Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1882)
- Date
- 1882-06-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 lich wäre, wenn der Vater die Einwilligung gäbe, > aber — nicht näher heran Simon! — ich werde! niemals gegen den Willen meines Vaters handeln, j aber auch niemals Einem gegen meinen Willen die! Hand reichen."! Mit raschen Schritten verließ sie das Zimmer. Moses Peiles hatte nach drei Tagen seine Geschäfte in Wilna beendigt und eilte nun in sein heimathliches Dorf zurück. Den schönen Pelz für seine Tochter hatte er sorgfältig eingepackt, das Andere aber, wovon er seiner Tochter gesprochen, hatte er nicht gleich mitnehmen können, er war aber sicher, daß es bald Nachkommen werde. Seine Geschäfte allein waren es nicht gewesen, die ihn jetzt die Reise nach Wilna unternehmen ließen, es war ein anderer Zweck, der ihn dorthin geführt hatte, er wollte sich einen würdigen Schwiegersohn, seiner Tochter, die er über Alles liebte, einen braven Mann aussuchen. In der Zeit, in welcher unsere Geschichte spielt, war das, was jetzt bei Heirathspartieen bisweilen noch in der dortigen Gegend vorkommt, etwas ganz Gewöhnliches. Ein reicher Mann rechnete nicht darauf, daß sein Schwiegersohn Geld in's Haus bringe oder ein erfahrener Geschäftsmann sein müsse, durch dessen Thätigkeit die Mitgift seiner Tochter sich um so und soviel vervielfache. War er ja selbst reich, konnte er ja die jungen Leute mit Allem ausstatten, was sie brauchten und obendrein noch ein schönes Sümmchen mitgeben, was brauchte da Geld zum Gelde zu kommend Den höchsten Stolz setzte ein solcher Mann darein, einen studierten Jüngling für seine Tochter zu bekommen, mochte er auch bettelarm sein: Ein Jüngling, der sich auf der Talmud-Hochschule auszeichnete, durfte auf eine reiche Partie rechnen, die es ihm ermöglichte, auch als verheiratheter Mann ganz seinem Studien leben zu können, denn für den Unterhalt sorgten die Schwiegereltern, auf seine Arbeit und seinen Verdienst wurde, wenigstens in den ersten Jahren, nicht gerechnet. Auch Peiles hatte sich einen solchen Schwiegersohn ausgesucht, einen Jüngling, der mit der größten Armuth kämpfte, aber in seinem Wissen sich vor allen andern hervorthat; unter den vielen Hunderten der Wilnaer Hochschule glänzte er durch Anlagen und durch Wissen. Er war auf Veranlassung Peiles schon ein Mal in dessen Hause zum Besuch gewesen, und er glaubte — glaubt man ja gern das, was man erhofft — bemerkt zu haben, daß der junge Mann auf seine Tochter keinen ungünstigen Eindruck gemacht habe. Jetzt war er zurückgekehrt, der alte Mann, voll glückseliger Gedanken über die Zukunft. Der junge Mann hatte ihm das Jawort gegeben, er wollte die nächste Woche kommen, daß die Verlobung gefeiert würde, der „feinste Bachur" der Wilnaer Hochschule wollte sein Schwiegersohn werden; er hatte nicht umsonst sein Leben lang gespart, das Glück des einzigen Kindes war der schönste Lohn seines rastlosen Fleißes. Wohl hatte er dem jungen Manne gesagt, daß er seine Tochter nicht gegen ihren Willen verheirathen werde; daß sie aber widersprechen würde, war ganz undenkbar. Er hatte sich kaum noch von der Anstrengung der Reise erholt, als Simon bei ihm eintrat. Das Glück, das aus allen Zügen des alten Peiles leuchtete, gab dem jungen Menschen Muth ein. „Ich habe eine Bitte an Euch, Balboß (Herr)!" „Laß hören, meine Jüngle!" „Ich möchte mich verheirathen." „Hast das Alter, Jüngle! Wenn Du ein ordentliches Mädchen kriegst, kannst sie nehmen. Du hast Dir schon ein paar hundertRubel gespart, mir kommt es nicht darauf an, Dir noch ein schönes Sümmchen dazu zu schießen. Auch denk ich, bald mich zur Ruhe zu setzen, es ist mir leicht bei der Seroro (Gutsherrschaft), Dir die Pacht dieser Wirtschaft zu verschaffen, und Du bist ein gemachter Mann. Ja, ich Hab' die Ruhe nöthig, mein Esterleben wird bald an den Mann kommen —" „Balboß!" unterbrach Simon seinen Herrn mit einem schrillen Aufschrei. „Was giebt's um Gotteswillen, Du schreist und wirst kreideweiß, ist Dir's nicht gut?" „Ihr wollt Eure Tochter verheirathen!" „Gewiß, sie soll doch keine alte Jungfrau werden!" „Und ihr habt schon einen Choßen für sie?" „Bist Du von Sinnen, Hab ich Dir Rechenschaft zu geben? „Balboß! Ihr könnt Eure Tochter nicht verheirathen an einen Fremden, Ihr wollt keinen Menschen unglücklich machen, und wenn Ihr sie fortgebt, macht Ihr mich unglücklich! Ich — ich kann das Leben ohne sie nicht ertragen!" Jetzt war das Erstauen ^luf Seiten des Herrn; am liebsten wäre er gleich aufgefahren und hätte den, wie er glaubte, Sinnlosen zum Zimmer hinausgeschoben, aber er besann sich; er glaubte an eine momentane Aufwallung seines Dieners, die am besten durch Ruhe und Besonnenheit zu beschwichtigen sei._ (Forts, fgt.) Hierzu drei Beilage». ^cranrmortliche Redaction: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag uno Expedition des ,ISraelit" g^oste Bleiche 45. I. GottSleben'S Buchdruckern (Mainzer Änreiger).