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Der Israelit · 1882-04-26 · Heft 17 (26.4.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 17 (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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404 feierlichem Gottesdienste zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Nach Erledigung der Revision über Einnahmen und Ausgaben, wie auch Ertheilung der Decharge schritt man zur Tafel. Nachdem mehrere humoristische und ernste Tischreden gehalten wurden, ergriff unser allgemein beliebter und geachteter Religionslehrer, Herr Eantor Lebowski, das Wort. Mit Hinweis auf die Pflicht, bei einer mso rvryD auch mm nan zu erwähnen, behandelte Redner zunächst eingehend die halachisch-talmudischen Lehr- und Grundsätze von lnOBQö “mr ia m»o und daß außer «un rorn .imoa o-jk iro!?» mmn toa bis auf m*ay u-ib n'bw jw. Mit Letzteren beleuchtete Redner die vielfach erörterte Frage, was wohl Pharao veranlaßt haben mochte, die Wiederversolgung der Kinder Israel zu wagen: er hat sie doch entlassen und sich nicht vom Hörensagen, sondern persönlich von der Macht Gottes genügend überzeugt, er mußte sich doch sagen, daß der Dnayn seinem Volke Israel auch am Meere Beistand leisten wird? Doch Pharao hat hier den Sinn von mpy -o-p rvb» mißdeutet, denn Pharao selbst hat keine Grausamkeiten ausgeübt, sondern nam pn bi i'a r.jns un Dpttm m-N’n und wollte sich durch die Ausrede D’vmw m nan Ta'-nn na-n am mn freisprechen: aber mit Nichten! ist die Befehlsform: es waren keine Wünsche, sondern Befehle, die Tyrannei mußte ausgeführt werden, njns wurde daher auf Grund amo" disciplinarisch bestraft. H. L. kehrte auf die Bedeutung des Tages zurück und wies in beredten Worten nach, daß es unsere Pflicht ist, nicht allein am ne« t, sondern auch an allen andern Tagen unserem großen Lehrer n»o Hochachtung zu zollen. Allein aber mit Festessen und Fasten erfüllen wir unsere Pflicht nicht, sondern wir müssen thatkräftig eingreifen. Wie einst n»o bei der verzweifelten Lage seiner Brüder mit eigener Gefahr eingetreten ist, so müssen auch wir zur Linderung der bitteren Noth unserer südrussischen Brüder unser Scherflein beitragen. Redner schloß mit den Worten: „Thum wir das nicht, so übertreten wir das Gebot *un dt vy -royn r«v" Verhalte Dich nicht gleichgiltig bei dem Untergange Deines Bruders. Am darauffolgenden Tage unternahm der Unterzeichnete mit H. L. eine Eollecte, die 70,20 M. ergab, welches doch für unsere kleine Gemeinde ein erkleckliches Sümmchen ist. Indem ich um Aufnahme dieser Zeilen, so wie laut Beifügung der Spendenliste nebst Betrages in Ihr gesch.Blatt, ergebenskbitte, ersucheich alle meine Glaubens- und Gesinnungsgenossen, keine Gelegenheit unbenutzt zu lassen, um für diese unsere heilige Pflicht unermüdlich zu wirken. u1? dp» npnsn n»yo rvm H. I. Henschke. Aus Frankfurt a. M. erhalten wir die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden der allverehrten Frau Rabbiner Hirsch y"J. Die Verewigte erreichte ein Alter von 79 Jahren. Ein imposanter Leichenzug bewegte sich Sonntag, den 23. April, dem Friedhofe der isr. Religionsgesellschaft zu. Am Grabe sprachen der tiefgebeugte Gatte, ferner der Präses des Vorstandes der isr. Religionsgesellschaft, Herr Emanuel Schwarzschild, der älteste Sohn der Verewigten, Herr Director Dr. M. Hirsch, und ein anderer Sohn, Herr Dr. jur. Napthali Hirsch. — Möge der allgütige Gott dem ehrwürdigen Nestor der jüdischen Orthodoxie, der um die theure Lebensgefährtin, die ihm länger als ein halbes Jahrhundert liebreich und hilfreich zur Seite gestanden, Trost spenden und ihn aufrichten aus seinem tiefen Leide, ebenso den Söhnen und Töchtern, welche die Verewigte zu Männern und Frauen erzogen, auf die stolz zu sein das Judenthum Ursache hat — gewiß der höchste Ruhm, den man einer Frau zu spenden vermag. n"3"y"j"n. OesterrMngar. Monarchie. 2embeta* Mr. Oliphant hat sich vorläufig noch nicht noch Brody begeben, weil die Befürchtung naheliegt, daß auf die Nachricht von der Ankunft des Delegirten des englischen Hilfskomitös dort neue Massen jüdischer Flüchtlinge aus Rußland zusammenströmen werden. Es wurden die Repräsentanten des Brodyer Unterftützungskomitss nach Lemberg berufen. Zufolge der hier gefaßten Beschlüsse werden in jeder Woche zwei Züge mit 1200 Flüchtlingen über Lemberg nach Amerika abgehen. Subsidien werden in Brody vertheilt. Mr.O., der hier zwei Wochen verweilen wird, erhielt von einem amerikanischen Fabrikanten ein Telegramm, worin sämmtlichen jüdischen Emigranten für ihr Fortkommen in Amerika Anerbietungen gemacht werden. Ein anderer amerikanischer Negociant stellt den Flüchtlingen aller Art landwirthschaftliche Geräthschaften unentgeltlich zur Verfügung. Lemberg. Der Delegirte des Londoner Hilfskomittzs, Mr. Oliphant, ist heute hier eingetroffen und hat kurze Zeit mit dem Statthalter Grafen Potocki konferirt; er begibt sich Abends nach Brody, um bei der Auswanderung von zwölftausend russischen Juden nach Amerika hilfreich zu interveniren. Das englische Hilfskomittz hat bereits dafür Sorge getragen, daß sämmtliche jüdische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Amerika Unterkunft und Erwerb finden. Es ist kein Zweifel, daß die letzten Osterkrawalle nächst Odessa die Zahl der Flüchtlinge abermals vermehren helfen werden. In Berlin soll demnächst eine Konferenz hervorragender Mitglieder der Alliance israelite universelle aus allen größeren

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