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Der Israelit · 1882-05-31 · Heft 22 (31.5.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 22 (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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538 Municipien des Landes, Petitionen an den Reichstag Zu richten und diesen zu bitten, Fürsorge zu treffen, daß die massenhafte Einwanderung den wtrthschaftlichen Interessen des Landes keinen Schaden bringe. Zweck seiner Interpellation sei indessen hauptsächlich, die Besorgnisse der israelitischen Mitbürger, welche in Folge der erwähnten Petitionen und anderer Umstände wachgerufen lind, zu erstreuen. Redner weist daraus htn, daß die russischen Vorgänge in einzelnen Gegenden des Landes nicht spurlos vorübergegangen seien. Belege dafür sind die Ereignisse in Ältsohl, wo judcnfeindliche Placate von den Behörden entfernt werden mußten, ferner der von Oncdy und Jstoczy vorgebrachte Fall. Er hofft, die Gerichte werden letzteren Fall streng untersuchen und die eventuellen Schuldigen ihrem Richter nicht entziehen. Für ihn (Redner) ist eines schon heute sicher: aus dieser Untersuchung werde sicherlich niemals das Resultat hervorgehen, wonach die Juden zu rituellen Zwecken Ehristenblut bcnöthigen. Das ist eine schmähliche Fabel, die im Mittelalter von Feinden der Juden erdichtet wurde. Seit Jahrhunderten wohnen Juden unter uns, und niemals ist ein Fall im ordentlichen Gerichtsverfahren erwiesen worden, daß Juden zu religiösen Zwecken Ehristen gemordet haben. Redner hielt sich für verpflichtet dies vorzubringen, damit nicht die Meinung aufkomme, daß auch die Unabhänigkeits-Partei solche Ansichten theile, damit man erfahre, daß die Unabhängigkeits-Partei nicht blos die Selbstständigkeit des Landes sondern auch die Freiheit und Rechtsgleichheit aller Bürger des Landes anstrebe. Er hofft im Interesse der nationalen Ehre, daß jede Ausschreitung, welche etwa durch hier geschehene Aeußerungen hervorgerufen werden könnte, hintangehalten 'wird. Auch hofft er, daß die beruhigenden Worte des Minister-Präsidenten im ganzen Lande Widerhall finden werden. Sodann verliest Jeanyi folgende Interpellation: „In Anbetracht, daß einige in den jüngsten Tagen aufgetauchte Thatsachen, respective verbreitete Nachrichten in unseren israelitischen Mitbürgern Besorgnisse zu erregen geeignet sind, obwohl ich gerne glaube, daß diese Besorgnisse zufolge der Gesetzesachtimg und der humanen Denkweise unseres Volkes sich als ^unbegründet erweisen werden, halte ich es doch nicht für überflüssig, den Minister des Innern zu fragen: Erachtet er es nicht für räthlich, daß er unsere erwähnten Mitbürger hinsichtlich der Sicherheit der Person und im Allgemeinen hinsichtlich der strengen Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung unter welchen Umständen immer auch besonders sichere und sie, soweit dies möglich ist, beruhige?" Minister-Präsident Tisza: Der geehrte Herr Jnerpellant kann die russischen Vorgänge unmöglich schärfer verurtheilen, als ich. Auch ich' halte sie für eine Schmach des neunzehnten Jahrhunderts. Die Regierung wird gewiß Alles thun, um die Besorgnisse, wenn solche unter den israelitischen Mitbürgern wirklich vorhanden sind, zu zerstreuen. Allerdings ist diese ihre Aufgabe eine schwere, wenn sich Abgeordnete finden, welche die Agitation selbst ins Parlament hineintragen. Ich habe Vertrauen zur Besonnenheit unseres Volkes. Wenn sich aber dennoch Gefahren zeigen sollten, so werde ich, wie ich bereits vorhin erwähnte, schon dafür Sorge tragen, daß dieselben im Keime erstickt werden. (Lebhafter Beifall.) Das Haus nimmt auch diese Antwort des Ministers zur Kenntniß. Hierauf wurde die Sitzung in ziemlicher Erregung geschlossen. Die kurzen und energischen Erklärungen Tisza's hatten einen tiefen Eindruck gemacht. Feuilleton. IÄrfl und Jude. ii Der Fürst empfing diesmal den Juden mit feierlichem Ernste. „Pinkas," sagteer, „seit vielen Jahren gewähre ich Dir die Mittel, die Anschaffungen für das Peßachfest zu besorgen; auch haben wir, meine Gemahlin und ich, uns herabgelassen, an Eurer Feier Theil zu nehmen. Der ehrwürdige Pater Eusebius, mein neuer Schloßkaplan, behauptet, das sei sündhaft. Ach, die Hand Gottes hat mich schwer getroffen. Mein armer, kleiner Heinrich!" Der Fürst trocknete sich die Augen. „Durchlaucht," sagte Pinkas, „auch mich und meine Frau hat das schmerzliche Ereignis; tief betrübt. Als wir von der Krankheit des Prinzen hörten, haben wir Tag und Nacht zu Gott gebetet." „Ich bin überzeugt," sagte der Fürst, „daß Ihr es gut mit mir meint. Auch ich meine es gut mit Euch. Ich will nicht allein für Euer leibliches Wohl, sondern auch für Eure ewige Seligkeit Sorge tragen. Du und Deine Frau, Ihr müßt Euch taufen lassen." „Gnädigster Herr!" schrie Pinkas erschreckt. „Stille," sagte der Fürst, „ich dulde keinen Widerspruch. Wir haben uns versündigt, indem wir Jahre lang einer unchristlichen Feier angewohnt haben. Du und Deine Frau, Ihr müßt die Sünde sühnen, indem Ihr Euren Glauben abschwört und Euch in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche aufnehmen lasset. Ich werde Euch reich dafür belohnen Ich lasse Dir ein neues Hans bauen, einen

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