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Der Israelit · 1882-05-17 · Heft 20 (17.5.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 20 (17.5.1882)
Date
1882-05-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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492 bitten sollte. Dagegen erbot sich der Gothenkönig, eine große Summe in den Schatz des Kaisers zu liefern und ihm die Insel Sicilien zu überlassen. Justinian gewährte die Bitte nicht und wies die Gesandtschaft zurück. Nunmehr faßte Totila einen ver- Meifelten Entschluß. Er trug den Krieg in das Reich Justinian's. Eine Flotte und ein Heer schickte er nach Dalmatien. Totila und seine Feldherren errangen Sieg auf Sieg. Der Gothenherzog Guntharis gewann eine große Seeschlacht und vernichtete die griechische Flotte gänzlich. Totila schlug die griechischen Feldherren; er zog quer durch Thessalien gegen Macedonien. Die Straße von Constantinopel stand ihm offen. Schrecken und Angst erfaßten Justinian und das ganze oströmische Reich. Keine Flotte und kein Kriegs- Heer waren mehr da, um die Barbaren zurückzuhalten. Narses, der große Nebenbuhler des geblendeten Belisar, führte im fernen Osten mit den Persern Krieg. Da bot Totila nochmals den Frieden an. Er verlangte nur Italien und erklärte sich bereit, alle andern von ihm gemachten Eroberungen, sogar die Inseln Corsica und Sardinien, wieder herauszugeben. Begierig ergriff Justinian die ihm dargebotene Gelegenheit; sofort schloß er einen Waffenstillstand, um unter den von den Gothen gestellten Bedingungen den Frieden herbeizusühren. Das war nur ein Kunstgriff, um Totila zu täuschen, und Totila ließ sich täuschen. Nachdem ein Waffenstillstand für die Dauer von sechs Monaten abgeschlossen war, kehrte der König mit Flotte und Heer nach Rom zurück und ließ in den eroberten Städten nur kleine Besatzungen zurück. Eilig rief Justinian den Feldherrn Narses zurück, uni sofort den Waffenstillstand zu brechen. Auf der Höhe von Senigallia, nahe bei Ancona, lag die gothische Flotte, im Schutze des Waffenstillstandes, nichts Böses ahnend. Sie wurde von der griechischen Flotte überfallen und vernichtet. Und Narses landete mit einem furchtbaren Heere, welches zum größten Theile aus germanischen Söldnern, namentlich Langobarden, bestand, in Oberitalien. „Italien," sagte Narses, „gleicht einem Stiefel. Da muß man von oben hinunterfahren und nicht von unten herauf, wie Belisar es gethan." Und er fuhr von oben hinunter, die Gothen mußten zurückweichen. Bei Taginä hatte Totila sein Heer gesammelt. Es kam zu einer furchtbaren Schlacht. König Totila starb den Heldentod auf dem Schlachtfelde. Die Gothen mußten zurückweichen. Nicht einmal die Leiche ihres Königs konnten sie retten. Die Gothen wählten sofort einen neuen König, den Grasen Teja. Dieser führte den Rest seiner Schaaren nach dem Berge Vesuvius. Dort hatten die gothischen Männer beschlossen, kämpfend zu sterben, während die gothischen Frauen sich bereit erklärten, sich, nachdem die Männer gefallen, mit ihren Kindern in den offenen Krater'des feuerspeienden Berges zu stürzen. Auch König Teja siel. Gerührt von so viel Heldenmuth bot Narses den Ueberlebenden freien Abzug an. Das Reich der Ostgothen war zu Ende. Der Ueberrest derselben verlor sich unter anderen germanischen Stämmen. Biele zogen nach Schweden, wo der Name der Provinz Götaland noch heute an die Gothen erinnert. Joseph und Miriam hatten sich wiederum in Neapel niedergelassen Nach Beendigung des Krieges erbat sich Joseph von dem griechischen Feldherrn die Erlaubniß, die Leiche Totila'Z zu bestatten, eine Bitte, die Narses gern gewährte. Italien wurde nun wieder mit dem oströmischen Reiche vereint. Narses wurde vom Kaiser zum Exarchen ernannt. Aber nicht lange erfreute sich Justinian des Besitzes; schon vorher krank und schwächlich, starb er bald nach der Eroberung des Landes Narses führte in Italien wiederum das Steuersystem ein, unter welchem die übrigen Völker des Reiches seufzten. Er selbst suchte sich soviel als möglich zu bereichern; davon nahmen seine Feinde und Neider Anlaß, ihn bei dein Nachfolger Justinian's, dem Kaiser Justinus, zu verdächtigen. Narses, das Schicksal Belisars befürchtend, rief die Langobarden in's Land. Diese, denen während des Goth'enkrieges das schöne Land nur Zu sehr gefallen hatte, folgten gern deni Rufe. Nun bereute Narses seine rasche That und traf Anstalten zum Widerstande; aber sein Tod befreite die Langobarden von einem mächtigen und gefährlichen Gegner und erleichterte ihnen die Besitznahme des Landes, dessen eine Provinz noch heute nach diesen Eroberern den Namen Lombardei führt. Nur Ravenna, Venedig und ganz Unteritalien verblieben noch eine Zeit lang unter der Herrschaft der Griechen. Joseph und Miriam wurden durch alle diese Kämpfe nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Sie erreichten ein hohes und glückliches Alter und erzählten noch ihren Urenkeln von dem Heldenkönig Totila, dem sie ihr Glück und die Rettung ihres Lebens verdankten. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redactton: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .ZSraelir" gr,he Bleiche 45. Z. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anreiaer).

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