Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXIII. Jahrgang Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von Wr. Lehmann in Mainz. Dienstag, den 23. Mai 3642 (1882). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzzährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Kaiser Franz Joseph über die Juden. — Die neusten Judenverfolgungen. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Zeitlofs in Unterfr. Berlin. Frankfurt a. M. — Oesterr. - fing. Monarchie: 2mal Wien. Aus Elbekosteley. Prag. — Italien: Rom. — England: London. Liverpool. — Rußland: 2mal Petersburg. — Arabien. — Feuilleton: Fürst und Jude. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oest.-Ung. Monarchie: 3mal Wien. Lemberg. 2mal Brvdy. Krakau. — Rumänien: Jassy. — Rußland: Petersburg. — Feuilleton: Löb Munitr. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie: 2mal Wien. Lemberg. 2mal Brody. Krakau. — Rußland. — Feuilleton: Bayerische Landes - Industrie-, Gewerbe- und Kunst- Ausstellung in Nürnberg. Leitende Artikel. Kaiser Isranz Joseph über die Juden. Wien, im Mai. Bereits in der H. Beilage zu Nr. 17 haben Sie die Notiz gebracht, daß die Initiative zur Unterdrückung der antisemitischen Bewegung in Wien von Seiner Majestät dem Kaiser ausgegangen sei. Gestatten Sie mir, die Genesis dieser Thatsache genau darzustellen. — Durch das Zusammentreffen von verschiedenen Umständen, über welche mich näher auszulassen mir die Discretion verbietet, bin ich in der angenehmen Lage, den Sachverhalt genau zu wissen und den kais. Ausspruch wörtlich wiedergeben zu können. Ich fühle mich umsomehr gedrungen dazu, weil es nicht nur tröstend und wohlthuend? für alle jüdischenHerzen, erfreulich und erhebend für ' alle humanen und rechtliebenden Menschen ist, einen! mächtigen Vertreter des Rechtes und der Gerechtigj keit auf einem der erhabensten Throne der Welt! segensreich wirkend zu erblicken, sondern weil ich es auch für eine heilige Pflicht erachte, diese goldenen j Worte, die die kaiserliche Gesinnung wiedergcben, in ihrer ganzen Bedeutung und Wichtigkeit zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, um daß in erster Reihe die israelitischen Bürger Oesterreich-Ungarns, aber : auch sämmtliche Freunde des Rechtes und der Men- \ schenliebe dem hohen, einsichtsvollen Herrscher, dem! mächtigen Hort der Unterdrückten in huldigender Er- , gebenheit ihre Dankbarkeit zollen. Der k. k. Hof-! Wechsler, Herr Ignatz Deutsch, der seit 4 Jahrj zehnten sich der allerhöchsten Gnade erfreut, Gnaden-! gesuche für bedrängte, unglückliche Glaubensgenossen bei Sr. k. k. Majestät einreichen zu dürfen, hatte selbstverständlich bei der traurigen sozialen Bewegung der letzten Zeit dieses Liebeswerk um so öfter zu üben und die kais. Gnade und Huld anzurufen. Als die antisemitische Bewegung selbst bis Wien, bis an die Reichs- und Residenzstadt des erhabenen Monarchen drang, fand er sich veranlaßt, ein ergebenstes Majestätsgesuch einzureichen, in welchem er mit einfachen Worten die Verwerflichkeit und die allgemeine Gefährlichkeit dieser, das Jahrhundert schändenden Bewegung mit besonderer Beziehung auf Oesterreich-Ungarn in hochverehrender Ergebenheit schilderte. Se. Majestät der Kaiser ließ nun dem Bittsteller nachstehende allerhöchste Aenßerung bekannt geben: