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Der Israelit · 1882-06-07 · Heft 23 (7.6.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 23 (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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558 Nach der „jüdischen Pesther Zeitung" v. 29. Mai verhält es sich mit dem Mord, bei welchem der Schächter Schwarz betheiligt und um den noch vier andere Israeliten verhaftet sein sollen, folgendermaßen: Salomon Schwarz, Schächter in Eslar, ist zugleich auch Beschneider. Am ersten April beschnitt er ein Kind in der Synagoge, welches bald nachher starb. Der dortige Stuhlrichter, der von den unglücklichen Folgen der Beschneidung Kenntniß erhielt, machte die Anzeige bei dem Strafgericht in Niredihaza. Seitens des Staatsanwaltes und des Untersuchungsrichters wurde sodann ein Vorhör vorgenommen. Außer dem Schächter wurden der Tempeldiener, dessen fünfzehnjähriger Sohn und noch zwei Israeliten in Untersuchungshaft gesetzt. Die Untersuchung wird in Niredihaza fortgesetzt, wohin denn auch sämmtliche israelitische Einwohner von Eslar gerichtlich eingeladen wurden. Das fünfjährige Söhnchen des Schächters erzählte darauf andern Kindern, daß sein Vater wegen Tödtung eines Kindes verhaftet sei. Da aber gleichzeitig jenes vierzehnjährige Mädchen verschwunden war, so bezogen die Bauern die Erzählung des kleinen Schwarz ans das christliche Mädchen, und so sei jenes entsetzliche Gerücht entstanden. Hoffentlich werden uns die nächsten Tage Aufklärung über den wahren Sachverhalt bringen. Was nun jene abscheuliche Fabel betrifft, so weiß ja jeder Jude und jede Jüdin, daß es die entsetzlichste Lüge ist, welches jemals die Bosheit und die Niedertracht ersonnen haben. Unsere heilige Religion hat die Menschenopfer schon in jenen Zeiten auf das Strengste verboten, als sie bei ben Völkern . des Alterthums noch allgemein üblich waren. Selbst der Genuß des Blutes von Thieren ist uns Juden verboten; sogar das im Fleische der geschlachteten Thiere noch enthaltene Blut muß erst durch das Einsätzen des Fleisches herausgezogen und abgespült werden, ehe wir das Fleisch genießen dürfen. Als im Jahre 1840 in Damascus wegen einer ähnlichen Beschuldigung viele Juden eingekerkert und auf die Folter gespannt wurden, ging ein Schrei der Entrüstung durch die ganze Welt. Die Zeitungen forderten alle getauften Juden auf, auf Ehre und Gewissen zu erklären, ob sich in der jüdischen Religion eine Spur vorfinde, welche auf den Gebrauch von Christenblut am jüdischen Osterfeste oder überhaupt bei irgend welcher anderen Gelegenheit hindeute. Hieraus betheuerte der berühmte Kirchen-GeschichtschreiberAugust Neander, welcher vomJudenthume zum protestantischen Glauben übergetreten war, daß eine derartige Spur nicht vorhanden sei. Der katholische Hofprediger Dr. F eith in Wien, ebenfalls ein getaufter Jude, leistete von der Kanzel herab, mit dem Bilde des Stifters der christlichen Religion in der Hand, einen feierlichen Eid, daß an dieser Beschuldigung gegen die Juden kein wahres Wort sei. — Die Unschuld der Juden in Damascus kam auch bald an den Tag. Die vermißten Christen, ein Pater Thomas und dessen Diener, waren mit einem türkischen Kaufmann in Streit gerathen und von diesen ermordet worden. Vor etwa fünfzig Jahren ereignete sich ein Fall, der durch die Affaire von Eslar wieder in Erinnerung gebracht wird. Damals lebte in Nadi Kallau ein sehr angesehener Jude Namens Aron Fisch, bei welchem ein Bauernjunge Namens Jani als Gänsehirt diente. Eines Tages war Jani verschwunden, und es verbreitete sich das Gerücht, der alte Fisch habe den Knaben geschlachtet und dessen Blut in einem Gefäße aufgefangen. Es fanden sich sogar Zeugen, die behaupteten, es gesehen zu haben. Auf Grund dieser Zeugenaussage wurde der ehrwürdige Greis, der eine Zierde seiner Gemeinde und der ganzen Umgegend war, zum Tode vcrurtheilt. Allein der Obergespan, der trotz Allem an das Verbrechen nicht glaubte, verzögerte die Hinrichtung. Einige Zeit nachher fuhr der Kutscher des alten Fisch in ein entlegenes Dorf, um Heu zu holen. Da erblickte er zu seiner Ueberraschung den verschwundenen Jani, auf einer Wiese vor dem Dorfe die Gänse hütend. Rasch entschlossen packte er den Knaben, und fuhr mit ihin direct zum Obergespan. Hier erzählte Jani, daß ihm, während er geschlafen, mehrere Gänse gestohlen worden seien; er habe sich deßhalb gefürchtet, nach Hause zurückzukehren und habe es vorgezogen, sich in einem andern Orte als Gänsehirte zu verdingen. Der alte Fisch wurde natürlich in Freiheit gesetzt. Von den falschen Zeugen wurde ein Jeder zu zwanzig Jahren schweren Kerkers verurtheilt — Der so hart geprüfte Greis überlebte die Katastrophe noch lange und erreichte ein Alter von 113 Jahren. Als er starb, trauerte um ihn eine Schaar von mehr als 150 Kindern, Enkeln und Urenkeln. Auch in Eslar wird hoffentlich die Wahrheit ganz und voll an den Tag kommen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 23. Mai. Heute früh ging von hier der erste größere, vom internationalen Hilfscomittz veranstaltete Extrazug mit russisch-jüdischen Flüchtlingen, welche nach Amerika auswandern, nach Hamburg ab. Der Zug bestand aus 12 Personen- und 2 Gepäckswagen. Die Zahl der

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