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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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561 In dieser Zuschrift wird hervorgehoben, daß Baron Montague sich in überaus günstiger Weise über die Thätigkeit des Lemberger Comitös, dessen Action er persönlich zu verfolgen Gelegenheit hatte, aussprach; auch werden darin die Schwierigkeiten erwähnt, mit denen das hiesige Comittz zu kämpfen hat. Der Lord Mayor schließt mit folgenden Worten: Erlauben Sie mir im Namen meines Comittzs Ihnen und allen Ihren Kollegen dafür zu danken, daß Sie der Sache, die uns Allen so sehr am Herzen liegt, so ergeben sind. Ihr philanthropisches Bestreben ehrt Sie und den jüdischen Stamm, welchen jederzeit die thätigste Ausübung der Barmherzigkeit auszeichnete. Ich wage zu hoffen, daß der Einfluß Ihres ausgezeichneten Beispieles überall auf dem Continente Nachahmung finden und daß jede Gemeinde ihr Bestes thun wird, um mit vereinten Kräften das Erforderliche zur Linderung eines solchen Unglückes, das ohne Gleichniß in der Geschichte Ihres alten Volkes dasteht, zu veranlassen. Krakau, 25. Mai. Die hiesigen Blätter, der Ezas und die Reform«, betonen, daß die Einwanderung der russischen Juden Galizien mit einer Gefahr bedrohe, indem nur junge arbeitsfähige Leute nach Amerika befördert, Greise und kränkliche Personen aber in Galizien zurückgelassen werden. Die polnischen Organe fordern energische Schritte seitens der Regierung und sind der Ansicht, daß man selbst Geldopfer nicht scheuen solle, um sämmtlichen in Galizien, namentlich in Brody weilenden russischen Flüchtlingen die Weiterreise zu ermöglichen. Krakau, 29. Mai. Nach Warschauer Berichten wurde der russischen Grenz-Gendarmerie strenge aufgetragen, wachsam darauf zu sein, ob die aus Rußland und Congreßpolen nach Oesterreich reisenden Personen im Besitze regelmäßiger Reisepässe seien. Daran wird die Hoffnung geknüpft, daß nun dem Zuströmen neuer jüdischer Flüchtlinge gesteuert sein wird. In Warschau wird die Ankunft Todleben's behufs Feststellung der Fortificationspunkte erwartet. Todleben's Ernennung zum Nachfolger Albedinski's ist noch ungewiß. Letzterer will, so lange Jgnatiew am Ruder ist, einen Ministerposten nicht annehmen. Graf Loris Melikow geht demnächst nach Ems und kehrt nach vollendeter Cur wieder nach Petersburg zurück, dann soll über den Rücktritt Jgnatiew's und die Ernennungen neuer General-Gouverneure entschieden werden. Brody, 29. Mai. Gestern sind dieDelegirten der Wiener Israelitischen Allianz, Kammerrath Bernhard Singer und Dr. Alfred Stern, hier eingetroffen. Sie wurden von Tausenden von Emigranten mit stürmischem Jubel empfangen. Die Anzahl der Emigranten hier beträgt approximativ 13,000, die genaue Zahl kann erst übermorgen fixirt werden. Der Gesundheitszustand der Emigranten ist gut, die Errichtung von Baraken und die Einsendung von Kleidern erscheinen dringend nöthig. Bei der Jnscription zur Aufnahme für die Fahrt war ein starker Andrang, zu dessen Bewältigung das Militär-Commando 50 Mann zur Verfügung stellte. Heute Mittags ging ein Auswandererzug von 429 Personen nach Amerika. Auf dem Bahnhofe hielt ein russischer Student eine Anrede und endete mit einem Hoch auf Kaiser Franz Joseph, das minutenlang tausendstimmig erwidert wurde. N i e d e r l a n d e. Haag, 28. Mai. Sehr betrübend lauten die Nachrichten über die schreckliche Noth, welche die armen aus Rußland vertriebenen Brüder in den österreichischen Grenzstädten empfinden, da ihnen selbst bei der größten Opferfreudigkeit der Einwohner sogar mit Hilfe des Mansionhousefonds auch das Allernöthigste, wegen der großen Menge der Darbenden, nicht verschafft werden kann! Die Colonisation in Amerika dürfte für alle Juden, die noch specifisch jüdisch denken, ihren Reiz verloren haben, während für Palästina eine rechte Organisation noch nicht getroffen ist und auch der Beweis noch fehlt, daß es rathsam ist, für die nächste Zeit eine Masseneinwanderung dahin zu befördern, indem es doch mindestens zweifelhaft, ob bei Einwanderung von Tausenden und Zehntausenden denselben ein Broderwerb zu verschaffen sein wird. — Wir erlauben uns daher auf einen alten Plan, den wir vor nD2 bereits anderweitig anregten, zurückzukommen. Damals und auch später bei vorkommenden Gelegenheiten haben wir uns en petit comit6 vereint, um ohne Hilfe der hiesigen Commissionen durchziehenden Russen für die Dauer ihres Hierseins das Nöthige zu verschaffen. Nach den dabei gemachten Erfahrungen scheint uns ein Unterbringen von Unglücklichen in den verschiedenen jüdischen Genieinden wohl empfehlenswerth. Nach den letzten Nachrichten sollen ja die großen Massen in Brody arrivirter erst die Vorhut bilden zu den zu erwartenden Flüchtlingen! Es dürften also die vereinten Kräfte des englischen Comitö's und derAÜiance selbst nicht für d i e Categorie ausreichen, welcher sie Hilfe leisten wollen, während doch ohnehin den Ehrwürdigsten und Bedürftigsten, den ’-posn D’osn einerseits und den Frauen und Kindern, den Greisen und Kranken anderseits, jede Hilfe seitens dieser Central-Comittzs verweigert wird. Wir möchten daher den einzelnen Local-ComiM

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