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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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406 von Herrn Henriquez de Castro belehren ließen, aus dessen Händen der König auch ein sehr interessantes Gedenkbuch über die Gemeinde annahm. Von verschiedenen Gesetzestafeln wurde der Schmuck genommen, damit er betrachtet werden konnte; auch wurden einige Rollen geöffnet. Darauf nahmen der König und die Königin auf einem mit Gobelins bekleideten Sopha, das nur bei besonderen festlichen Gelegenheiten benutzt wird, Platz, und hörten dem Gebete für das fürstliche Haus zu. Schließlich überblickten sie von dem sog. Theba aus das herrliche Gebäude, das sie nach dreiviertelftündigem Aufenthalt verließen. Rußland. Petersburg, 19. April. Der „Regierungsbote" bestätigt die gestern gemeldeten Judenexcesse in Beresnegowatoie und Wiffunsk und gibt an, daß in sieben Judenhäusern Fenster eingeschlagen sind. Der Gehülfe des Kreispolizeichefs ist zur Herstellung der Ordnung abkommandirt. In Dubssary brachen am 12. April Nachts Unruhen aus, wobei die Thüren und Fenster in Häusern von Juden sowie einige Waarenlager derselben demolirt wurden. Durch Steinwürfe wurden 6 Männer verwundet, ein Jude tödtlich. Die Ruhe wurde in derselben Nacht noch durch die Polizei hergestellt. Der „Regierungsbote" berichtet ferner über die Judenexcesse am 13. April. In Letitschewo wurden die Unruhen erneuert. In drei Schenken wurde der Branntwein ausgegossen, in zwei Häusern die Sachen zerstört. Arretirt wurden 40 Personen. Die Ordnung wurde um 12 Uhr Nachts hergestellt. Aus Balta berichtet der Gouverneur, daß die Ruhe hergestellt und die Läden und der Handel in den früheren Zustand gebracht worden seien. Gegen 50 Protokolle über die Exeesse sind dem Friedensrichter übergeben. Außer diesen Unordnungen verdient Erwähnung, daß am 13. April in der Kolonie Dobroc aus Nikolajew mit Revolver bewaffnete Uebelthäter eintrafen und den Israeliten Prossanikow plünderten. Bei ihrer Arretirung durch den Eisenbahngensdarm und Bahnarbeiter wurde der Arbeiter Kowtunow durch eine Revolverkugel am Kopfe verwundet. Arretirt sind der Pole Ölschewski, der türkische Unterthan Feldmann und der Israelit Balanowski. Sie wurden nach Nikolajew zur Untersuchung abgeführt, um dem Kriegsgericht übergeben zu werden. Die Unruhen in Karpowitschy fingen am 12. April an. Ein Haufe von 200 betrunkenen Bauern zerstörte die im Dorfe befindliche Schenke, das Haus und den Laden des jüdischen Unterthanen Kahan. Das Inventar wurde zerstört und gestohlen. Der Schaden wird auf 4000 Rubel angegeben. Mit Hilfe der aus anderen Orten herangezogenen Bauern wurde Nachts die Ruhe hergestellt. In der Nacht vom 14. auf den 15. April erneuerten sich die Unruhen mit verstärkter Kraft. Die Volkshaufen beabsichtigten den Hof Kahan's zu zerstören^ wurden jedoch durch rechtzeitiges Einschreiten der Polizei daran verhindert. Hierbei wurde der Rädelsführer verhaftet. Aus Nowosybkowo herbeigeeilte zwei Kampagnien Soldaten stellten sofort die Ordnung her. Die Arretirungen wurden in energischer Weise bewerkstelligt. Behufs Vorbeugung weiterer Exeesse in der Umgegend sind entsprechende Maßregeln getroffen. Aus Petersburg meldet die „Voss. Ztg.":" „Aus dem Süden Rußlands gelangen auf privatem Wege wahrhaft Entsetzen erregende Nachrichten in die Residenz. Man spricht von der Verwüstung mehrerer Flecken und Dörfer, in welchen Juden wohnen; ganze Dörfer sollen medergebrannt worden sein, nachdem sie von räuberischen Horden geplündert worden sind. Das zum Schutze der armen geplünderten und auf's Aergste mißhandelten Juden herbeikommandirte Militär, zumeist Kosaken, kommt immer beinahe so verspätet an, daß es wie Absicht aussieht. Es heißt nach einer Version, daß 8000, nach der zweiten, daß bereits 17,000 jüdische Staatsbürger ohne Heimath und Obdach seien. Es sollen diesmal die Mißhandlungen viel zahlreicher sein als im vorigen Jahre. Die plündernde Rotte verlacht jede Drohung gesetzlicher Ahndung. „Warum erläßt der Kaiser kein Manifest, wenn er nicht will, daß wir die Juden hauen und plündern sollen? so rufen sie den sie abmahnenden Ortsältesten höhnisch zu. Diese müssen, selbst wenn sie mitunter humaner gesinnt sind, als der Mob, mit verschränkten Armen zusehen, um nicht selbst mißhandelt zu werden. Die Juden nennen Jgnatiew eine egyptische Plage, eine Strafe Gottes. Viele sagen, das Passahfest müsse nicht nach der Flucht aus Egypten, sondern nach der Flucht aus Rußland gefeiert werden. Die Desperation ist allgemein." Feuilleton. Kartheriope. XVII. Viele Monate hatte Joseph indem unterirdischen Kerker des Schlosses bei Benevent verbracht. Ein stummer Sklave brachte ihm täglich Brod und Wasser, und so war er ganz von der Außenwelt abgeschlossen. Er erfuhr weder etwas von Miriam, I noch von den großen Ereignissen, die auf italienischem! Boden sich vollzogen hatten. War Lucius Licinius in sein Schloß zurückgekehrt? Was war aus Miriam geworden? War ein anderer Mörder gegen sie ausgesendet worden, nachdem Joseph den ersten getödtet hatte? Was sollte aus ihm selbst werden? Sollte er sein ganzes Leben im dumpfen, unterirdischen Kerker verbringen? Verzweiflung wollte sein Herz erfassen.

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