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Der Israelit · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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513 ihm so am Herzen liegt, in das MinistercomitH zu wohlthuende Wirkung, deren Folgen auch am Mittschmuggeln. Fürs Erste hatte er sich mit Wenigem! woch auf der Petersburger Börse wahrnehmbar begnügt. Den Juden sollte in den Grenzen des waren. Trotz des Feiertags in Berlin zeigte dieser ihnen zum Aufenthalt angewiesenen Territoriums die Gradmesser der Stimmung eine sehr animirte und Niederlassung wie auch der zeitweilige Aufenthalt feste Haltung, aller Wahrscheinlichkeit nach in der außerhalb der Städte und Flecken verboten, den Voraussetzung, daß durch den Vorfall im Minister- Dorfgemeinden dagegen gestattet werden, die ihnen comitö wieder einige Steinchen unter den Füßen des unangenehmen Juden durch.einfache Stimmenmajo- Ministers abbröckeln und in die Tiefe fallen, rität aus ihrerMitte zu entfernen,ferner sollte den Juden Petersburg, 13. Mai. Dem „Golos" wird das Recht auf dem Lande Immobilien zu erwerben aus Balta geschrieben, daß die Ruhe daselbst noch genommen und schließlich der Handel mit spirituosen lange nicht wiederhergeftellt ist. Jeder Tag und jede Getränken außerhalb des Weichbildes der Städte Nacht wird in der langen Erwartung, jetzt könnte und Flecken uutersagt werden. Statt nun den ge-; die den Juden angedrohte Metzelei erfolgen, verbracht, raden Weg zu wählen, um diese Anträge zu einem Diese Furcht wird noch dadurch gesteigert, daß viele Gesetze zu erheben, zog Graf Jgnatjew, wie erwähnt, der Verhafteten entweder ganz freigelaffen oder gegen es vor, sein Heil mit dem Miniftercomitn zu versu- Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt werden. Die chen. Dieses, welches seit etwa zwei Jahren sich vor Gericht Gestellten werden höchstens mit andertstrenger denn zuvor in den Grenzen der ihm gewährhalbmonatlicher Gefängnißhaft bestraft; wegen Anten Gewalt hält, erklärte von vorn herein, ohne auf eignung fremden Gutes haben nur äußerst Wenige das Wesen der Sache einzugehcn, die Vorlage sei belangt werden können, da tue hierzu erforderlichen unbedingt dem Reichsrath zu übergeben und um so Zeugen meist fehlten. Die Juden waren zu der Zeit, mehr, als der Kaiser selb; den regulären Weg der wo ihr Eigenthum gestohlen wurde, entweder aus ihren Gesetzgebung angewiesen habe. Wann wäre ein! Häusern geflüchtet oder siewurden, wenn sie sich den Räu- Jgnatjew je um Auswege verlegen gewesen? Er! bern zur Wehr setzen wollten, von den Soldaten durch wußte sich auch diesmal zu helfen. Flugs wurden Kolbenstöße davon abgehaltendie Polizei dagegen zeitweilige Bestimmungen betreffs der Juden entworrieth den Juden, sich zu verbergen. Nichts nur fen, die er gerne hinausführen möchte, aber nicht Bauern und ungebildete Leute aus niederem Stande ins gelobte Land, sondern nach Turkestan — es soll betheiligten sich an dem Raube, sondern auch Leute in der That ein derartiges Projekt in seinem Portevon einiger Bildung — „halbintelligent" nennt sie feuille liegen — und dem Ministercomitö übergeben, der Korrespondent des obenerwähnten Blattes — in dessen Sitzung am vergangenen Dienstag der Entgingen in die Läden der Juden, um einen alten Hut, Wurf zur Prüfung gelangte, lieber seinen Inhalt abgetragene Stiefel, Regenschirme oder Stöcke wohlverlautet nichts. Der „Golos", dem er ebenfalls feil auf neue einzutauschen. Sieben Synagogen unbekannt war, wies nach, daß der Entwurf, eben wurden ausgcplündert. Einige Aerzte, die orthodoxe weil er im Ministercomitö geprüft wurde, nichts Geistlichkeit und noch etliche andere Gebildete suchten, enthalten könne, was den bestehenden Gesetzen widerwährend die übrige „Aristokratie" des Ortes mit spreche oder sie modificire. Die Sitzung der Mini- Schadenfreude dem Schauspiel zusah, die Juden vor ster dauerte am Dienstag bis gegen 7 Uhr Abends den Angriffen der rasenden Menge zu schützen, sie und schon nach 10 Uhr ging den Redaktionen ein wurden jedoch von der Menge beschimpft und dessen Circular der Oberpreßverwaltung zu, das jede Mitverdächtigt, daß sie sich von den Juden haben ertheilung über den Verlauf und das Resultat der kaufen lassen. Ein Jude Namens Ehaja Jdel wagte Sitzung untersagte. Ein Blatt, der„Swet", erschien sich Nachts aus einem Versteck, wo er den Tag über am Mittwoch mit einer Lücke in der Rundschau, was sich verborgen gehalten, jhervor und trat auf die wohl die Vorschrift der Oberpreßverwaltung ver- Straße hinaus, wo er sofort von einer Streifwache schuldet hatte. Das Resultat war eine Niederlage gewahrt und dafür, daß er trotz des Verbotes, kein Jgnatjew's gewesen; nichts Geringeres kündigte die Jude solle sein Haus verlassen, sich hervorgewagt, Vorschrift der Preßbehörde an. Die Minister hatten unter Kolbenschlägen zur Polizei getrieben wurde, sich in der That einmüthig gegen die Annahme des : Der Jude bat, man möchte ihn nicht schlagen, die Antrages ausgesprochen, obgleich Jgnatjew nachdrück- Soldaten ließen aber nicht ab. Es kamen auf das lichst betonte, der Kaiser wünsche die Annahme. Geschrei des Juden noch einige Jungen herbei, welche Man erzählt sogar von einem kaiserlichen Schreimit Stöcken dem Juden so arg zusetzten, daß er die ben, das er zur Unterstützung seiner Sache vorge- Besinnung verlor und am folgenden Morgen halbwiesen habe, doch bedarf das jedenfalls der Bestütitobt von der Straße aufgehoben wurde. Gegengung. Die Niederlage des Ministers durch die eigewärtig sind hier in den Läden keine Maaren zu besten Collegen übte auf die liberalen Kreise eine sehr kommen und Keiner, selbst wenn er noch die Mittel V' VS : \ J { r /

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