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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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nur mit einem tückischen, boshaften Lächeln erwiederte, fuhr Reb Kalmen kirschbraun vor Zorn mit wuthverzerrten Zügen fort: „Du bist noch weit mehr als das Alles, Du bist ein Achsor, ein Benn szorer umore,^) Du willst Deinen Vater mit aller Gewalt ruiniren!" Dem alten Mann ging der Athem aus, er mußte unfreiwillig eine Pause machen. „Du bist toe/") entgegnete Zodok, „ich will gar nichts, als das was mir gehört, mir zukommt. Mein Onkel hat Dir mein Vermögen, das ich vom Großvater und Mutter — alehem hascholom — erbte, anvertraut, dasselbe beträgt, wie Du selbst zugestanden, jetzt 130,000 Gulden, ich hätte es schon vor Jahren fordern können; aber ich habe Dir unbeschränktes Vertrauen geschenkt; aber jetzt, wo ich zu heirathen beabsichtige . . . ." „Hm! ..... Dein Schiduch mit des armen Schammes Tochter steht noch weit im Felde," unterbrach ihn der Vater mit verletzendem Spotte, „sie ist wahrhaftig nicht verliebt in Dich!" Zodok wollte auffahren; aber er besann sich rechtzeitig eines Bessern und fuhr fort: „Jetzt, wo ich erkenne, daß Du mich nicht liebst, nie geliebt hast, mich wie ein Stiefkind, weit ärger als ein Stiefkind behandelst, all' Deine Gunst und Vaterliebe den beiden Kindern Deiner zweiten Ehe zuwendest, jetzt wo ich von Dir keine Liebe, keine Zärtlichkeit, keinen Rath, nichts von alledem verlange, was ein Kind von seinem Vater zu fordern berechtigt ist; — wenn ich von Dir nichts als die Rückerstattung eines anvertrauten Gutes fordere, des Vermögens, das Dir für Dein Kind, eine mutterlose Waise, zur treuen Aufbewahrung übergeben wurde, machst Du Ausflüchte, Winkelzüge..... das ist nicht nur nicht väterlich — zur Vaterliebe kann ich Dich nicht zwingen — aber es ist nicht einmal ehrlich; — und ehrlich zu sein, dazu kann ich Dich zwingen; — wir leben ja nicht im wilden Walde!" „Ben nawas hamardus!"^) rief Reb Kalmen, vor Wuth schäumend, „vielleicht gehst Du in Deiner Nichtswürdigkeit so weit, Deinen Vater zu mißhandeln, zu schlagen, zu erschlagen .... wie Du vor vierzehn Tagen in sinnloser Wuth Löb Munitz geschlagen, vielleicht getödtet hast, der alte Mann schwebt noch immer zwischen Leben und Tod!" Jetzt verzerrten sich wieder Zodoks Züge, er ward entsetzlich bleich und stammelte. „Löb Hund lebt ja noch, Gott kann ihn ja genesen lassen; — und wenn er auch — chaß we scholomH — stirbt, so bin ich an seinem Tode ganz •>) hartnäckiger, eigensinniger Mensch. 4) Xu irrst Dich. 5) widerspänstiger Sohn! 6) so viel als: Gott verhüte, ein cthymologisch schwer erunschuldig, ich habe ja keine böse Absicht gehabt, ich habe ihm nur einen ganz leichten Stoß versetzt; daß er beim Zurückweichen gestrauchelt und unglücklich gefallen, dafür kann ich ja nichts, daran bin ich unschuldig ..... Elokim inno lejobt!7) . . . . . Und wieder erkenne ich, wie wenig Du mich liebst — was sprecheich! — wie Du mich hassest! ...... die Ulschitz und die Landshuts, haben Niemanden gesagt, daß ich die, wenn auch unschuldige Ursache des Unfalls sei; — und Du, der eigene Vater, dem ich das große Unglück anvertraute, macht mir in grausamer Weise einen unverdienten, schmerzenden Vorwurf! .... Wenn uns Jemand belauschte, wenn's ein Fremder erführe; die Gesetze sind strenge — ich könnte bei einem unglücklichen Ausgange zur Verantwortung gezogen werden! . ..." Sprich nicht davon. Du bist ja doch mein Vater!" Reb Kalmen schritt einigemal im Zimmer auf und ab, dann blieb er vor Zodok stehen. „Wenn Du das fühlst, warum bist Du so hart gegen mich, warum forderst Du die große Summe von mir, gerade in dem Zeitpunkte, wo ich sie nicht entbehren kann, wo mich diese Zahlung ruinrren, zum Bettler, zum Bankrotteur machen müßte; — Du weißt es ja, ich bin ein reicher Mann und kann Dir im nächsten Jahre, wenn ich das Holz, das ich den Kavalieren im Vornhinein bezahlt habe, fällen lasse und verkaufe, leicht zahlen." „Ich bezweifle eben, daß Du reich bist und daß Du mir später zahlen kannst ..... Du sagst, Du hast die 130,000 Gulden bar liegen; nun so zahle mir, kannst Du dann-Deinen andern Gläubigern nicht zahlen; so liegt ja nichts daran, halwooh lehozeo nitno! — aber mein Vermögen ist ein Pikodon o), anvertrautes Gut, wenn Du mir nicht zahlen kannst und es gelangt zur Kenntniß der Behörden, dann stünde es schlecht um Dich!" „Daß ich reich bin und Dir zahlen kann, wenn Du mich nicht muthwillig zu Grunde richtest, will ich Dir sofort beweisen," rief Reb Kalmen eifrig. „Schau!" er riß einen großen Spind auf, „hier sind Säcke vdll Gold und Silbermünzen, aus den Spitzzetteln, die an den Säcken befestigt sind, kannst Du ersehen, daß hier in meinem eisernen Kasten eine klärbarer Ausdruck, möglicherweise ist chnsi in chaß verderbt worden und hat ursprünglich, wenn von einer Bcsnrchtnng die Rede war, als eingeschalteten Satz „Gnade und Friede Über uns" heißen sollen. 7) Gott sägte es in meine Hand. ft) „Geliehenes Geld wird zur Verausgabung, Benutzung gegeben," die Nichtzurnckerstattung eines Darlehens bildet kein Verbrechen, ein talmndischer Grundsatz, der von allen Gesetzgebungen anerkannt wird. st) Depositum, zur Ansbewahrung airvertraut.

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