Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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514 dazu hätte, wagt es, einen Handel zu eröffnen. Das Unterstützungs-ComitL vermag nicht, die Forderungen aller Hilfsbedürftigen zu befriedigen; seine Mittelsind gering und die Zayl der Hungernden undNothleidenden äußerst groß. — Nach demselben Blatt, hat der Kongreß der Abgeordneten der verschiedenen Gemeinden in den Haupt-Centren der jüdischen Ortschaften, welcher mit Genehmigung des Ministers des Innern in Petersburg zusammengetreten ist, in seiner Sitzung vom 9. Mai beschlossen, sich an alle höheren Regierungsbeamte und an die ganze russ. Gesellschaft mit folgendem Akte, welcher von allen Mitgliedern des Kongresses, unter denen sich sieben Rabbiner, viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde-Verwaltungen befanden, unterzeichnet ist, zu " wenden: „Betreffs Verkeilung der Abgaben und Beaufsichtigung der Erfüllung der Staatspflichten durch die Juden wurden in dem Ukas des dirigirenden Senats vom 21. Mai 1876 jeder jüd. Gemeinde vorgeschrieben, drei bis fünf Bevollmächtigte unter dem bibl. Namen „Kahal" d. h. Gemeinde-Rath zu wählen. Durch den Allerhöchsten Ukas vom 19. Dec. 1844 wurde die Einrichtung des „Kahal" sistirt, mit Ausnahme der Stadt Riga, einiger Städte in Kurland und der Secte der Karäer. Trotzdem bemüht sich bis auf heute die böswillige Berläumdung, die russischen Juden zu beschuldigen daß in ihrer Mitte geheime Kahal-Einrichtungen bestehen, welche durch verschiedene illegale Mittel die Abschließung»und Absonderung der Juden und auch die Erreichung verschiedener, den übrigen Gesellschafts- Klassen schädlicher Zwecke durch die Juden zu erstreben suchen. In der Hoffnung, dieser durchaus grundlosen Berläumdung, die sich hauptsächlich auf von jüdischen Renegaten gefälschte Dokumente stützt, ein Ende zu machen, halten es die Unterzeichneten, die Repräsentanten verschiedener Centren der jüdischen Ansiedlungen in Rußland, die Rabbiner, die Mitglieder der geistlichen und Synagogen-Verwaltungen für ihre heilige Pflicht, indem sie den allwissenden Gott zum Zeugen anrufen, öffentlich vor ganz Rußland zu erklären, daß weder offene noch geheinie Kahal-Jnstitutionen unter den russischen Juden existiren, daß das Leben der Juden einer derartigen Organisation vollständig fremd gegenübersteht, wie auch den derselben zugeschriebenen Attributen." Arabien. Ein jüdischer Eriminal-Gerichtshof, einzig in i seiner Art, existirt zu Sana, der Hauptstadt der! arabischen Provinz Jemen. Die Juden dieser Provinz (mehr als 500,000) stehen nämlich nicht unter! türkischer, sondern gemäß ihrer uralten Privilegien! unter eigener Gerichtsbarkeit, die vomMari (Großrabbi)! von Sana, zur Zeit Rabbi Zeduk, im Vereine mit vier i Besitzern ausgeübt wird. Der Mari darf, natürlich nur bei Streitigkeiten unter den Juden selbst, alle Strafen, bis auf die Todesstrafe verhängen. Bei Streitigkeiten zwischen Juden und Arabern entscheidet der Kadi. Dem Mari steht auch ein großes Gefängniß, in dem sich eine eigene Frauenabtheilung befindet, zur Verfügung. Die Jnhaftirten müssen sich jedoch selbst verköstigen, nur die Armen erhalten ihre Kost von der Gemeinde. Die hohen Feiertage dürfen die kleinen Verbrecher im Schooße ihrer Familie verbringen. Kehren sie dann nicht freiwillig zurück, so verfallen sie in den großen Bann. Verhängt der Mari den großen Bann über Jemanden, so wird dies in: Ghetto laut kund gemacht. F e u ij[ I e ton. Aürst und Jude. i. Es sind viele, viele Jahre verflossen, seitdem Fürst Heinrich von Lobkowitz, einer der reichsten Cavaliere des Böhmerlandes, das Schloß Liboch bewohnte. In dem gleichnamigen Dorfe, welches am Fuße des Schloßberges, unweit des Städtchens Mclnik liegt, hatten sich einige Juden angesiedelt. Es war ein harter Winter gewesen. Durch einen gewaltigen Schneefall wurde jede Wanderung ins Gebirge unmöglich gemacht, und so war der arme Hausirer Pinkas verhindert worden, seinem Geschäfte obzuliegen. Den ganzen Winter hindurch hatte er nicht das Geringste verdient, und alle Ersparnisse waren aufgezehrt. Der Frühling kam in'sLand und mit ihm das Pesachfest. Bange Sorge erfüllte die Herren des armen Pinkas und seiner biedern Gattin Kröndel. Woher sollten sie die Mazzoth nehmen? Die warme Frühlingssonne schien ins Land; die Schneemassen schmolzen; die Erde bedeckte sich mit frischem Grün; die Vögel zwitscherten lustig; Pinkas und Kröndel aber waren tiefbekümmert. Wohl waren die Wege wieder frei, und Pinkas hätte seinen Handel wieder beginnen können. Zum Handeltreiben gehört Geld oder Waare oder Credit. Alles das hatte Pinkas nicht; es blieb ihm keine andere Aussicht als die zu betteln oder zu verhungern. Gegen das Erstere sträubte sich sein Ehrgefühl, und daß das Letztere gerade keine angenehme Aussicht war, bedarf nicht erst der Versicherung. Kröndel weinte; Pinkas tröstete sie. „Vertrauen wir auf Gott," sagte er. „Seine Hand ist stark und kann auch uns helfen in unserer großen Noth." Bei diesen Worten verließ er sein ärmliches Häuschen, um unter Gottes freiem Himmel über die Mittel uachzudenken, durch die ihm geholfen werden könnte. Es wollte ihm nichts einfalleu.