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Der Israelit · 1882-05-31 · Heft 22 (31.5.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 22 (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Anlage zu Ar. 22 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus WeftpHalen. Herr Lehrer Ohlenbu rg, welcher ca. 15 Jahre lang der hiesigen öffentlichen jüdischen Elementarschule vorgestanden hat, mußte wegen anhaltender Kränklichkeit vor Kurzem seine Lehrtätigkeit einstellen. Obgleich bis jetzt ein bestimmtes Gesetz über Pensionirung der Lehrer nicht existirt, diese deßhalb in die Kategorie der übrigen öffentlichen Beamten gehören, die nur V» ihres bezogenen Salairs als Pension erhalten, so hat der hies. Synagogenvorstand dem Lehrer O. dennoch in Berücksichtigung treu geleisteter Dienste eine Jahres- Rcnte von 500 Thaler, also weit über die Hälfte seines früheren Einkommens, bewilligt. Alle Ehre einer solchen Gemeinde! Möchten doch diejenigen jüd. Gemeinden, besonders solche, deren Schule keine öffentliche ist, — und solche bilden in Preußen die Mehrzahl — sich dieses Verfahren zum Muster nehmen und ihre Lehrer nicht, wie leider so häufig geschieht, fortschicken, r** nrn 'trsnr, sobald sie ihren Dienst nicht mehr versehen können. M. Rosenwald, Iserlohn. Aus Hannover wird uns ein sehr warmer Aufruf zu Gunsten der russischen Flüchtlinge zugeschickt, der von den angesehensten Bürgern der Stadt aller Confefsionen und der verschiedensten Stände, unter andern auch von den Herren R.v. Bennigsen und Di-. Wi ndho rst unterzeichnet ist. Posen, im Mai. Die beiden Synagogen, alte und neue Betschule, sind noch immer der Benutzung nicht wiedergegeben worden. Zur Abhaltung des Gottesdienstes am bevorstehenden Schabuot-Feste ist nun für die Mitglieder der alten Betschule der große Saal eines Hotels gemiethet worden; die neue Schule ist bis jetzt noch nirgends untergebracht. Uebrigens scheint die Angelegenheit jetzt in Fluß zu kommen. Seitens einer großen Zahl der Gemeindemitglieder sind energische Proteste gegen den projectirten Neubau und gleichzeitig entschiedene ^Forderungen zur Herstellung der von der Polizeibehörde verlangten baulichen Aenderungen der beiden Betschulen an den Vorstand gerichtet worden. Es wird zunächst geltend gemacht, daß statutenmäßig die Gemeinde zur Erhaltung der ihr gehörigen Gebäude verpflichtet ist; alsdann aber scheint die Frage auch in's Privatrecht einzugreifcn. Die Eigentümer der Synagogensitze erklären nämlich, wohl mit Recht, die durch Unterlassung der erwähnten baulichen Ausführungen bedingte Ausgebung der Synagogen, wodurch ihr Eigenthum unbenutzbar und werthlos wird, für eine Besitzstörung, da die Verpflichtung und die Möglichkeit vorhanden ist, die Nutzbarkeit und somit den Werth ihres Eigenthums zu erhalten. Mehr als dieser drohende Verlust aber ist das Gefühl der Pietät, das dazu drängt, für die Erhaltung der beiden ehrwürdigen Betschulen, eines Stückes des alten Posens, zu wirken. Es ist ja allerdings nicht zu leugnen, daß auch die Anhänger des Neubau - Projectes nur q'gv ov'y handeln und thätig sind, indem sie ein stattliches, den Anforderungen der jetzigen Zeit entsprechendes Synagogen - Gebäude für die Förderung des religiösen Sinnes geeigneter und dkr Würde einer großen Gemeinde angemessener halten, als die altersgrauen Betschulen — aber, so berechtigt auch diese Anschauung der Sache sein mag, die Stimmung des überwiegend größten Theiles der Gemeindemitglieder neigt sich dennoch dem Wunsche nach Erhaltung der letzteren zu. Die durch das zur Unterstützung der russischen Juden zusammengetretene Comits veranstalteten Sammlungen haben bis jetzt die Höhe von 23,166 Mark erreicht. Hiervon sind am hiesigen Platze 20,388 Mark eingegaugen, darunter 000 Mark als Ertrag des vom Verein junger Kaufleute veranstalteten Dilettanten - Concertes. Es ist demnach hier irno und -j'-vio wohlthätig gewirkt worden. Von dem genannten Betrage sind vorläufig 22,000 Mark an das Bankhaus Delbrück, Leo u. Co. als Sammelstellen des Berliner Central-Comitö's eingesandt worden. Die Sammlungen sind nämlich hier noch nicht geschlossen; denn nicht nur, daß noch nicht alle Sammellisten wieder eingezogen sind, so werden auch aus der Provinz noch ansehnliche Beiträge erwartet. Auch in den anderen Städten unsrer Provinz haben sich nämlich zu diesem Zwecke Loeal-Comittz's gebildet und Juden und Christen bethciligen sich gemeinsam an dem guten Werke. In einigen Städten stehen an der Spitze der Zeichner sogar die katholischen Geistlichen. Aus Gombin, dem Schauplatze der jüngsten Iudenheve — ungefähr 15 Meilen von hier — treffen

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