Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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519 bürg im Odessaer Bezirke. Die Deutschen wurden jedoch rechtzeitig gewarnt, und die Banden, welche eine Gegenwehr befürchteten, gingen auseinander. In der Krim macht sich in den Ortschaften Berdiansk, Obitoczensk,Denisow und Rogaisk eine große Bauernbewegung bemerkbar; die Bauern fordern eineGrundvertheilung im Namen des Czars. Rumänien. Jassy, 7. Mai. In einer hier abgehaltenen Sitzung des Eentral-Comittzs für die Colonisirung Palästinas durch die Juden, welcher der englische Delegirte, Mr. Oliphant, beiwohnte, erfolgten Zeichnungen, welche Herr Jacques v. Neuschotz mit 20,000 Francs eröffnete. Mr. Oliphant hat sich gestern sammt Gemalin nach Bukarest begeben. Rußland. Petersburg. 10. Mai. Betreffs der Beschwerden der jüdischen Apotheker antwortete der dirigirende Senat, bis zu erfolgter Entscheidung über die gerichtliche Klage der Apotheker sei die Verordnung des Ministers außer Kraft. Feuilleton. Lob Wunitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Das überraschende Eintreten eines unsympathischen, allgemein gehaßten uud verachteten Menschen, erregt bei Jedermann das Gefühl lebhaften Unbehagens, und in dem vorliegenden Falle steigerte sich dieses noch erheblich. Alle Anwesenden waren mehr oder weniger aufgeregt und jede Störung war ihnen unerwünscht. Selbst Ester, die jeden andern Zwischenfall, der ihre peinliche Erklärung verzögern konnte, gewünscht hätte, fühlte sich durch Munitz unerwartete Ankunft recht unangenehm berührt. Und noch Eins erhöhte die Mißstimmung der Männer. Die große Religiösität jener Zeit, war in gewissen Schichten nicht von Aberglauben frei, bei einem wichtigen, bedeutungsvollen Ereignisse — und als solches mußte man wohl eine Brautschau betrachten — erschien die plötzliche unerwartete Ankunft eines bösen, verrufenen Menschen auch als ein böses Omen! — und es war ja bekannt, daß Löb Munitz sonst nie die Schwelle eines Glaubensgenossen betrat. Was hatte er gerade jetzt hier zu suchen? — Es wird unter solchen Umständen leicht begreiflich erscheinen, daß das „Gut Schabbos!" des Ankommenden, keine freundliche, ja gar keine Erwiderung fand. Er blieb kurze Zeit an der Thüre stehen: der alte Mann hatte offenbar doch geglaubt, daß man die Gastfreundschaft, die in Israel wie eine religiöse Pflicht geübt wurde, auch ihm gegenüber nicht in so gröblicher Weise verletzen, ihn einladen würde, weiter zu gehen, ihm einen Stuhl anbieten würde; aber als Alle stumm blieben und sich nur Aller Blicke finster und drohend auf ihn richteten, trat er augenscheinlich in der Hoffnung näher, daß es ihm durch freundliche Ansprache gelingen würde, den Hausherrn günstiger für sich zu stimmen. „Was wollt Ihr hier bei mir?" frug Sabel Ulschitz entrüstet. Munitz war eben im Begriffe zu antworten, als sein Blick auf das offene Schmuckkästchen, das auf dem Tische stand, fiel; eine helle Röthe überflog sein Gesicht, ein convulsivisches Zittern durchbelite seinen Körper, er athmete schwer; eh' cs Jemand zu verhindern vermochte, griff er hastig nach dem Schmucke, hielt die einzelnen Stücke desselben gegen das Licht und prüfte sie mit Kennerblicken. Die Anwesenden sahen seinem Behaben mit eigenthümlicher Spannung zu. Das Eine war von Munitz bekannt, daß er ein tüchtiger Juwelier und großer Schmuckkenner war. Der bisher vom Glücke stets begünstigte Zodock hatte sich daran gewöhnt, innner das zu glauben, was ihm am angenehmsten und schmeichelhaftesten erschien, er glaubte, daß die Leidenschaft des Kunstkenners in Munitz geweckt worden sei und fnifl ihn: „Das ist ein Schmuck von seltener Schönheit, den könnte eine regierende Fürstin tragen — was?" Munitz wechselte plötzlich die Farbe, er ward blaß wie ein Linnen, legte den Schmuck in das Futteral zurück und stieß dieses mit dem Ausdrucke des höchsten Abscheues und Ekels von sich. „Der Schmuck ist falsch!" rief er mit heiserer Stimme, „nicht mehr werth als der Arbeitslohn, den der Juwelier bekommen!" „Ihr seid meschnge!' schrie Zodok in wilder Wuth;.„mein Vater hat ihn m\ 4000 Thaler von einer vornehmen Dame gekauft!" „Den Schmuck kenn ich genauer als Ihr und Euer Vater; — an den Schmuck werde ich nicht vergessen — wenn ich bis an das Ende aller Zeiten leben sollte! Er ist gar künstlich angefertigt und wohl kein Zweiter hätte das so rasch erkennen können. ..,4 r '- i