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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. ErsteLeilage ju Ur. 17 dcsZsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 20. März. Gestern Abend hielt der durch seine' populär-wissenschaftlichen Vorträge rühmlichst bekannte Herr Schuldirektor Ludwig Stern in der Gesellschaft „Treubund" vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen sehr interessanten Bortrag über „die Vorgänge in Rußland und deren Bedeutung für die Entwicklung des Judenthums." Auch Nichtmitgliedern war der Zutritt gegen ein Entree von 50 Pfennigen gestattet; hiervon wurde ein solch' ausgedehnter Gebrauch gemacht, daß eine Einnahme von Mk. 150 erzielt wurde, welche dem „Comite für die Förderung der Auswanderung russischer Glaubensgenossen" übermittelt wurde. Wir unterlassen es, auf den sehr gelungenen Vortrag einzugehen, da derselbe demnächst von genannter Gesellschaft veröffentlicht wird. Mühlhausen in Ostpreußen. Jemehr die Zahl jener r::11 ’r«, jener „Gebern des Libanons," jener starken und festen Stützen des Glaubens, die noch als ehrwürdige Stämme aus dem früher» geistig-regen und religiös-durchdrungenen Geschlechte in unsere heutige Zeit hineinragen, sich lichtet, um so mehr scheint es uns Pflicht, den Hintritt und Verlust solcher ehrwürdigen, frommen Männer öffentlich in diesem Blatte bekannt.zu geben und — zu beklagen. Einer jener seltenen, ausgezeichneten Männer, die wir noch zu den Bessern und Edlern unserer frommen Alten zählen, ist wiederum dahingegangen — p«n bj rna. Herr Ascher Neuweck, io« ’m, <?ns» n";D3 der einstige Mitbegründer, langjährige Leiter und erste Vorsteher der kleinen, aber frommen Gemeinde zu Mühlhausen in Ostpreußen ist am dt ■'iw o"*, P"»y 'i im fast vollendeten 82. Jahre seines musterhaften Lebens nach kurzem Leiden sanft und friedlich entschlummert. Der tiefen Trauer, die in der ganzen Gemeinde, ja in der ganzen Gegend, allgemein über den Hintritt dieses edlen frommen Greises gefühlt würde und dem großen Schmerze seiner zahlreichen Hinterbliebenen über den herben Verlust ihres allgeliebten und hochverehrten Familienhauptes gab der aus der benachbarten Gemeinde Wormditt zur Abhaltung der Trauerrede berufene Cultusbeamte — Schreiber dieses — einen ebenso vollberechtigten, als tiefempfundenen Ausdruck mit dem talmudischcn Klagerufe: ti, „Wehe, daß wir sterben müssen!" Wehe, daß wir sterben müssen! Denn doppelt unersetzlich ist der Verlust solcher Edeln und Frommen in unserer an wahren Eharakter- und Geistesgrößen immer ärmer werdenden Zeit. Um nur ganz kurz und flüchtig die vielen, hoben Tugenden und unvergeßlichen Verdienste dieses Dahingeschiedenen zu skizziren, seien nur folgende wenige Züge seines so würdig vollbrachten und beschlossenen Lebens hervorgehoben. Aus der altberühmten, frommen Gemeinde zu Flatau in Westpreußen stammend, mit einem in unserer Zeit seltenen Maße jüdischen Wissens ausgerüstet, fand der selige Ascher Neuweck noch in ganz jugendlichem Alter eine zweite Heimath und einen ersprießlichen, segensreichen Wirkungskreis in dem kleinen ostpreußischen Städtchen Mühlhausen, woselbst es ihm gelang, nach den strengsten rechtlichen Grundsätzen lebend und überall im Großen wie im Kleinen, einen stets edeldenkenden, unbestechlichen, biedern Eharakter bethätigend, durch seine kaufmännischen Geschäfte ein hochgeachtetes Haus zu gründen und in einer Zeit da noch das religiöse Leben und Gemeinwesen hier wüst und brach lag, jüdisches Leben und Wirken anzuregen, zu beleben und einzuführen. In Allem mit gutem Beispiel vorangehend, war er es hauptsächlich, der die wenigen Glaubensgenossen des Ortes zu einer Gemeinde in echt jüdischem Sinne vereinigte und trotz der geringen Zahl und Kräfte ihrer Mitglieder die größten Opfer brachte, um eine Synagoge einzurichten, einen Lehrer anzustellen und in jeder Weise für die 'religiösen Bedürfnisse der Gemeinde zu sorgen. Dabei verbrachte er alle seine freien Stunden mit der edeln Beschäftigung im Thora-Studium und in rpsn bis zu seinen hohen Alterstagen. Fast 00 Jahre lang lebte er dergestalt als eine Zierde und Stütze der jüdischen Gemeinde seines Wohnorts und war auch, soweit erinnerlich, diese ganze lange Zeit hindurch der erste Vorsteher und Leiter derselben. Er verrichtete selbst, so oft es seiner hierzu benöthigte, die synogalen Funktionen als nPsn pya und ypm pya zumal während der hohen Festtage beim Gottesdienste der Gemeinde und selbst noch in seinem letzten Lebensjahre — während der letztverflossenen j"n"» — hat er, obgleich schon altersschwach und leidend, nsup geblasen und vorgebetet.

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