Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1882)
- Date
- 1882-06-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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567 in energischester Weise unter Androhung sofortiger Suspendirung des betreffenden Blattes hier und im ganzem Reiche erneuert worden. Dieses Verbot dürste vor Allem seinen Grund in den entsetzlichen Feuersbrünsten haben, die sich mit jedem Tag in! einer allgemeinen Schrecken verbreitenden Weise! mehren und namentlich in Litthauen auf der Tagesj ordnung stehen. Der letzte große Brand, von beni die Zeitungen noch Meldung machen durften, war der Brand in Kowno, der den dritten Theil der Stadt in Asche gelegt hat. In neuester Zeit sollen mehrere andere Städte und Marktflecken in Litthauen von Bränden heimgesucht worden und es immer nur Iudenhäuser gewesen sein, die von dem Brandunglücke betroffen wurden. Das Verbot, über derlei Vorkommnisse zu schreiben, hat aber wohl auch noch einen anderen Grund. Es sind nämlich in der letzten Zeit an mehreren Punkten Rußlands Angriffe von Kazapen auch auf Meierhöfen und Besitzungen vorgekommen, die sich in Händen von Polen und Russen befanden. So wurde bei Smiela in der Ukraine ein dem Grafen Bobrinski gehöriger Meierhof der Erde gleich gemacht und der Pöbelhaufe nur durch Einschreiten einiger Kompagnien Infanterie an weiteren Excessen verhindert. Im Gouvernement Kiew wurde die Besitzung eines Herrn Stefanow demolirt; bei diesem Anlässe wurde auch geplündert und der Besitzer der Herrschaft mißhandelt. Ebenso wurde das Schloß des Senators Klußtzn überfallen und nach vollbrachter Plünderung fast ganz zerstört. Täglich langen hier aus den Gouvernements Kiew, Podolien und Volhynien Gutsbesitzer ein, die den Ausbruch eines allgemeinen Angriffes auf alle Besitzenden befürchten und sich unh ihre Familien in Sicherheit bringen wollen. Die Gutsbesitzer in der Umgebung von Balta haben von hier Militär requirirt, das ihnen auch bereitwillig zur Verfügung gestellt wurde, und organisirten einen scharfen Patrouillen - Dienst unter eigener Kontrolle, der Tag und Nacht in Thärigkeit ist. Feuilleton. Löb Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Jtzig Schneider blieb lange aus, den Wartenden wurde kalt, ein starker Schneefall, der eintrat,! war eben auch nicht geeignet, ihre gedrückte Stimmung zu verbessern; aber ihre Spannung war eine so große, ihre Neugierde eine so fieberhaft erregte, daß Niemand den Platz verließ. Endlich erschien Krumm-Jtzig, seine Mienen schienen nichts Gutes zu weissagen, er sah höchst bedrückt aus, hundert Fragen wurden ihm gleichzeitig entgegengeschleudert. „Wo seid Ihr so lange geblieben?" „Habt Ihr etwas erfahren, wer der Nadwen is?" u. s. f. „Ausgerichtet habe ich nix," erwiederte er matt und abgeschlagen, „ich habe in Reb Dowid Wodnian hineingeredt', daß e eiserne Mauer hätt' auseinander brechen müssen; — aber er hat gesagt, er hat Tkias- Kaf^) geben müssen zu schweigen, Niemanden den Namen des edlen Gebers zu nennen, wenn es ihm dieser nicht selbst erlaubt; und Reb Dowid Wodnian is nit der Mann, der sein Tkias-Kaf bricht! . . . . Es nützt Alles nix, wir kriegen nix — wer kein Geld hat, sich was auf Schabbos zu kaufen — kann morgen Tunis halten!" Wieder trat tiefes Schweigen und totale Entmuthigung ein. Viele eilten weg, um wo möglich für sich und die Ihrigen doch noch etwas für den Sabbat zu beschaffen. Viele blieben noch, um ihren betrübten Herzen durch endloses Geschnatter Luft zu machen. Zwischen Rifke Gansrupferin, welche sich nicht mit Unrecht, durch Jtzig's äußerst scharfe und geringschätzige Kritik ihrer Geistesgaben verletzt fühlte, und ihrem Gegner war es hierbei zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen gekommen, die bei der gereizten Stimmung der Streitenden leicht zu Thätlichkeiten ausgeartet wären, und da die Andern je nach ihrer Anschauung für den krummen Schneider oder die Gansrupferin Partei ergriffen, hätte sich bald eine anständige Schlägerei herausgebildet; aber Reb Nochum entwickelte eine in diesem Falle nur zu billigende Energie, er requirirte durch seinen Lehrjungen aus dem nahe gelegenen Rathhause 4Gassenmeschorßim und deren bloßes Erscheinen auf dem Kriegsschauplätze genügte, die Versammlung zu zerstreuen. Elftes Kapitel. Reb Kalmen Opotschna befand sich mit seinem Sohn Zodok allein in seinem Sprech- und Rechmzimmer. Sie waren in einer sehr erregten Debatte begriffen. „Mit Dir ist kein vernünftiges Wort zu reden!" sprach jener, „Dn bist ein Akschen; Du bist ärger als ein kleines Kind, Du hast nit für einen Pfennig Szechel im Kopf" — und als Zodok all' diese Artigkeiten, die ihm sein Vater an den Kopf warf. 1) Handschlag. 2) Fasttag.