenden unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Nicht nur, daß viele der Unglücklichen tatsächlich physisch außer Stande sind, die Strapazen einer größeren Reise zu 'ertragen, weigern sich auch die Vertreter des amerikanischen Comittzs, Greise und Kinder zu befördern. In der Hoffnung, daß ihre zurückblcibenden Angehörigen von den Eomites und den Behörden unterstützt werden, ziehen zahlreiche kräftige arbeitsfähige junge Leute über's Meer. Wenn da-? so fort geht, 'werden bald Tausende und aber Tausende dauernd auf die Mildthätigteit der Hilfscomitös und wenn diese erlahmt, der galizischcn Gemeinden eventuell des Staates angewiesen sein. Dazu kommt, daß der Zuzug der Flüchtlinge viel schneller erfolgt, als die Weiterbeförderung möglich ist. Da sich gegenwärtig noch viele Tausende Flüchtlinge gegen die galizische Grenze wälzen, die Unterbringung derselben in den Grenzorten aber momentan mit den größten Schwierigkeiten verknüpft, wenn nicht unmöglich ist, ist der Statthalter von Galizien Graf Potocki ermächtigt worden, wenn nöthig einen Militärcordon zu ziehen. Wenn sich diese Maßregel nicht als eine Grausamkeit gegen die Flüchtlinge erweisen soll, dann muß die russische Negierung veranlaßt werden, Verfügungen zu treffen, wodurch die auswandernden Juden, so lauge sie noch aus russischem Boden weilen, gegen Gewaltthätigkeit geschützt werden. Hieraus zu dringen, hat das hiesige Kabinet alle Ursache, es kann das unmöglich als eine unberufene Einmischung in innere russische Verhältnisse ausgesaßt werden. Indessen dürfte auch das Schicksal der in Galizien weilenden mittellosen und arbeitsunfähigen Juden Anlaß zu diplomatischen Verhandlungen mit Rußland bieten. Wie heute gemeldet wird, hat sich in Brody neben dem Auswanderungs- Eomittz ein Hilfscomittz gebildet, als dessen Aufgabe die Verpflegung und Repatriirung bezeichnet wird. Kann aber von einer „Repatriirung" der Unglücklichen

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