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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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408 Zuflucht in meinem Hause', so lange es Euch darin zu bleiben gefällt."" * „Aber sage mir, Herr," sprach Joseph, „wieso wohnst Du hier in Ruhe und Sicherheit, wiewohl, wie ich vernommen habe, das Gothenreich zertrümmert und der Kaiser der Herr Italiens geworden ist?" „„So hast Du noch nichts,"" antwortete der Gothe, „„von dem Umschwünge vernommen, der sich vollzogen hat? Die Gothen waren wohl niedergeworfen, aber nicht vernichtet. Nachdem Wittigis gefangen war, haben wir uns einen neuen König gewählt, einen jugendlichen Helden, dessen Thun und Wirken Gott gesegnet hat. Er hat die zerstreuten Schaaren der Gothen gesammelt und die Griechen aus einem großen Theil Italiens wieder vertrieben. Wie der Aufgang der Morgensonne aus dunklem Nachtgewölk Licht und Segen bringend und unwiderstehlich, wirkte seine Erhebung. Die finstern Schatten wichen Schritt für Schritt vor seinem Nahen. Glück und Sieg flogen vor ihm her und die Thore der Städte, die Herzen der Menschen erschlossen sich vor ihm fast ohne Widerstand."" „Und wie heißt dieser wunderbare Held, der so Großes vollbracht hat?" „„Totila."" „Wie, Totila, der Sohn des Tota, der ehemalige Seegras von Neapolis?" „„Derselbe."" „Gott segne Dich, Herr, für die frohe Botschaft, die Du mir gebracht. Euer neuer König ist mein Freund, mein Kampfgenosse. Meine Braut, die ihm das Leben gerettet, wird um seinetwillen gefangen gehalten. Er wird sich freuen, zu ihrer Befreiuung ausziehen zu können. Wo weilt er jetzt? Ich will augenblicklich zu ihm eilen und von ihm die Befreiung der Retterin seines Lebens heischen." „„Ich werde Dich in finsterer Nacht nicht ziehen lassen; auch weiß ich nicht genau, wo der König jetzt weilt. Warte bis morgen; dann will ich selbst Dich geleiten und Dir Helsen, das Heerlager des Königs aufzusuchen. Du reisest auch sicherer unter meinem und meiner Knechte Schutz."" Joseph erkannte die Wahrheit der Worte des gothischen Edlen und willigte ein, die Nacht in dessen Hause zu verweilen. Es war in der That so, wie Wachis, der gothische Edle, dem Joseph erzählt hatte. Wir haben bereits oben berichtet, daß die griechischen Steuereinnehmer im Aufträge des Kaisers Italien brandschatzten. Die Italiener, welche die Griechen als Befreier begrüßt hatten, sehnten sich noch während des Krieges nach der gothischen Herrschaft, die stets Milde und Gerechtigkeit hatte walten lassen, zurück. Ohne Rücksicht auf die Noth des Krieges, spannten die Steuerexecutoren dem Bauern das pflügende Rind aus dem Pflug, nahmen dem Handwerker das Geräthe aus der Werkstatt, dem Kaufmann die Waaren aus der Halle. In manchen Städten erhob sich das Volk in hellem Aufruhr gegen seine Peiniger, was das Loos der Unterdrückten nur noch verschlimmerte. Als nun Totila heranzog, fielen ihm von allen Seiten die Italiener zu und halfen ihm die griechischen Besatzungen verjagen. König Tokila hatte ein Manifest an die Gothen und Jtalier erlassen. Den Gothen wurde dargethan, daß König Wittigis dem Berrathe erlegen, Belisar habe nicht erfüllt, was er versprochen. König Totila rief sie auf, den Berrath zu rächen und die ihnen widerfahrene Schmach zu strafen. Die Jtalier aber wurden aufgerufen, nun, nachdem sie erfahren, welchen Tausch sie durch den Abfall gemacht, zu ihren alten Freunden zurückzukehren. Dafür verhieß der König nicht nur volle Amnestie, sondern auch Gleichstellung mit den Gothen und Befreiung von jeder Steuer bis zu Beendigung des Krieges. „Jtalia," schloß das Manifest, „blutend aus den Wunden, welche die Tyrannei von Byzanz ihr geschlagen, soll sich erheben unter meinem Schilde. Helft uns, Söhne Jtalias, unsre Brüder, von diesem heiligen Boden die gemeinsamen Feinde, die Hunnen und Skythen Justinians, zu vertreiben. Dann soll im neuen Reich der Jtalier und Gothen, gezeugt aus italischer Schönheit und Bildung, aus gothischer Kraft und Treue, ein neues Volk erstehen, dergleichen an Adel und Herrlichkeit noch nie die Welt geschaut." Dieses Manifest verfehlte jeine Wirkung nicht. Einem Triumphzug, nicht einem Feldzug, glich der Marsch Totilas durch Italien. Wohin er kam, jauchzten ihm Gothen und Jtalier zu. Auch den Juden erschien er als Befreier. Er hob das Kopfgeld auf, welches sie als Extrasteuer bisher hatten bezahlen müssen, und gestattete ihren Frauen und Mädchen sich nach Herzenslust zu schmücken, während es ihnen bis dahin verboten gewesen, öffentlich Schmuck zu tragen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .Israelit' große Bleiche 45. I. Gotisleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anreiger).

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