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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Beilage zu tlr. 23 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Mai. Es liegt jetzt das sehr beachtenswerthe Memorandum vor, das 70 der hervorragendsten Firmen in Moskau an den Finanzminister abgesandt haben. „Die in Moskau wohnenden Juden," heißt es u. A. in dem Memorandum, „bilden in überwiegender Anzahl die Vermittler zwischen der Moskauer Industrie und den West- resp. Südgouvernements; sie fungiren als Agenten der liberalen Kaufleute, als ihre Kompagnons oder Kommissionäre, dabei als solche, welche gegenüber den Moskauer Firmen für ihre Auftraggeber die Garantie übernehmen, so das; der Moskauer Fabrikant den eigentlichen Käufer oft gar nicht kennt, trotzdem aber sicher geht. Als ehedem den Juden der Zutritt nach Moskau erleichtert wurde, gewannen diese Handelsverbindungen eine große Ausdehnung, was schon deßhalb die besondere Aufmerksamkeit der Regierung verdient, weil die Moskauer Industrie in jenen Absatzgebieten mit der starken Konkurrenz der österreichischen, polnischen und deutschen Fabriken zu kämpfen hat. Die Entfernung der Juden aus Moskau und ihre Bedrückung sind demgemäß einHindcrniß für den Handel selbst. Feste Verbindungen mit nur temporär ansässigen Juden sind unmöglich. Die vollständige Ansässigkeit der Juden in Moskau verdient die entschiedenste Unterstützung, da sie eine Garantie für die Zulässigkeit bildet." Berlin, 28. Mai. Die „Germania" enthält einen Brief aus Greifswald von einem katholischen Mitglied der dortigen Universität über die Wahl und Bestätigung des jüdischen Prot. Behrend zum Rector der dortigen Universität. In diesem Briefe heißt es: Der Rectorrathswechsel, welcher hier stets sehr festlich begangen wird, bot in diesem Jahre nichts, was dem unbefangenen Beobachter im Gegensätze zu früheren Jahren hätte auffallen können. Die Festfeier in der Aula war sehr besucht, der neue Rector hielt eine Rede über die Geschichte der Universitäten im Mittelalter, welche von Freund und Feind als eine der besten Universitätsreden anerkannt wurde. In dem darauf folgenden Concil erklärte der Rector, der sich auch bisher in Angelegenheiten des akademischen Kirchenpatronats stets der Abstimmung enthalten hatte, daß er die Leitung dieser Dinge dem (kotholischen) Prorector Landois (derselbe ist französischer Abstammung, gleichwohl gibt ein Artikel an, er habe ursprünglich „Landauer" geheißen) überlassen werde. Hinsichtlich des neuen Rectors wird weiter ausgeführt, daß bezüglich der Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit seines Charakters alles des Lobes voll sei; wenn trotzdem gegen dieWahl des Prof.Behrend gekämpft werde, dann kämpft man in dieser Sache nicht mit ehrlichen Waffen und nicht auf dem Boden der Gerechtigkeit und deshalb haben wir Katholiken mit derselben nichts gemein. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Kürzlich war der amerikanische Gesandte, Mr. Phelps, in der Diplomaten-Loge des österreichischen Abgeordnetenhauses anwesend, und ein Deputirter benützte die Gelegenheit, mit dem Staatsmanne über die Einwanderung russischer Juden nach Amerika zu sprechen. Mr. Phelps erklärte, daß alle Besorgnisse, die Flüchtlinge möchten jenseits des Oceans nicht mit aller Herzlichkeit ausgenommen werden, vollkommen grundlos seien. Amerika habe seine besten Kräfte durch Einwanderung aus Europa erhalten, und 52 Millionen glücklicher, freier Bürger schließe eine große Zahl von Irländern, Deutschen, Schweden und anderen Nationalitäten in sich. Ein Vergleich mit den Chinesen, gegen deren Einwanderung für die nächsten zehn Jahre soeben eine Bill den Congreß passirt habe, sei nicht zulässig. Man habe diesen Entschluß mit schwerem Herzen und nur deßhalb gefaßt, weil der Chinese sich niemals in Amerika seßhaft mache, weil er ohne Familie komme, nur einen vorübergehenden Gewinn suche und nicht einmal mit seiner Leiche den Boden des Landes bereichern wolle. Rußland begeht jetzt denselben Fehler, den der Despotismus so oft begangen hat. Ludwig XIV. schickte seine Hugenotten, die Stuarts sendeten die Puritaner fort. Wir bekommen sie und damit zugleich ein kräftiges Volkselement, und jetzt wiederholt Rußland dasselbe. Die Juden mögen nur kommen. Wir werden arbeitsfrohe, sparsame, ehrliche und gesunde Leute immer mit Freude aufnehmen. Jetzt leben unter 52 Millionen 300,000 Juden. Sie nehmen unter uns die geachtetsten Stellungen ein sowohl im bürgerlichen als auch im Staatsleben.

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