Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447918--18722-2474772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
511 werde. Wir sind jedoch der Ansicht, daß die Gaben viel reichlicher fließen würden, wenn das Publikum einen ausführlichen, zweckmäßig geordneten Plan vor sich sehen möchte. Auch in Süddeutschland gibt es viele Glaubensgenossen, welche gern und freudig dazu beitragen würden, das Land unsrer Väter durch aus ihrem Vaterland vertriebene russische Juden zu colonlsiren. Es wäre überhaupt wünschenswerth, daß sich ein Eentral-Verein bilde, der alle die vereinzelten Bestrebungen in sich ausnähme. Nur so könnte Ersprießliches erzielt werden. Die Angelegenheit ist von größter Bedeutung. Es handelt sich dabei nicht allein um die Rettung der aus ihrer Heimath Veririebenen, sondern auch um die Erhaltung derselben als gesetzestreue Juden. Vielleicht liegt es auch in den Plänen der göttlichen Vorsehung, der zerstreuten Lämmerheerde Israels wiederum einen Mittelpunkt zu schaffen in dem Land, welches dereinst unser Eigenthum war, in mancher Hinsicht noch ist und gewißlich einst wieder unser Eigenthum werden wird. Für den hier in Rede stehenden Zweck sind uns bereits ansehnliche Gaben zugcgangen. Wir werden uns bemühen, unter göttlichem Beistand einen allgemeinen Verein zu gründen, der die Angelegenheit tatsächlich zu fördern bereit sein wird, nvitc” niD'ü nnnia mipm ojtdem D’DBGff waeo » ibn ,p*n nie» j/zdino uthj ppn morni Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 16. Mai. Herr Rabbiner Rüben Margolis aus Jerusalem ist im Besitze eines auf Pergament geschriebenen *i"j"n, von welchem behauptet wird, daß es von Esra geschrieben sein soll. Es befindet sich dabei die .uopi nPru miDD und eine sehr sorgfältige Ausführung der D’ayüi nu’jj nmpj. Jedenfalls ist das Manuskript sehr alt, vielleicht eines der ältesten, die überhaupt existiren. Am Rande befinden sich Bemerkungen, welche dem iim ’*tn 21 zugeschrieben werden. Das Werk ist für die Bibelforschung von großer Bedeutung. Dasselbe wurde aus Marocko nach Jerusalem gebracht. Herr Margolis, welcher das Manuscript zu verkaufen wünscht, hat es dem Herausgeber dieser Blätter zugeschickt, der sich durch eigene Anschauung von dem hohen Werthe und der großen Bedeutung dieser uralten Handschrift überzeugt hat. Wir wollen hiemit Bibelforscher und Alterthumsliebhaber auf dieses wichtige Werk aufmerksam machen, und sind gern bereit, jede nähere Auskunft zu ertheilen. Zeitlofs i. Unterfranken, 11. Mai. Der Verpflanzung des Antisemitismus in unsere Gegend, welche ein in nächster Nähe hausender bekannter adeliger Agrarier sich sehr angelegen sein ließ, scheiterte an dem gesunden Sinn der christlichen Bevölkerung. Unzufrieden über die Mißerfolge bei der großen Masse, suchen die „hohen Herrschaften" nun in ihren vier Wänden ihr Müthchen an den Juden zu kühlen. Im hiesigen v. Thüngen'schen Schloßgarten prangt seit Kurzem die für die Geistesbildung der Besitzerin Frau Reinhard v. Thüngen sehr bezeichnende Warnungstafel: „Hunden, Juden und Jüdinnen ist der Eintritt in den Schloßgarten bei 1 M. Strafe verboten." Durch eine aus Offenbach zu Besuch hier " weilende jüdische Dame, welche sich den Schloßgarten ansah und deßhalb mit 1M. bestraft wurde, erhielten die hiesigen Einwohner erst Kenntniß von diesem charakeristischen Verbote, da diese das Besitzthum der ob ihrer Ungastlichkeit — selbst nächsten Anverwandten gegenüber — berühmten Freifrau meiden. Berlin, 3. Mai. Wie das „Berl. Tagebl." erfährt, hat sich vor Kurzem eine hiesige jüdische junge Dame, Fräulein P., mit einem Gesuche wegen Errichtung eines Kindergartens in unserm Nachbarorte Steglitz an die kompetente Behörde gewendet und daraiff den Bescheid erhalten, es könne ihr nur die Erlanbniß zur Begründung eines solchen Instituts für jüdische Kinder ertheilt werden. Frankfurt a. M., 18. Mai. Es ist merkwürdig, wie alle paar Jahre die unsinnige Schlachtmethode der Bouterole neu aufgewirbelt wird. Schon im Januar 1876 hat Einsender dieses in diesen Blättern Seite 110 ausführlich dargethan, wie hier die Bouterole ein glänzendes Fiasco gemacht hat S. Königs Höf er. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Die von dem Krakauer Eorrespondenten der „N. Fr. Pr." signalisirte Denkschrift des Generals Drentelen an den Minister des Innern, Jgnatiew, in Betreff der Juden in Südrußland enthält drei Anträge, welche wörtlich lauten: „1. Es ist nicht gestattet den Gutsbesitzern und Landleuten, ihre Güter und Colonien an Juden und Polen weder in Pacht noch in Verwaltung zu überlassen. 2. Alle bis zum Erlasse dieser Verordnungen geschlossenen Verträge, kraft welcher Juden oder Polen Rechte aus Pachtungen oder Verwaltungen erworben haben, sind ungiltig. 3. Die Dagegenhandelnden verlieren das Recht, aus Grund solcher ungiltiger Verträge und Transactionen aus welchem Titel immer Klagen zu führen; außerdem unterliegen solche Verträge einer verzehnfachten Stempeltaxe."