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Der Israelit · 1882-05-31 · Heft 22 (31.5.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 22 (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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534 ruhe kau:« noch eine Ahnung hat. Es gibt jetzt Mäuner und Frauen, die gar nicht mehr wissen, daß für uns Juden besondere Speisegesetze existiren. Ehen werden alltäglich geschlossen, welche das Gottesgesetz auf's Strengste verbietet. Immer weiter dehnte sich der Abfall aus und drang bis in die entferntesten Länder. Was viele weise und fromme Männer vorausgesehen haben — es ist jetzt eingetroffen. Der Sünde folgt die Strafe. Gott will uns nicht loslassen, nicht ausgeben; wir müssen Sein Volk bleiben, und deßhalb führt Er uns zu sich zurück, zu unsrem Heile. Er, der uns schlägt, Er beglückt uns wieder; Er, der uns verwundet, heilt uns wieder, und wenn die Feinde toben und wüthen, wenn sie Israel mit Vernichtung bedrohen, so erhebt sich Gott und es müssen sich zerstreuen die Feinde, und es müssen fliehen die Hasser vor Seinem Angesichte. Und einst wird kommen der Tag, an welchem wieder ruhen wird Gottes Majestät auf den Myriaden der Tausende Israels. Es ist nur die Sünde Israels, welche den Feinden unsres Volkes Kraft verleiht, es mit Vernichtung zu bedrohen; es ist nur der Abfall von Gott, welcher den Judenfeinden Gelegenheit bietet, ihre Wuth an uns auszulassen. Die neusten Ereignisse haben es uns deutlich gezeigt, daß wir keinen andern Beschützer haben als unfern Vater im Himmel. Die Cultur, die Civilisation, auf die wir so stolz waren, sie schwinden dahin wie Seifenblasen. Im mächtigsten Culturstaate unseres hochcivilisirten Erdtheils, im Volke der Denker, hat sich zuerst das wüste Geschrei erhoben gegen friedliche Mitbürger, die alle Lasten des Staates mittragen helfen und mit ihrem Blut das Vaterland vertheidigt haben, wie alle andere Söhne der deutschen Muttererde. In der Hauptstadt der Intelligenz waren es Geistliche, Professoren, Gymnasiallehrer, welche den Haß schürten und öie Flamme entflammten, die in einem anderen Culturstaate, in dem mächtigen Rußland, jetzt so verheerend wüthet. Und Keiner der Mächtigen hat eine Hand oder einen Fuß geregt, um im Zeitalter der Humanität unschuldigeMenschen zu schützen vor zu Bestien gewordenen Wütherichen, welche rauben, morden, sengen, brennen, Frauen und Jungfrauen schänden in viehischer Lust! Kehren wir zurück zu Gott und Seiner heiligen Lehre, und Gotr wird wiederum schützend Seine allmächtige Hand über uns halten. Seit Jahrtausenden ist Er es, der uns geführt hat durch die gewaltigen Fluthen, durch die zerstörenden Feuerbrände. Wenden wir uns wieder zu Ihm im heißen Gebete, ntschli eßen wir uns, wiederum Seinen Lehren und Seinem Gesetze zu leben; dann dürfen wir auch wieder zu Ihm sprechen: VKJarO V-’X 'S'2" ,m> "2’P Stehe doch auf, Ewiger, und es werden zerstieben Deine Feinde, und es werden fliehen Deine Hasser vor Deinem Angesichte. Literarischer Bericht. Von 8. .-.22.3 La vall6e des pleurs. Clironique des souffrances d’Israel depuis sa dispersion jusqu’ä nos Jours par Maitre Joseph Ha- Colien, m£d6cin d’Avignon 1575. Public pour la premiere fois en frangais avec notes et textes historiques par Julien S 6 e. Paris 1881. LXII u. 262 S. 8°. In Frankreich zeigt sich gegenwärtig eine erfreuliche rege Thätigkeit auf dem Gebiete historischer Quellenforschung der jüdischen Vergangenheit. Auch das vorliegende Werk verdankt diesem Zuge seine Wiederauferstehung in französischer Sprache, und nach dem allgemeinen Titel, der an der Spitze steht, „Les Chroniques Juives“ dürfen wir wohl eine ganze Folge solcher Werke erwarten, deren erstes das vorliegende ist. Es ist, wie allbekannt, das Emek habacha in Deutschland auch denen, die kein Hebräisch verstehen, keine neue Erscheinung. Bereits im Jahre 1858 hat es Dr. M. Wiener dem deutschen großen Publikum durch eine gute, auf kritischer Textuntersuchung beruhende, Uebersetzung zugänglich gemacht und durch Notizen dem Forscher ein reiches Material an die Hand gegeben; für das französische Publikum ist aber dieses Werk ein neues, und der französischen Judenheit wird eine Lectüre wohl interessant, aber auch zugleich unterrichtend sein und ihr die Zeichen der Zeit zum Verständniß bringen, welche erzählt, mit welcher Ausdauer, mit welchem Muthe, mit welcher Frömmigkeit und Gottergebenheit ihre und unsere Vorfahren die schweren Prüfungen ertragen haben, von denen sie heimgesucht worden sind. Aber auch für uns ist diese neue Ausgabe nicht als eine überflüssige anzusehen, die Verbesserungen, die sie bringt, die Ergänzungen und manche interessante Auszüge aus alten französischen Chroniken, die der Vers, in den Noten mittheilt, bilden auch für uns eine willkommene Bereicherung des historischen Materials und lassen uns manche Verhältnisse in einem ganz neuen Lichte erscheinen. So ist es z. B. recht interessant zu erfahren, daß Philipp IV. von Frankreich, als er 1306 die Juden aus seinen Staaten vertrieb, mit dieser Maß-

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