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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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407 „Herr, mein Gott," sprach er vor sich hin, „warum muß ich so sehr leiden? Doch Du bist gerecht, und Alles, was Du thust', Allgütiger, geschieht zu unsrem Besten. Auch mir wirst Du Befreiung senden und meiner Miriam, und wir werden unter Deinem Schutze noch Jahre des Glückes verbringen. Solltest Du aber es anders beschlossen haben — Dein heiliger Wille geschehe!" Statt des stummen Sklaven trat eines Tages ein Anderer in den Kerker Josephs. „Herr," sprach er, nachdem er das Brod und den Wasserkkug niedergesetzt hatte, „erinnerst Du Dich meiner?" Joseph blickte ihn aufmerksam an. „„Ha,"" rief er, „„bistDu nichtJacobus?"" „Ich bin es," sagte der Sklave, „der ehemalige Diener Deines Oheims Isaak. Nach der Eroberung von Neapel wurde ich verkauft und wanderte von einer Hand zur andern; aber ich habe keinen so gütigen Herrn wieder gehabt, wie Isaak es gewesen. — Der stumme Sklave, welcher Dich bediente, ist erkrankt, und ich habe den Haushofmeister ersucht, mich mit Deiner Bedienung zu beauftragen; denn ich bin entschlossen, Dich zu retten und mit Dir zu entfliehen!" Joseph war ganz betäubt von dieser unerwarteten Glücksbotschaft. Er sprang auf und rief: „Allgütiger Gott, wie kann ich Dir genug danken für den Hoffnungsstrahl, welchen Du mir sendest!" „„Ich habe alles Nöthige vorbereitet,"" fuhr Jakobus zu reden fort. „„Um Mitternacht werde ich zu Dir zurückkehren und Dich zum Schlosse hinaussühren. Die Mauer werden wir mittelst einer Strickleiter übersteigen. Im Wallgraben habe ich eine Stelle ausfindig gemacht, an welcher wir ihn durchkriechen können." " „Und Miriam?" fragte Joseph gespannt. „„Sie befindet sich wohl; aber an ihre Befreiung können wir nicht denken. Der Hausverwalter bewacht sie auf das Sorgfältigste."" „Und Lucius Licinius?" „„Er ist mit Belisar nach Constantinopel abgereist." " „Hat Belisar fliehen müssen?" „„Nicht doch; das Gothenreich ist vernichtet, König Wittigis ist mit seiner Gemahlin gefangen und nach Byzanz verbracht. Roni und Ravenna sind in den Händen der Griechen, und Lucius Licinius wird vom Kaiser zum Exarchen von Italien ernannt werden."" „Und was ist aus Totila, dem Seegrasen, geworden?" „„Ich weiß es nicht. Er wird wohl tobt oder gefangen sein, wie die andern gothischen Heerführer." " „Und das Alles hat sich ereignet, während ich hier unter der Erde im Kerker schmachte! Vielleicht ist auch das zum Guten gewesen. Wäre Miriam nicht gefangen worden, so hätte ich mich sicherlich dem gothischen Heere angeschlossen und wäre wohl in einer der vielen Schlachten gefallen." „„Also, um Mitternacht Herr, halte Dich bereit!" " „Guter Jacobus! Möge Gott mir die Gnade geben, daß ich in den Stand gesetzt werde, mich Dir dankbar zu beweisen!" Die Flucht Josephs gelang, ohne daß sich ihm und seinem Befreier ein nennenswerthes Hinderniß entgegengestellt hätte. Als ihre Flucht auf dem Schlosse bemerkt wurde, waren sie bereits weit fort. Bei Tag verbargen sie sich in den Wäldern,, mnd bei Nacht wanderten sie so lange, bis sie weit genug entfernt waren und eine Verfolgung nicht mehr zu fürchten hatten. In den Waldbergen im Norden von Benevent befinden sich noch heute die Ruinen eines ausgedehnten Gebäudes. Epheu und wilde Rosen haben um die Wette die Trümmer überkleidet; die Bauern des nahen Dorfes haben seit Jahrhunderte Steine davon getragen, um die Erde ihrer Weingärten an den Hügelrändern damit aufzudämmen. Aber noch immer, bezeichnen die Risse deutlich, wo die Säulenhallen vor dem Hause, wo das Mittelgebäude, wo die Hofmauer stand. Ueppig wuchert das Unkraut auf dem Wiesengrund, wo einst der schöne Garten in Zier und Ordnung prangte. Nichts davon hat sich erhalten als das breite Marmorbecken eines längst verfallenen Brunnens, in dessen Rinnsal sich jetzt die Eidechse sonnt. In den Tagen, von denen wir erzählen, sah es hier anders aus. Das Haus war von glücklichen Menschen bewohnt, von sorgfältiger Frauenhand bestellt. Der Garten von hellem Kinderlachen belebt. Es war vor Sonnenuntergang. Die Knechte und Mägde kehrten von den Feldern zurück. Zu ihrem Erstaunen sahen Joseph und Jacobus, die des Weges kamen, daß es Gothen waren, welche hier hausten. Sie begehrten Einlaß und wurden vor den Herrn des Hauses geführt. „Wir sind Flüchtlinge," sagte Joseph, „dem Kerker entflohen. Man hat mich cingekerkert, weil! ich einen griechischen Anführer erschlagen in dem Augenblicke, da er ein unschuldiges Mädchen tobten wollte. Mit der Hilfe dieses treuen Mannes bin ich dem Kerker entronnen. Wirst Du uns unsren Feinden ausliefern, o Herr?" „„Das sei fern von mir,"" antwortete der Gothe. „„Ich gewähre Euch vielmehr gerne eine

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