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Der Israelit · 1882-05-31 · Heft 22 (31.5.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 22 (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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536 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart. In unsrer heutigen Zeit, wo die Wogen des Judenhasses so hoch gehen, und besonders das grausige Elend unsrer Glaubensgenossen in Rußland das allgemeine Mitleid hervorruft und eine ausgebreitete Hilfeleistung erfordert, ist es von besonders wohlthuender Wirkung, wenn sich auch in den Reihen unsrer nichtjüdischen Mitbürger Männer finden, die ihr fühlendes Herz zu Akten wahrer Toleranz veranlaßt. So lesen wir an dem schwarzen Brett des hiesigen Königl. Realgymnasiums folgenden Aufruf an die Schüler dieser Anstalt von dem Rector, Herrn Oberstudienrath Dillmann: „Der gegenwärtige Auszug der Israeliten aus Rußland ist mit einem Jammer und mit Drangsalen verbunden, wie wir sie nur in vergangenen und entlegenen Jahrhunderten finden zu können geglaubt hätten. Denjenigen Schülern, welche ihr Erbarmen und Mitleid mit den Unglücklichen bethätigen wollen, will der Unterzeichnete dazu Gelegenheit bieten; sie geben damit ihrem Danke über die glücklichen Verhältnisse in Württemberg Ausdruck und den Unglücklichen Anlaß zum Vertrauen, daß auch ihnen noch eine Zukunft blühe. Ich werde die Namen der Geber, bezw. der Klassen, die Etwas zusammenschießen, dem hies. Ausschuß für die auswandernden Israeliten übergeben." Es ist dies gewiß höchst anerkennenswerth, und es wäre zu wünschen, daß dieser Geist echter Humanität auch in weitere Kreise dringe und Nachahmung fände; denn wenn die Saat der Brüderlichkeit und wahren Nächstenliebe schon in die Herzen der zarten Jugend gestreut wird, so dürfen wir getrost hoffen, daß einst, wenn die Schüler zu Männern herangereift sein werden, sie zu einer Frucht gedeiht, welche Vorgänge, wie wir sie jetzt erleben, unmöglich machen. Zur Sammlung von Gaben für die russischen Juden hatte sich, wie anderswo auch, hier ein Comittz gebildet, das aber, da ihm nicht die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt wurde, nur einen Beitrag von ca. M. 650 erzielen konnte. Nun hat sich neuerdings ein anderes Comit« gebildet, dem die hervorragendsten Männer aller Confessionen Stuttgarts angehören (unter ihnen der Oberbürgermeister v. Hack), und bei dem nun, wie verlautet, schon eine sehr bedeutende Summe eingegangen sein soll. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth, 26. Mai. Am Schluffe der ehegestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses haben die Abgeordneten Victor Jstoczy und Daniel Jranyi Interpellationen eingebracht, welche dermaßen das Haus in Spannung hielten, daß darüber die bosnische Debatte fast vergessen wurde. Die Interpellation Jstoczy's an den Minister des Innern und an den Justizminister lautet: Im Anschlüsse an dasjenige, was der Abg. Geza Onody in der gestrigen Sitzung bezüglich des in Tisza-Eszlar in der Synagoge unmittelbar vor den jüdischen Osterfeiertagen durch den jüdischen Schächter Salomon Schwarz ermordeten Christenmädchens Esther Solymosi sagte, frage ich den Minister: 1. Haben Sie Kenntniß davon, daß der Stuhlrichter des Bezirkes Felsö-Dada im Szabolcser Coniitate, dem die Mutter des ermordeten Christenmädchens den Fall meldete, anstatt den Fall pflichtgemäß zum Gegenstände einer Untersuchung zu machen, die Mutter an den königlichen Gerichtshof in Nyiregyhaza wies, daß dieser die Mutter wieder an den Stuhlrichter wies und daß, weil der Stuhlrichter und der Gerichtshof aus der Sache eine ganz unmotivirte Competenzfrage machten, die Untersuchung erst nach Wochen eingeleitet wurde? 2. Beabsichtigen die Minister, wegen dieser auffallenden Pflichtversäumniß den erwähnten Stuhlrichter und die betreffenden Mitglieder des Gerichtshofes zur Verantwortung zu ziehend 3. Beabsichtigen Sie bei der unter den obwaltenden Umständen unberechenbaren Tragweite der Sache, dieselbe mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und darüber zu wachen, daß trotz der jetzt in Bewegung zu setzenden großen jüdischen Geldmittel der schuldige Jude oder die schuldigen Juden die gerechte Strafe erhalten? In der Motivirung seiner Interpellation weist Jstoczy kurz auf die in der gestrigen Sitzung von Geza Onody gegebene Darstellung des Tiza-Eszlarer Falles hin; dann bringt er einen Brief zur Verlesung, welchen er selbst aus Tisza-Eszler über den Fall erhalten habe. Redner nannte zwar den Namen des Briefschreibers nicht, doch ging aus dem Briefe hervor, daß derselbe von katholischen Geistlichen stamme. Dieser Fall, sagt der Brief, setzt Ihre (Jstoczy's) Bestrebungen ins rechte Licht und illuftrirt den Fanatismus dieser widrigen und verächtlichen Race gegen Andersgläubige. Sodann wird der Fall erzählt: Der Tisza-Eszlarer jüdischeSchächter Salomon Schwarz soll das vierzehnjährige Christenmädchen Esther Salymosi in der dortigen Synagoge ermordet und die Leiche in die Theiß geworfen haben. Die Aufregung gegen die Juden ist in Folge dieses Falles sehr groß, heißt es im Briefe weiter, weil man fürchte, daß es durch Aufbietung großer Geldmittel gelingen werde, den Fall zu vertuschen. Das sechsjährige Kind des Thäters selbst habe den Fall verrathen, für welchen es übrigens mehrere Zeugen gebe. Jstoczy fügt hinzu: Es ist möglich, daß hier

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