Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1882)
- Date
- 1882-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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530 Laden entrichten, so daß Du nicht mehr auf die Dörfer zu gehen brauchst, um zu hausiren. Ich leihe Dir Geld, so viel Du verlangst. Nicht im Dorfe Liboch lasse ich Dir das neue Haus bauen, sondern in der Stadt Melnik, wo keine Juden wohnen und Du keine Concurrenten hast. Dort wirst Du ein angesehener und geehrter Kaufmann werden." „Gnädigster Herr," sagte Pinkas, „und wenn Sie mir die ganze Stadt Melnik schenken wollten, ja, wenn Sie mir alle Ihre Besitzthümer abtreten und mich zum Fürsten erheben möchten — mein Glaube wäre mir nicht feil, auch nicht für ganz Böhmen und die böhmische Krone. Selbst wenn der Kaiser käme und sagte: „Da, Pinkas, nimm meine Kaiserkrone und werde Kaiser an meiner Stelle: aber lasse Dich vorher taufen," ich würde sagen: Herr Kaiser, behaltet Eure Krone; ich will lieber der arme Jude Pinkas bleiben!" Zornig erhob sich der Fürst. „Was," schrie er, „Du willst nicht, Du verschmähst meine Wohlthaten? Du hast wohl Geld genug, um für das Osterfest zu sorgen?" „Durchlaucht, ich habe nicht einen Böhm?) Ich bin gekommen, um wie"7llljährlich die Gnade Eurer Durchlaucht anzuflehen." „Und wenn ich Dir nun die Gabe verweigere?" „So wird Gott mir in anderer Weise helfen." „Undankbares, hartnäckiges Volk! Mach', daß Du fortkommst, Jude, und wäge es nicht. Dich wieder auf Schloß Liboch sehen zu lassen!" „Durchlaucht . . . ." „Mach', daß Du fortkommst, oder ich lasse Dich mit meinen Hunden zum Schloßhofe hinaushetzen!" Betrübt ging Pinkas von dannen; als er zur Thürehinausgegangen war und dieselbe geschlossen hatte, öffnete er sie wieder und rief, den Kops durch die Thürspalte steckend: „Wenn Gott will, daß Durchlaucht mir helfen sollen, so werden Durchlaucht mir dennoch helfen, Sie mögen wollen oder nicht!" Dann schloß er die Thüre wieder und lief eilig davon. Am ersten April war Zahltag im Schlosse zu Liboch. Aus M Nähe und aus der Ferne kamen die Pächter von den ausgedehnten Lobkowitzschen Besitzungen und brachten den Pachtzins. Viele goldene Dukaten bedeckten den Zahltisch. Fürst Heinrich, ein sehr vorsichtiger Mann, nahm selbst das Geld in Empfang und zählte die einzelnen Summen nach. Aber damit begnügte er sich nicht. Er prüfte auch die Dukaten, ob sie echt seien. Das Dukatengoldhat fast gar keinen Zusatz und ist deßhalb weich; konnte Fürst Heinrich es mit den Zähnen biegen, so *) droschen. war ihm das ein Beweis der Echtheit. Mitten in dieser Beschäftigung wurde er abberufen. Er ließ die Dukaten liegen, schloß aber das Zimmer ab. Kaum hatte der Fürst das Zimmer verlassen, so stürzte aus einer Ecke Pollo herbei, ein Affe, den sich der Fürst zur Kurzweil hielt. Pollo, der unbeachtet dabei gewesen war, als sein Herr die Dukaten prüfte, glaubte wohl, der Fürst habe die Dukaten gegessen. Von dem den Affen eigenthümlichen Nachahmungstriebe beseelt, verschlang er eine Menge Dukaten und zog sich dann wieder in seine Ecke zurück. Der Fürst merkte nicht, daß von den Dukaten viele fehlten: hatte er die Summen doch bereits nachgezählt und richtig befunden. In dieser Beziehung blieb der Diebstahl für Pollo ohne Folgen; trotzdem sollte er schwer dafür büßen. Dukaten sind keine leicht verdauliche Speise; sie lagen dem armen Affen so schwer im Magen, daß er erkrankte und krepirte. Der Fürst befahl seinen Bedienten, denCadaver hinwegzuschaffen. Diese nahmen den Leichnam, um ihn im Garten zu verscharren. Pater Eusebius kam dazu. „Wißt Ihr," redete er die Bedienten an, „Ihr könntet das Teufelsthier dem verstockten Teufelsjuden, dem Pinkas, in's Haus schmeißen und ihm und seinem Weibe einen tüchtigen Schrecken einjagen!" Die Bedienten ließen sich dieses nicht zweimal sagen; sie freuten sich des rohen Spaßes. Sie warteten, bis es Nacht geworden; dann schleppten sie das todte Thier in's Dorf. Es war ein Schaltjahr, und das Peßachfest fiel spät, so daß es schon lange vor dem Feste recht sommerlich warm geworden. Bei offenem Fenster saßen Pinkas und Kröndel im Dunkeln, sich sorgenvoll von dem herannahendem Feste unterhaltend, für das sie noch gar nichts vorbereitet hatten. Da fiel plötzlich ein dunkler Körper durch's offene Fenster in's Zimmer. Draußen ertönte ein höhnisches Gelächter. Dann hörte man, wie einige Männer eilig davonliefen-, „Sch'ma Jisroel," schrie Pinkas, „Alilas dam! Man will uns ein Bilbul anhängen! Man hat einen Todten zu uns hereingeschmissen, um uns des Mordes zu beschuldigen. Faß an, Frau, wir müssen die Leiche gleich verscharren, damit sie nicht bei uns gefunden werde." Zitternd und bebend erhob sich Kröndel und faßte die Leiche beim Kopfe, während Pinkas die Beine emporhob. Da fing es plötzlich an zu klirren, und in der Dunkelheit glänzende Dukaten rollten auf den Boden. „Was," schrie Pinkas, „ist der Peger mit Dukaten gefüllt! Das müssen wir noch näher untersuchen. Laß' los, Frau, und hole Licht herein; ich will unterdeß das Fenster schließen."