Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1882)
- Date
- 1882-05-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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491 zeichnung derselben auf. Diese erklärten, daß sie die Interpellation mit Sympathie begrüßen, daß im Polenklub eine ähnliche Manifestation angeregt, aber mit der Motivirung abgelehnt wurde, daß s. Z wegen der Fortschleppung der Polen nach Sibirien eine Interpellation nicht eingebracht werden konnte. Lemberg, 12. Mai. Da die Gesammtzahl der Flüchtigen aus Rußland auf österreichischen Boden heute etwa zwölftaufend beträgt, wovon elftausend sich in Brody befinden, die Uebrigen zerstreut sind, muß das ComiW einen beträchtlichen Th eil des Emigrationsfonds zu Ernährungszwecken opfern. Die Lage ist höchst prekär, und ungeheure Mittel sind notwendig. Bestimmungsorte für die Auswanderer, und zwar für Handwerker sind vornehmlich Philadelphia, Pittsburg, Baltimore, für die Tabak-Industrie Richmond und Chicago, während Ackerbauer größtenteils nach Canada. hauptsächlich nach Winnipeg gehen und auch eine Minorität nach den Vereinigten Staaten, insbesondere nach Oregon. Krakau, 10. Mai. Ein Bericht der Reforma meldet: Vorgestern, Abends, hat sich in Warschau eine große Anzahl beschäftungsloser Arbeiter vor dem Schlosse versammelt. Von der Polizei zum Auseinandergehen aufgefordert, schrien sie, daß man die Deutschen aus Warschau vertreiben soll, weil sie aus allen Werkstätten die Arbeiter verdrängen. Die Arbeiter zogen hierauf in den von Juden bewohnten Bezirk Nalewka und riefen unter den jüdischen Bewohnern Schrecken hervor. Es erschien Militär, und seitdem pratroullirt ununterbrochen Cavallerie in den Straßen Warschaus. Rußland. Petersburg, 10. Mai. Die gemeldete Verfügung seitens des dirigirenden Senats, betr. die jüdischen Apothekenbesitzer wird allgemein aufgefaßt als eine Demonstation gegen die Verordnung des Ministers des Innern. Die Entscheidung der Klage kann drei Jahre lang hingezogen werden. Indessen können die Besitzer ruhig ihre Angelegenheiten regeln. Im günstigsten Falle wird die Ausführung des rigorosen Gesetzes rückgängig gemacht werden. Feuilleton. 'Farthenope. XX. Wir hätten eigentlich mit dem vorigen Kapitel unire Erzählung beschließen können; denn unsre Leser werden sich wohl denken, daß Joseph und Miriam nach ihrer glücklichen Wiedervereinigung in Freude und Frohsinn das Fest ihrer Vermählung feierten. Da wir jedoch vermuthen, daß so Mancher und namentlich so Manche gern wissen möchten, wie es den anderen Personen weiter erging, die an den hier erzählten Begebenheiten Anteil genommen, so fühlen wir uns veranlaßt, den Wissensdurst derselben zu befriedigen. Lucius Licinius wurde des Hochverrats und des Mädchenraubes angeklagt; für das erste Verbrechen kam ihm die Amnestie zu Gute, die König Totila erlassen hatte. Des zweiten Verbrechens aber wurde er schuldig befunden. Er wurde auf dem Marktplatze zu Rom enthauptet. Als Belisar, nachdem er so plötzlich abberufen war, nach Konstantinopel zurückkehrte, trafen ihn schlimme Nachrichten. Die Kaiserin Theodora, die Freundin der Gemahlin Belisars, Antonina, war gestorben. Sie war in der Blüthe ihrer Jahre und auf der Höhe ihrer Schönheit hinweggerafft worden. Gleichzeitige Schriftsteller behaupten, daß sie, nachdem Justinian von ihrer fortgesetzten Untreue erfahren, ihrem Leben durch Gift ein Ende gemacht habe. Die Sophienkirche in Konstantinopel, eines der prachtvollsten Baudenkmäler der Welt, ist auf ihre Anregung hin erbauet worden. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken wurde diese Kirche in eine Moschee verwandelt. Länger als dreizehnhundert Jahre war dieses wundervolle Bauwerk der Stolz und der Ruhm der schönen Stadt am Bosporus; jetzt ist es baufällig geworden und geht unaufhaltsam seinem Verfalle entgegen. Für Belisar sollte der Tod Theodora's verhängnißvoll werden. Er wurde des Hochverrats angeklagt, und die Kaiserin, die Freundin seiner Gemahlin, war nicht mehr da, um das drohende Unheil von seinem Haupte abzuwenden. Er wurde zum Tode verurtheilt; aber eingedenk der großen Verdienste des großen Feldherrn und zugleich aus angeborener Mildeund Gnade (!), verwandelte Justinian die Todesstrafe in Blendung und Verbannung. Das große Vermögen Belisar's wurde confiscirt. Arm und blind mußte der Besieger und Zerstörer mächtiger Königreiche in die Verbannung ziehen. König Totila wurde immer mehr vom Glücke begünstigt. Ganz Italien, mit Ausnahme von Ravenna, war von ihm zurückerobert worden. Aber es war gefährlich, die Griechen in diesem festesten Punkte zu belassen, und ohne Erdbeben und zündende Blitze war diese Festung nicht zu erobern. Da schickte Totila eine Gesandtschaft nach Constantinopel, die um den Frieden und die friedliche Herausgabe von Ravenna