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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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562 und gewiß denen, welche sich noch nicht entschlossen, ihre gesammelten Gelder den Central-ComitLs zu senden, weil sie von der richtigen Verwendung an der würdigsten und bedürftigsten Stelle nicht überzeugt sind, angelegentlichst empfehlen, nach Brody um Zusendung einiger Familien zu schreiben, unter Angabe, ob es o'onn nnasn oder Kaufleute sein sollen, selbstredend mit ihren Frauen und Kindern. Wenn Holland, Belgien, Frankreich, England und Oesterreich so handeln, dürste mancher Unglückliche eine neue Heimath finden, während man muthmaßlich bald einsehen wird, daß die Ängekommenen sich selbst ernähren und daß man dann mit demselben Gelde später wieder einige Familien kann kommen lassen. Außerdem wird da, wo man den Jammer sieht, der Zufluß von Unterstützungsgeldern gewiß noch zunehmen. Am Geeignetsten wäre auch hier wohl einheitliches Zusammenwirken. Wenn der Plan Beifall findet, wären wir wohl geneigt, hier in Holland Schritte zu dessen Ausführung zu thun, vielleicht dürfte sich auch hierzu ein Central-Comitb an irgend einem Vereinigungspunkte bilden. L. Simons. N. M. Lansberg. Machte! Abrahams. Frankreich. Paris, 1. Juui. Das „6v6nementmendoiii“ welches in den letzten Tagen ausgiebigen Gesprächsstoff geliefert hat, ist die Hochzeit der Mademoiselle Zoö von Rothschild mit Herrn Lambert, dem Repräsentanten des Rothschild'schen Hauses in Brüssel. Am Sonntag fand in dem Hotel der Avenue de Marigny ein intimes Familiendiner anläßlich der Unterzeichnung des Ehecontracts statt, ein Diner, das sämmtliche Pariser Rothschilds, im ganzen 30 Personen vereinte. Abends war großer Empfang und die ersten Persönlichkeiten der großen Pariser Welt wetteiferten, dem jungen Paare ihre Glückwünsche darzubringen. Unter den Erschienenen bemerkte man Löon Say, Duc de Broglie, Graf Beuft, Marschall Canrobert, Herzog von Fernan-Runez, Comondo, Eahen d'Auvers, Antonin Proust, Mac Mahon, Bischoffsheim 2c. Die Hochzeitsgeschenke der Braut waren auf drei langen Tafeln aufgestellt und riefen allgemeine Bewunderung hervor. Das belgische Königspaar hatte zwei prachtvolle schwersilberne Candelaber überreichen lassen. Ein beträchtlicher Theil der Geschenke rührt überhaupt von fürstlichen und großen Persönlichkeiten her. Herr Lambert bezog bisher als Angestellter des Hauses Rothschild in Brüssel außer den Repräsentations-Spesen für Haushalt, Dienerschaft, Wagen und Pferde 2c. ein jährliches Gehalt von 30,000 Fr. Nunmehr bringt ihm seine junge Frau das hübsche Sümmchen von fünf Millionen Mitgift in die Ehe mit. Braut und Bräutigam gehören dem jüdischen Glauben an und wird die Trauung nach streng israelitischem Ritus in der Synagoge stattfinden. Feuilleton. Simon Aastan. Eine westrussische Ghetto-Erzählung. Von A. 8. Ungefähr 15 Werst von Wilna liegt ein kleines Gehöft, dem man nicht ansieht, daß der Besitzer ein Mann ist, der über ein großes Vermögen verfügt. Der alte Moses Peiles sah nicht auf ein schmuckes Exterieur, die Leute, die mit ihm zumeist verkehrten, achteten auch nicht darauf; denn den Fuhrleuten, die in seiner niederen Gaststube vorsprachen, genügte es, wenn sie bei dem Randar einen kräftigen Wutki zu sich nehmen konnten oder einen heißen Aufguß aus dem stets summenden Samowar. Rur wenn Moses sich nach Wilna begab, um dort Einkäufe zu machen oder auf das Gut eines der benachbarten Fürsten fuhr, um über einen Holzkauf oder Ankauf der Kornernte zu verhandeln, dann strich er den reichen Mann heraus, der sich überall durfte sehen lassen. Dann war er wirklich eine stattliche Erscheinung; unter dem Streimel (Kappe) aus echtem Zobelpelz blitzten zwei kluge Augen, wohlgepflegt schien der graumelirte Bart, der die Hälfte der breiten Brust bedeckte, und auch der Vornehmste der Wilnaer Gemeinde hatte keinen schöneren, seidnen Kaftan in seiner Garderobe, als ihn Moses mit Selbstbewußtsein trug. So schön sah er heute wieder aus, als er im Begriff stand, den kleinen Schlitten zu besteigen, der ihn nach Wilna führen sollte. „Führe das Hauswesen gut," sagte er zu seiner Tochter, der er die Hand zum Abschied reichte; „daß Du mir aber nicht in die Wirthsstube gehst, die Unterhaltung der rohen Fuhrleute und Bauern taugt für Dich nichts, dort kannst Du Alles Simon überlassen, er ist ein zuverlässiger Bursche. Nun leb' wohl! Einen schönen Pelz will ich Dir schon in Wilna aussuchen und vielleicht noch etwas, was Dir noch mehr Freude machen wird!" Das hübsche Mädchen erröthete, sie konnte sich denken, was ihr Vater unter dem „Etwas" verstand. Noch einen Abschiedskuß und das kleine Gefährt rollte dahin.

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