Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Ritter ü. Hye-Glunek, Herrenhausmitgl. Eugen! Graf Kinsky. Friedrich Freiherr v. Leitenberger. : Ludwig Lobmeyr. Vinceuz Miller von und zu * Aichholz. Johannes Nordmann, Präsid. der „Eon-! cordia". Dr. Karl Rechbauer, Rchsr., früh. Präs.! des Abghauses. Ober-Baurath Friedrich Schmidt. > Alexander Fürst zu Schönburg-Hartein. Eduard Sueß, Univprof., Reichsr.- und Ldtsabg. Bürgermeister Eduard Phl. Hanns Graf Wilczek. Edmund Graf Zichy. Wien. Wie man uns mittheilt, haben Kronprinz Rudolph und Kronprinzessin Stephanie an das Comitö, welches veil Aufruf zu Gunsten der vertriebenen russischen Juden erlassen hat, je 500 fl. (zusammen tausend Gulden) für den gedachten Zweck gespendet. — Die Israelitische Allianz in Wien hat an das erwähnte Comite ein längeres Schreiben gerichtet, in welchem sie für die begonnene Hilfsaction ihren lebhaftesten Dank ausspricht. Dem Schreiben waren folgende Beglcitzcilen an den Obmann des Eomites, Herrn Baron Leitenberger, angeschlossen: Hochgeehrter Herr Baron! Indem wir uns erlauben, beiliegendes Schreiben an das verehrte Count«, das sich Ihrer Leitung erfreut, in Ihre Hände zu legen, fühlen wir uns dringend verpflichtet, es mit dem Ausdrucke wärmsten Dankes für die in dieser Angelegenheit ergriffene Initiative einzubeglciten. Schon bei dem ersten vor einigen Monaten von der Israelitischen Allianz in Wien ausgegangenen Aufrufe waren ja Sie, hochverehrter Herr Baron, der Erste, welcher die neue Sammlung mit einer nahmhaften Spende eröffneten und dadurch anregend auf Biele cinwirkten. Wollen Sie mit unserem tiefgefühlten Danke hiefür den Ausdruck unserer Verehrung genehmigen. Der Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien. Joseph Ritter v. Wertheimer m. p. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Friedrich Freiherrn v. Leitenberger in Wien. Wien, 11. Mai. Das Bethaus der orthodoxen polnischen Judenschaft in der Oberen Donaustraße wurde vor ungefähr zwei Monaten im Licirationswege an eine Glasfabrik verkauft und wird nun zu einem Magazin umgebaut. Die dortselbst beschäftigten Arbeiter hänselten heute Nachmittag gegen 4 Uhr die vielen polnischen Juden, welche dem Umbaue zusahen, mit dem Schicksal des Bethauses. Nach einer andern Version waren es die polnischen Juden, welche zu sticheln begannen. Es kam bald zu einem Wortstreite. Ein Arbeiter gab dann einein der Juden einen Schlag, und nun entwickelte sich eine Balgerei. Steine flogen hin und her, und eine große Menschenmenge sammelte sich ans dem Platze! an. Der rasch herbeigeholten Sicherheitswache ge- : lang es, dem Excesse Einhalt zu thun, bevor derselbe! größere Dimensionen annahm. Zwei der Arbeiter! und ein Hausirer haben bei der Balgerei leichte Ver-! letzungen erlitten. Drei Hausirer wurden arretirt,! jedoch nach Aufnahme des Nationales wieder ent- I lassen. Gegen die Betheiligten wird die Strafamtshandlung eingeleitet. Dieser Exceß gab zu übertriebenen Gerüchten Anlaß, welche Nachmittags in der Stadt cursirten. Lemberg, 11. Mai. Die Erhaltung der vollständig mittellosen jüdischen Auswanderer aus Rußland' erfordert einen wöchentlichen Aufwand von 3000 fl., während das Londoner Comittz zu diesem Zwecke nur 600 fl. per Woche angewiesen hat. Seit 30. April wurden nach Amerika von hier befördert 1252 Personen. Das hiesige Comitö hat aus London den Auftrag, vorläufig nur 400 Fahrkarten per Woche auszugeben, während Director Lazarus, der die hiesige Hilfsaction leitet, die Expedition von 1000 Personen per Woche aus humanitären und sanitären Gründen für dringend geboten erachtet. Brody, 10. Mai. Die heute beendete Conscription ergab, daß 7200 Flüchtlinge aus Rußland hier sind. Da täglich mindestens 200 zuströmen und wöchentlich nur höchstens 500 abgeheu, so sind die Consequenzen unabsehbar. Gleichwohl mußte sich das Comit^ entschließen, die Flüchtlinge hier 'zu lassen, weil nur die Verhältnisse Brodys den jüdischen Auswanderern einen längeren Aufenthalt ermöglichen. Eine heute hier zusammengeftellte Expedition, welche Samstag abgeht, zählt 22 Baltaer Opfer, wovon einige verletzt sind. Obwohl die russische Regierung die Emigration nicht hindert, erpressen doch die russischen Zollamtsbeamten den Flüchtlingen vor dem Uebertritte ihre letzte Habe, daher dieselben Heimlich durchzuschleichen suchen, hiebei aber oft den Grenzkosaken in die Hände fallen. Das unter den Auswanderern herrschende Elend ist unbeschreiblich. Brody, 11. Mai. Der Zuzug Flüchtiger aus Rußland war heute enorm, mit der Bahn kamen etwa neunhundert, aus Schleichwegen etwa fünfhundert an; hiezu über sechshundert aus Lemberg hiehcr Zurückbeförderte. Mit dem Bau eines Barakenlagers wird ehestens begonnen, vorläufig mußte die große Synagoge als Zufluchtsstätte erschlossen werden. Heute Vormittag wurden dicht an der Grenze zwei jüdische Deserteure von Kosaken erschossen. Krakau, 11. Mai. Einem Berichte der Reforma aus Odessa zufolge versuchten Bauernbanden einen Ueberfall der deutschen Colonie in Hoffnungs-