Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1882)
- Date
- 1882-05-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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535 regel nicht den Leifall seines Volkes fand, wie aus der gereimtenChronikGottfrieds vonParis ersichtlich ist. Zwischen die Morde von Bern 1287 und Nördlingen 1290 schaltet der Vers, in den Notizen den Mord von Trohes 26. März 1288 ein. Der Bericht hierüber lautet: „Am Charfreitag, 26. März 1268, dem vorletzten Tage des Passahfestes stürmten Christen aus Trohes, „den Tod ihres Herrn zu rächen," das Haus eines reichen Juden, Jsaac Chatelain, Verfassers talmudischer Commentare und elegischer Dichtungen. Sie fesselten ihn nebst seiner Familie, ohne Zweifel ihn irgend eines angeblichen Verbrechens wegen anklagcnd, plünderten sein Haus, bemächtigten sich zugleich noch acht jüdischer Notabeln und übergaben sie den Dominicanern. Die Inquisition machte ihnen den Prozeß und verurtheilte die dreizehn Gefangenen zum Feuertode. Diese boten reiches Lösegeld an, man wollte ihnen aber nur dann das Leben schenken, wenn sie ihren Glauben abschwören wollten. Sie verweigerten dies und bestiegen am Samstag den 24. April, einen Monat nach dem Angriff auf Chatelains Haus, den Holzstoß." Der Bericht, der uns die Einzelheiten der Hinrichtung dann weiter erzählt und die Namen der Verurteilten nennt, schließt dann: „Dies sind die dreizehn „Heiligen," welche am Samstag den 24. April, 14 Tage vor den jüdischen Pfingsten in den Flammen umkamen, den wahren Gott bekennend." Eine Selicha, die diesen Vorgang verewigt, wurde von Neubauer in einem hebr. Manuscripte des Vatican entdeckt, und von Mnan in seinem Werte „Les Rabbins francais du commencement du XIV. siede“ veröffentlicht. Wir wollen hier noch auf folgende Ergänzungen, die die Noten des vorliegenden Buches geben, Hinweisen. Nach der Verfolgung in Nufach 1299 erwähnt der Vers, des Emek Habocho noch eine, die 29 Jahre später ftattfand, die dort im Jahre 1306 stattgefunden, welche zwei Chroniken gedenken (Berler und Tschamser) ist übergangen. Ausgelassen ist auch die Verfolgung in Paris 1380, welche von der Clironique de Religieux de Saint-Denis erwähnt wird. Diese geschah mit Erlaubnis des Königs und unter Aufhetzung des Pöbels seitens „plusieurs nobles.“ Von hohem Interesse und sehr lehrreich füralle Zeiten ist eine Notiz des Vers., daß inan in der großen Verfolgung von 1348 im deutschen Ordenslande, wo keine Juden wohnen durften, die getauften Juden verbrannte. Aehnliches haben wir ja bei der gegenwärtigen Antisemitenbewegung erfahren, wo auch das Getauftsein vor der Verfolgung nicht schützte. Es ist viel aus solchen Vorgängen zu lernen. — Dunkel ist der Sinn der Anrede Eduard I. von Portugal an einen Mönch, welcher den König zur Hetze gegen die Juden ausstacheln wollte: „Du wirst in Jubel einziehen, aber mit einer eisernen Krone auf dem Haupte aus dem Feuer hervorgehen!" So Wiener. S6e hingegen: ,,Viens avec all6gresse, mais le front ceintd’une couronne de fer rouge!“ Dies gibt einen richtigeren Sinn und spielt, wie der Vers, in den Noten bemerkt, auf ein Strafverfahren an, das einige Jahre vor jenem Vorfall aufständische Bauern der Auvergne und von Poitou gegen sie bedrückende Adelige und Priester angewendet hatten. „Sie bemächtigten sich seiner," berichtet die Chronik, „und ließen ihn eines grausamen Todes sterben, indem sie ihm einen glühenden eisernen Dreifuß auf den Kopf setzten." Ueber ein bis jetzt räthselhast gebliebenes Wort ist es dem Verf. gelungen, Licht zu verbreiten. Bei einer Judenverfolgung in Neapel 1240 wurde den Juden vom König eine kurze Frist zur Entscheidung gestellt, ob sie sich taufen oder sich lieber tödten lassen wollten. Die Frist sollte dauern von der Ausgabe des Edictes an bis mx rsasa Wiener übersetzt „bis zum Aufbreunen einer Mütze," fügt aber gleich, die^lnverständlichkeit auzudeuten, ein Fragezeichen bei. ^rtze hat sicherlich das Richtige gefunden. Diese Begebenheit hat Joseph Ha-Cohen der Consolaeam de Israel von Samuel Usque entnommen, woselbst es heißt: „da publieacam da quelle tee que se ardese liuma todia etc.“ Joseph Ha-Cohen hat als Italiener das Wort todia, welches aus Spanisch die „Kerze" bedeutet, italienisch gelesen und es mit tocca, „Mütze" verwechselt. Haben wir die vielen Vorzüge dieses Werkes hervorgehoben, so können wir auch nicht umhin, eine kleine 'Ungenauigkeit zu rügen, uänllich die, daß SS. 82 u. 84 der Herausgeber zwei Flamen, Pierre und Edouard, so gibt, als seien sie dem ursprünglichen Texte entnommen, und wir erst aus den Noten erfahren, daß es Emendationen seien, während der Verf. in den Noten aus einen Text hiuweist, der in diesem Buche nicht existirt. Vor Allem wollen wir aber nicht verfehlen, den Leser auf die Einleitung aufinerksam Zu machen, welche der Herausgeber dem Werke voranschickt. Es ist eine kurzgefaßte Geschichte des Martyriums der Judenheit bis zur Emancipation, die in großen kraftvollen Zügen uns die sturmbewegte Wanderung unseres Volkes durch die Geschichte hindurch zeichnet. Die Wärme der Darstellung ist ein Zeugniß dafür, daß der Verf. mit seinem Herzen geschrieben, und die Liebe zu seinem Volke ihm die Feder geführt hat. Dieser Vorrede wäre ein guter deutscher Uebersetzer zn wünschen, welcher den Inhalt derselben über die Grenzen Frankreichs hinaustrüge.