Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1882)
- Date
- 1882-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ODO Budapest, im Mai 1882. Die Durchführungs-Commission der auch, orthodoxen Juden Ungarns hat sich an den Finanzminister bittlich gewendet, er möge den jüdischen Tabakfabrikanten gestatten, daß dieselben am Samstage und an den jüdischen Festtagen ihre Läden geschlossen halten dürfen. Baron Emil Pongrücz führte das Referat in dieser Angelegenheit und hat der Finanzminister das Gesuch der Durchführungs-Commission günstig erledigt. Es ist dies bei uns der erste Fall, daß Tabakfabriken überhaupt gesperrt bleiben dürfen. Rußland. Petersburg, 26. Mai. Der „Regierungs- Anzeiger" veröffentlicht einen vom Minister-Comits vereinbarten und vom Kaiser am 15. Mai bestätigten Erlaß, vier Punkte hinsichtlich interimistischer Vorschriften für die Juden enthaltend, wonach erstens den Juden verboten ist, von jetzt ab sich außerhalb von Städten und Dörfern niederzulassen, ausgenommen sind die schon bestehenden Judenkolonien; zweitens vorläufig alle Kauf- und Pachtabschlüsse mit Juden zu sistiren sind; drittens den Juden es verboten ist, an Sonn- und Feiertagen, wo christliche Geschäfte geschlossen sind, Handel zu treiben; viertens der Punkt eins und drei ist nur in Gouvernements anzuwenden, wo Juden ständig ansässig sind. Petersburg, 26. Mai. Der „Regiernngsbote" gibt bekannt, daß auf Befehl des Kaisers die Regierung fest entschlossen sei, unabläßlich alle Gewalttätigkeiten an Personen und Eigenthum der Juden, welche unter dem Schutze für alle Unterthanen gütiger Gesetze stehen, zu ahnden und die Behörden angewiesen worden seien, unter persönlicher Verantwortlichkeit rechtzeitig die geeigneten Maßregeln zur Verhütung und Unterdrückung der Judencxcesse zu ergreifen und daß jegliche Fahrlässigkeit der Behörden durch Dienstentlassung bestraft wird. Kowno, 19. Mai. Noch ergriffen von dem Grausen und-Entsetzen des gestrigen Himmelfahrtstages, beeile ich mich, Ihnen Mittheilung über das gewaltige Brandunglück zu machen, das unsere Stadt betroffen hat. Gegen 3 Uhr Nachmittags entstand in einer Tabakfabrik Feuer, das bei einem scharfen Nordwinde mit riesiger Schnelligkeit um sich griff, so daß binnen einiger Stunden ein ganzes Viertel der sogenannten Altstadt in hellen Flammen stand. Die Feuerwehr, der es an umsichtiger, energischer Leitung fehlte, arbeitete wie gewöhnlich köpf - und planlos mit ihren mangelhaften ärmlichen Einrichtungen. Es gelang daher bis zum Grauen des heutigen Tages nicht, die Wucht des Feuers zu dämpfen; es brennt bis zur Stunde noch, aber da der Wind sich etwas legte, so hofft man, daß das Feuer auf den jetzigen Herd beschränkt bleibt. Wohl gegen 100 Häuser an der Front der Straße sino leergebrannt, abgesehen von den zahlreichen Holzwohnungen, welche auf den Hof gebaut waren. Ein unabsehbarer Complcx liegt in Trümmern, alle diese Ruinen gewähren einen schauerlichen Anblick. Viele Waarenmagazine und Verkaufsläden sind leergebrannt, aus denen bei der überraschenden Schnelligkeit des Feuers wenig gerettet werden konnte. Der Schaden wird sich am einige Millionen Rubel belaufen. Mehrere Tausend Menschen, meistens ärmere Judenfamilien, sind obdachlos. Die dürftige Habe, die mit großen Gefahren dem wüthenden Element entrissen wurde, fällt vielfach in die Hände zahlreicher Diebesschaaren, die ungehindert ihrem Raubhandwerk obliegen. Man sieht nicht allein die Strolche und echten Verbrecher- Typen volle Kisten und Säcke u. s. w. fortschleppen, sogar die zur Wache anfgestellten Soldaten betheiligen sich fleißig am Stehlen, wogegen sie die armen rettenden Leute oder das in Angst und Sorgen zuschauende Publikum vielfach in der rohesten, empörendsten Weise mit Kolbenstößen und Fußtritten tractireu. Wieviele Menschen umgekommen sind, ist augenblicklich noch nicht festzustellen. Ob das Feuer durch Unvorsichtigkeit entstand oder ruchlos angelegt wurde, ist noch nicht ermittelt. Wegen Verdachts der Brandstiftung sollen jedoch einige Verhaftungen erfolgt sein. Kowno, 20. Mai. Ueber den in der Nacht zum 8. d. M. stattgefuudenen Brand der, Stadt Smorgon kann ich Ihnen Folgendes mittheilen: Smorgon liegt an der Libau-Romny-Bahn zwischen Wilna und Minsk. Der Brand ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Pöbel, in Folge Aufwiegelung desselben durch Agitatoren, angelegt worden. Juden aus jener Gegend hatten schon vor längerer Zeit die Mittheilung gemacht, daß viele Leute, deren Haus brannte, die in der Eile geretteten Sachen mit ihren Kindern auf den jüdischen Friedhof in Sicherheit brachten, dann in die Stadt zurückkehrten, um noch Weiteres zu retten. Die Säuglinge betteten sie auf den Bündeln. Inzwischen erschienen Kazapen auf dem Friedhöfe, begossen die gerettete Habe mit Petroleum und steckten auch diese in Brand, wobei mehrere Kinder mit verbrannten. Odessa, 21. Mai. Der „P. C." schreibt man von hier: Das sämmtlichen Zeitungsredaktionen Rußlands zugegangene Verbot des Ministers des Innern, irgend welche Mitteilungen über vorgekommene Judenhetzen in Umlauf zu setzen, ist vorgestern