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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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410 Unbegrenzt war daher auch die Liebe und Verehrung, die er in seiner Gemeinde genossen und Nichts geschah in allen Angelegenheiten derselben in Bezug auf religiöse und gottesdienstliche Zwecke ohne seinen Nath und seine Zustimmung. Noch jüngst ist unter seiner wesentlichen Mitwirkung für Erlangung der Corporations-Rechte, die der kleinen Gemeinde bisher noch immer mangelten, bei der Kgl. Negierung das Nöthige gethan und die Berufung eines zeitgemäß gebildeten Lehrers für den Religionsunterricht der Jugend beschlossen worden. Fern jeder renommirenden Art in seiner seltenen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, übte er viel -ion im Stillen, sein Haus war eine stets offene freundliche Zufluchtsstätte für Arme und Hülfsbedürftige, so daß keiner ungetröstet und unerquickt von ihm ging. Er nahm sich besonders der oft nur gering besoldeten Lehrer der Gemeinde mit wärmsten! Interesse an, denen er sich als ein besonderer Beschützer gegen jede Unbill und als ein stets opferbereiter Freund und Fürsorger erwies. Und wie groß war erst seine väterliche Liebe und Fürsorge, die er für seine zahlreiche Kindernnd Enkelschaar in seinem Herzen trug! Wie ein würdiger Familien-Patriarch lebte und wirkte er im Kreise der Seinen ein treuer Führer und Berather, ein leuchtendes Vorbild in allem Guten und Edlen. Um die Heranwachsenden Kinder seines ältesten Sohnes, eines wackern Geschäftsmannes, der in der Nähe auf dem Lande wohnt, nicht ohne religiösen Unterricht aufwachsen zu lassen, scheuete er den weiten Weg nicht, oft dahin zu wandern und seine geliebten Enkel im Jüdischen zu unterrichten. Vor wenigen Wochen noch erlebte er die hohe Freude — wie es sein letzter sehnlicher Wunsch war — seine älteste Enkelin glücklich verehelicht zu sehen und das Hochzeitsfest durch seine Gegenwart zu verschönern. So lebte und wirkte er fromm und bescheiden, tugend- und segensreich, bis er am Vorabend desselben Tages, an welchem vor 30 Jahren seine gleich fromme und würdige Gattin ihm in den Tod vorangegangen war, am Freitag den 9. d. Mts., um die Mittagsstunde sanft entschlief. Von der großen Liebe und Hochachtung, die er in weitesten Kreisen wegen seiner hohen Tugenden und seines biedern, unbestechlichen Charakters genossen, gab sein Leichenbegängniß am darauffolgenden Sonntage, den 11. d. Mts., beredtes Zeugniß. Wohl selten sah man in dem kleinen Oertchen ein so großes und auserlesenes Gefolge, wie das, welches ihm zu seiner letzten Ruhestätte das Geleite gab. Außer den zahlreich erschienenen Seinen, Freunden und Glaubensgenossen aus Nah und Fern bemerkte man die Spitzen der städtischen Beamten- und Bürgerschaft, den Bürgermeister, die Stadtlehrer und eine große Zahl der Bevölkerung im Gefolge. Aus Aller Mienen sprach der tiefste Ernst und die größte Theilnahme über den Verlust eines solchen Biedermannes und bei der Grabrede, die Schr. d. inmitten dieser zahlreichen Versammlung hielt, um die Tugenden und Verdienste des Dahingeschiedenen eingehend zu würdigen und die Größe des Verlustes für alle Kreise seines frommen Wirkens theilnahmvoll zu schildern, flössen zahlreiche Thränen der Rührung und der Liebe auf das Grab eines so ehrwürdigen Greises, bei dem wir mit Recht klagen mußten; pronttfo «oi jhdni yj 'ran! Möge sein Geist und sein frommes Andenken lebendig im Kreise der Seinen und in seiner Gemeinde fortwirken und auf lange Zeit unvergeßlich bleiben in würdiger Nacheifrung in all dem Guten und Frommen, worin er uns vorangeleuchtet hat zum Heil und Segen to> a;nnx nnb! — n'Ys'j'n. Tchrimm (Provinz Posen), im April. Trotzdem unsere Gemeinde seit dem vor ungefähr fünf Jahren erfolgte Ableben unseres unvergeßlichen Rabbiners Naphthali Caro r>"r in dem richtigen Bewußtsein, daß sie ohne einheitliche Leitung der religiösen Angelegenheiten Seitens eines Rabbiners tagtäglich Rückschritte machen muß, sofort sich zu dein Entschlüsse, einen Nachfolger zu creiren, ermannt hatte, gelang es ihr erst jetzt, diesen Entschluß zu realisiren. Es waren zwarii nachdem nach Ausschreibung der Vacanz Vorstand und Repräsentanz sich über die zu berufenden Candidaten geeinigt hatten, solche berufen und sogar gewählt worden. Doch die Wahl wurde aus verschiedenen Gründen für ungiltig erklärt. So waren alle Bemühungen resnltatlos und wiederum wollte inan die Rabbinervakanz ausschreiben, als unser Vorstand mit dem ihm von mehreren Seiten empfohlenen Herrn Di-. Jakobson aus Hainburg, einem Schüler des unvergeßlichen Rabbiners S. B. Bamberger zu Würzburg, der Preßburger row des hochberühmten ersten Rabbinatsassessors zu Preßburg Nathan Wolf Liber und Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer zu Berlin, Unterhandlungen anknüpfte und ihn zur Probepredigt berief. Diese erweckte in der Gemeinde für Herrn Dr. Jakobson allgemeine Begeisterung, so daß derselbe trotz der heutzutage in jedem Orte vorhandenen in jeder Beziehung verschiedenen Richtungen bei einer allgemeinen Betheiligung an der Wahl fast einstimmig gewählt wurde. Dieses Faktum gereicht dem Gewählten und der Gemeinde zur Ehre und gibt ein lautes Zeugniß ab über den Beifall und die Würdigung, welche der Probepredigt, der Richtung und dem edlen Charakter des Herrn Dr. Jakobson zu Theil wurden. Dienstag den 28. Februar er. fand durch den

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