Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1882)
- Date
- 1882-04-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Vorstand die amtliche Jnstallirung unseres verehrten Herrn Rabbiners in feierlichster Weise statt. Der Empfang war ein ehrenvoller. Von der nächsten Bahnstation durch ein Festcomit6 und Deputationen hiesiger Vereine abgeholt, wurde der Herr Rabbiner in der reich dekorirten Synagoge, deren Räume von Gästen bereits angefüllt waren, durch die älteren Gemeindemitglieder begrüßt. Unter Musikbegleitung trug darauf unsere Schuljugend das u--o -o Lied vor linD es erfolgte der Akt der Jnstallirung durch das Vorstandsmitglied Herrn Salomon Goltmann. Dann bestieg während des Absingens eines Lobliedes her Herr Rabbiner die Kanzel und hielt eine treffliche Rede über Gemeindedienst gleich Gottesdienst, indem er ausführte, daß wie dieser nur in der Doppelempfindung von Furcht und Freude versehen werden — my-G njnG '-i nx nsy — mjn xnn d» n1?'} Dip^3 so auch jener nur in diesem Doppelgefühl geschehen könne und daß nur im Zusammenwirken von Rabbiner und Gemeinde das „Haus der Heiligkeit" auf hohem Berge gebaut werden mag. (Die eigentliche Antrittspredigt, ca. 1 Stunde während, in der der Herr Rabbiner sein Programm entwickelte, fand am folgenden Schabbos -o: nns über die beiden ersten Verse des Wochenabschnittes nirrn nrw statt.) Mit einem weiteren Gesänge und Gebete schloß die Feier in der Synagoge. Abends fand ein Festdiner statt, das in angenehmer Unterhaltung und mit schönen Toasten gewürzt bis gegen Mitternacht währte. So hätte denn unsere Gemeinde zu unserer Freude wieder einen echten und tüchtigen Rabbiner. Derselbe entfaltet bereits in seinem neuen Wirkungskreise seine Thatkraft mit Energie. Außer seiner Wirkung durch die Kanzelreden, die für ebenso ausgezeichnet in Form mit* Inhalt als für anerkannt werden, hat er bereits Schritte gethan behufs Constituirung einer Privatreligionsschule, an der er. selber als Dirigent thätig Mitwirken soll. Wir dürfen hoffen, daß es unserem hochverehrten Herrn Rabbiner gelingen wird, das begonnene Werk zu vollführen, die Schule auf der Höhe des echten Judenthums und der Höhe der Zeit zu erhalten und daß so sein ferneres Wirken zu segensreicher Entwickelung der religiösen Interessen gedeihen wird. M. F- £ esterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 16. April. In einer heute stattgehabten, von etwa 1000 Personen besuchten Volksversammlung, in welcher über die Stellung der Arbeiter zu der Antisemitenbewegung Beschluß gefaßt werden sollte, wurde mit allen gegen 17 Stimmen eine Re solution angenommen des Inhaltes, daß die Ver sammlung mit der Antisemitenbewegung nichts gemein habe. Rußland. Aus Petersburg, 13. April. Es wird gemeldet, die Juden-Commission, obschon antisemitisch gesinnt, verwerfe doch Jgnatiew's Maßregeln gegen die jüdischen Apotheker und Kaufleute. Petersburg, 14. April. Dem „Regierungsboten" zufolge meldet der Gouverneur von Podolien, daß er sich sofort nach dem Erhalte der Nachricht von den in Balta ausgebrochenen Judenexcessen persönlich dahin begeben habe, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Unruhen dauerten am 11. d. bis 10 Uhr Abends, um welche Stunde sodann Militär die Ordnung herstellte. Ungeachtet der aufgestellten Wachtposten erneuerten sich Nachts die Unruhen, welche am 12. nach dein Eintreffen von Truppen unterdrückt wurden. Die Excesse wurden von den dortigen Stadtbewohnern und den benachbarten Bauern begangen. Der Staatsanwalt ist zur Beaufsichtigung der ganzen Untersuchung in Balta eingetroffen. Am 13. herrschte dort Ruhe. Am 12. April' um 5 Uhr Abends überfielen die Einwohner des Ortes Letitschewo die dortigen Juden und deren Häuser. Die Ruhe wurde durch das Militär hergestellt, ohne daß dieses von den Waffen Gebrauch gemacht hat. Die Schuldigen wurden verhaftet. Libau (Kurland). Auch einmal etwas Erfreuliches aus Rußland! Unter diesem Gesichtspunkte dürfte die folgende Mittheilung für weitere Kreise Interesse haben. Wenn der alte Haß und das als erstorben gedachte Vorurtheil über Israel ihre Orgien feiern, so glänzt das freundliche Entgegenkommen in um so helleren Lichte und bezeugt, daß Gottlob noch nicht überall und noch nicht in allen Kreisen der Geist der Finsterniß zur Herrschaft gelangt ist. — Unser hochverehrter Rabbiner Dr. Klein, dessen Gelehrsamkeit und seltene Rednergabe nicht nur im Kreise der hiesigen jüdischen Gemeinde begeisterte Anerkennung gefunden, sondern auch außerhalb derselben gebührend geschätzt worden, hat kürzlich einer Aufforderung, welche von Seiten des hies. Gewerbevereins an ihn erging, Folge geleistet und einen Vortrag über das Verhältniß der Naturwissenschaften zur Religion vor einem sehr zahlreichen Publikum gehalten. Er erzielte einen Erfolg, wie ein solcher nur selten einem Redner zu Theil wird. Das Auditorium ward von der Begeisterung des