Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1882)
- Date
- 1882-06-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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} XXIII. Jahrgang. -M ■*y Der Isra M 23. Ein Central-Organ für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von »r. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 7. Juni 5642 (1882). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bögen. Preis be§ Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnier ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Die neuesten Borgänge in Ungarn. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Bad Nauheim. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Lmal Wien. Prag. 4mal Lemberg. Lmal Krakau. Brody. — Niederlande: Haag. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Simon Kaftan. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Lmal Berlin. — Oest. - Ung. Monarchie: Wien. Budapest. — Russland : 2mal Petersburg. Lmal Kowno. Odessa. — Feuilleton: Löb Munitz. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Halberstadt. — Oest. - Ung. Monarchie: 2mal Wien. Altsohl. — England: London. — Rußland. — Amerika: Baltimore. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisfe. Leitender Artikel. Die neuesten 'Vorgänge in Ungarn. Mainz, den 31. Mai. Wr haben in der vorigen Nummer über die Verhandlungen im ungarischen Parlamente berichtet, aus denen hervorgeht, daß wir uns den längst überwunden geglaubten Zuständen des Mittelalters wieder nähern. Die wahnsinnige Beschuldigung, daß Juden Christenkinder schlachten, um deren Blut für die Osterkuchen zn verwenden, ist wieder aufgetaucht. Ein ungarischer Geistlicher hat an einen ungarischen Reichstagsabgeordneten ein Schreiben gerichtet, in welchem jene entsetzliche Lüge, die so vieles Unheil während der finstersten Zeiten des Mittelalters über die Juden gebracht hat, wieder aufgefrischt wird, und der Neichstagsabgeordnete hat nicht allein den Brief im Parlament verlesen, sondern auch mit andern Genossen diese grauenhafte Beschuldigung zu bekräftigen versucht. Der Vorgang, über den wir zur Zeit berichteten, war folgender: Kurze Zeit vor dem jüdischen Osterfeste verschwand irr dem ungarischen Dorfe E s l a r ein vierzehnjähriges Mädchen (Christin) Namens Ester Scholomoschie. Alsobald verbreitete sich das Gerücht, der jüdische Schächter Salomon Schwarz habe in der Synagoge im Vereine mit. einem Schächter aus Erlau das Mädchen geopfert und das Blut aufgefangen, um es für die Osterkuchen zu verwenden. Die Aufregung in Eslar war sehr groß. Da stellte es sich heraus, daß jenes Mädchen sich wohl und munter in dem benachbarten Orte Nadifalu befand. Dasselbe hatte das Geld, welches ihm zum Einkäufe verschiedener Gegenstände übergeben worden war, verloren, und deßhalb nicht gewagt, nach Hause zurückzukehren: es hatte sich in das benachbarte Dorf begeben und war daselbst in Dienst getreten. So wurde uns damals die Thatsache gemeldet, und so haben wir sie zur Zeit berichtet. Heute telegraphirt man aus Wien: „Die Pesther Blätter stellen einstimmig als Thatsache hin, daß in Tisza-Eslar wirklich ein Mord verübt wurde, bei dem der Schächter Schwarz betheiligt sei. lieber die Motive des Mordes ist nichts Bestimmtes bekannt. Es wurden außer Schwarz noch vier Israeliten verhaftet. Von dem vermißten Mädchen fehlt noch jede Spur." i' Ä'i. TM I J v,;s t '!.: J