Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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510 „Die Gesinnungen der Juden in Oester- „reich-Ungarn und ihre aufrichtige „Ergebenheit sind mir längst genau be- „kannt, und Meine Regierung wird es 1 „niemals zulassen, daß Unsere jüdischen! „Staatsangehörigen in irgend einer i „Weise gekränkt und zurückgesetzt weri „den möchten." Die Güte des Herrschers und seine hohe Einsicht halten sich in diesen wenigen Worten die Wage. „Die Gesinnungen der Juden und ihre aufrichtige treue Ergebenheit" sind dem Kaiser-König längst genau bekannt, es hängt also nicht von der Laune und Neigung, von der Einsicht eines Ministers ab, wie er über die Juden denkt und seinem kaiserl. Herrn referirt, sondern Se. kais. königl. Majestät ist so recht sein eigentlicher Minister desJnnern, die Gesinnungen und die treue Ergebenheit seiner loyalen Staatsangehörigen überhaupt und auch der jüdischen sind ihm l ä n g st genau bekannt. — Es bedarf bei hereinbrechenden Krisen nicht erst der tiesergebensten Vorstellungen, nicht erst der in der Zeit der Bewegung um so weniger zu klarer Erkenntniß führenden Unterbreitunqen, — nicht das Geschrei des niederen, aber manchmal auch des höheren Pöbels kann die Ueberzeugung erschüttern, die der Kaiser sich durch längst gewonnene genaue Kenntniß begründet. Als eine Consequenz dieser hohen Erkenntniß folgt der Nachsatz, daß seine Regierung es gewiß niemals zulassen wird, daß die jüdischen Staatsangehörigen in irgend einer Weise gekränkt und zurückgesetzt werden möchten. Daß Seine Majestät längst die genaue Kenntniß der Loyalität der Gesinnungen seiner jüdischen Staatsangehörigen hat, ist das schönste, ehrendste Zeugniß dieser seiner treuen, ergebensten Unterthanen und auch ihr herrlichster Lohn. Daß aber dieser Erkenntniß in so spontaner Weise in diese r traurigen Zeit allergnädigst Ausdruck gegeben wurde, ist eine hochedle kais. Wohlthat an alle Juden der Welt, ist eine ermunternde, ehrende Aneiferung aller der Edlen und Guten, die ihre Sympathie, ihren Beistand in Wort und That der guten Sache, den unrechtmäßig Unterdrückten und Verkannten liehen. Die Weltgeschichte zählt nunmehr einen Zeugen, einen der erhabensten ttn Kreise der menschlichen Gesellschaft, mehr für die Loyalität jüdischer Bürger. Von der Höhe des öst.- ung. Thrones ist es laut verkündet worden, daß nur schnöde Unkenntniß, Haß und Wahn ihre Beschuldigungen gegen die Juden erheben; daß es Pflicht der Regierung sei, die jüdischen Staatsangehörigen in keiner Weise kränken und zurücksetzen zu lassen. Der am längsten regierende Fürst unter den jetzigen Monarchen von Europa, der so reicherfahrene Herrscher, der über verschiedene Nationen und Völkerstämme regiert, hat dies mit seiner kaiserl. Autorität besiegelt. Dreifach gesegnet sei der gütige Herrscher, der Solches gethan. Salomon Kutna, Bez.-Rabbiner in Eisenstadt. (Gott segne den edlen Monarchen auf dem erhabenen Kaiserthrone! — Auch dem ehrwürdigen Herrn Ignatz Deutsch möge es bis in's höchste Greifenalter vergönnt sein, stets und immer für das Wohl seiner Glaubensgenossen so erfolgreich zu wirken! - Red.) Die neusten Judenverfolgungen. IV. Mainz, den 18. Mai. Viele unsrer verfolgten Glaubensgenossen in Rußland haben bereits die Heimath verlassen, nm entweder auf eigene Kosten oder mit Hilfe der nichtrussischen Glaubensgenossen in verschiedenen Ländern ein Asyl zu suchen. Eine große Anzahl der Vertriebenen ist nach Amerika ausgewandert. In neuster Zeit ist auch das Land unsrer Väter als Zufluchtsort für jene Unglücklichen in Aussicht genommen worden. Wir haben bereits vor einiger Zeit von einem Cowitö berichtet, das sich in Jaffa, dem Seehafen des heiligen Landes, gebildet hat. Heute gehen uns Nachrichten von Bestrebungen ähnlicher Art zu. In Wien hat sich unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner Salomon Spitzer ein Verein unter dem Flamen „A h awath - Z io n" constituirt, der den Zweck hat, den aus Rußland Vertriebenen die Möglichkeit zu gewähren, Ackerbaucolonien in Palästina zu gründen. Ein ähnlicher Verein ist in Kattowitz in Schlesien unter dem Vorsitze des Herrn M. Moses in's Leben getreten. Derselbe nennt sich „Bene Berith" (Söhne des Bundes) und hat ebenfalls den Zweck, für die verfolgten Glaubensgenossen Ackerbaucolonien in Palästina zu gründen. Auch in Ungarn trägt man sich mit ähnlichen Plänen und hat bereits Geld dazu gesammelt. Die Vereine zu- Wien und zu Kattowitz waren so freundlich, uns ihre Statuten zuzusenden. Dieselben handeln von der Beitragspflicht, der Mitgliedschaft, vom Wahlrecht, von der Verwaltung des Vereinsvermögens und von andern derartigen Dingen. Dagegen vermissen wir darin Auskunft über die Art und Weise, wie die Zwecke der genannten Vereine realisirt werden sollen. Die Herren denken mit Recht, daß es vor allen Dingen nothwendig ist, Geld herbeizuschaffen und daß alles Uebrige sich dann finden